Zweites touristisches Hammerwerk

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„Die Anlage läuft wunderbar“, berichtet Klaus Brunsmeier vom Verein Heesfelder Mühle über die Einspeisung der 70 Kilowatt-Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Sessinghauser Hammers, die seit der Inbetriebnahme schon 25 000 Kilowattstunden erbracht hat. ▪

KIERSPE ▪ Das Regionale-Projekt auf dem Gelände der früheren Firma Walter Brune und vormals August Hessmert firmiert künftig in Anlehnung an das historische Hammerwerk an dieser Stelle unter der Bezeichnung Sessinghauser Hammer, wie Klaus Brunsmeier vom Verein Heesfelder Mühle informiert.

Dies bringt die geplanten Inhalte seiner Meinung optimal auf den Punkt, denn in dem Bereich finden sich neben zahlreichen Eisenverarbeitungsbetrieben auch Pingen und Bergbaustollen, die von der Erzgewinnung schon ab dem 13. Jahrhundert zeugen. Informieren können sich Interessierte über das Vorhaben, das die Industriegeschichte im Volmetal mit moderner regenerativer Energiegewinnung verbindet, auch am kommenden Sonntag im Rahmen des Autofreien Sonntags im oberen Volmetal. Dann ist die Bundesstraße zwischen Meinerzhagen bis Lüdenscheid-Brügge für Kraftfahrzeuge gesperrt, so dass dort mitten auf der Fahrbahn Rad und Inliner gefahren oder gewandert werden kann.

Als der Verein 2010 von dem Objekt hörte und es sich ansah, war der Komplex akut vom Einsturz bedroht. „Wir sahen sofort, dass das eine ordentliche Hausnummer ist, bei der gutachterliche Tätigkeit und Unterstützung unabdingbar ist“, berichtet Brunsmeier. Nach der Machbarkeitsstudie zu möglichen künftigen Nutzungen wurden zwei Drittel der Gebäude abgerissen. Nur der Nordflügel blieb erhalten, weil er eine schöne alte Struktur hat, besser erhalten ist und sich von daher gut restaurieren lässt.

Der Standort hat eine wechselvolle Geschichte als Metallverarbeitungsbetrieb bis in die 1970er und 1980er Jahre hinein. Zuletzt wurden von der Firma Brune dort Speichen und anderes Fahrradzubehör produziert. Über Jahrhunderte war die Eisenbearbeitung und -verarbeitung am Sessinghauser Hammer wie bei allen anderen Anlagen im Volmetal mit der Wasserkraft verbunden, die daher auch bei dem Regionale-Projekt ein zentraler Baustein ist. Die Uni Siegen hat ein Gutachten über eine künftige ökologisch vertretbare Wasserkraftnutzung an dieser Stelle erarbeitet.

Von dem Wehr bei In der Grüne, das in eine raue Rinne umgestaltet wird, soll kontinuierlich eine kleine Menge Wasser von der Volme abgezweigt werden und das aus Stahl gefertigte Wasserrad der Schmiede betreiben. Das Gebäude wird unterhalb des Hammerteiches neu errichtet, natürlich stilecht aus Ziegeln und Bruchsteinen, die von dem Abriss des restlichen Komplexes gesichert und eingelagert wurden. „Das wird dann ein Teil des touristischen Ziels auf dem Volmetalradweg sein“, macht Brunsmeier aufmerksam.

Zu Zeiten, wenn der Fluss stark wasserführend ist, wird eine größere Menge entnommen, die dann eine Wasserkraftschnecke zur Stromgewinnung antreibt. „Wasser ist genug vorhanden erläutert der Vertreter des Vereins Heesfelder Mühle diese umweltfreundliche Wasserkraftnutzung, „denn in der Volme fließen im Jahresverlauf zwischen 160 Liter und 15 Kubikmeter pro Sekunde.“ Bestandteil ist außerdem schon jetzt eine Photovoltaikanlage auf dem neu errichteten und idealerweise nach Süden ausgerichteten Dach, die 70 Kilowatt leistet und seit ihrer Installation bereits 25 000 Kilowattstunden erbracht hat, wie Brunsmeier erwähnt.

Derzeit laufen die Genehmigungen für Baurecht, Wasserrecht und die Förderanträge für die Bereiche erneuerbare Energien mit PROGRES und Städtebaumittel. Nachdem das Projekt „Oben an der Volme“ von Kierspe, Meinerzhagen, Halver und Schalksmühle den dritten Stern im Regionale-Prozess bekommen hat, befindet sich nun auch der Sessinghauser Hammer als Bestandteil im Qualifizierungsverfahren. „Wir streben die Fertigstellung und Eröffnung für 2015 an. Schon im Herbst soll mit der Herrichtung von Wehr, Obergraben und Teich begonnen werden“, kündigt Brunsmeier an.

Im Rahmen des Volmetalradweges wird der Sessinghauser Hammer eine Pausenstation werden, wo man etwas essen und trinken sowie anschauen und auch zur Toilette gehen kann. Es wird einen Gastraum geben und eine Ausstellung mit musealem Charakter. Erstmals geöffnet ist nun am Sonntag: Dann können Fahrrad- und Inline-Fahrer sowie Fußgänger anhalten und sich alles ansehen. Es werden Zelte aufgebaut, in denen es Informationen sowie auch eine Bewirtung gibt. Das Projekt wird in einer Ausstellung präsentiert. Aufgebaut wird zudem eine Tankstelle für E-Bikes und Pedelecs mit selbst produziertem Solarstrom. Erreichbar ist der Hammer An der Leye entweder von der Mitte Bollwerks aus oder von dem Wehr bei In der Grüne. Klaus Brunsmeier, der stellvertretender BUND-Bundesvorsitzender ist, gestaltet den Tag zusammen mit dem BUND. Dieser unterstützt das Vorhaben gerne, denn dieses verbindet die erneuerbaren Energien als Beitrag zum Umweltschutz mit der regionalen Identität, wo der Vereinsvertreter im heimischen Raum noch Entwicklungsspielraum und somit Perspektiven erkennt.

Rolf Haase

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