Bahnübergang besonders für Kinder gefährlich

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Ein kurzes Winken an den Zugführer und schon ist die von Brügge kommende Regionalbahn 25 weiter in Richtung Kierspe unterwegs. Der Bahnübergang kann dann wieder geöffnet werden und Mehmet Duman zurück in den extra aufgestellten Container – bis der nächste Anruf kommt und zwei Minuten später die Flatterbänder von Andreaskreuz zu Andreaskreuz gezogen werden müssen.

Kierspe - Das Funktelefon klingelt: Mehmet Duman wird darüber informiert, dass gerade die Regionalbahn 25 in Brügge abgefahren ist. Er zieht sich die Jacke in Warnfarben an, schnappt sich das Warndreieck und geht zum Bahnübergang am Herlinghauser Weg, um zwei Minuten nach dem Anruf diesen mit rot-weißen Flatterbändern abzusperren.

Mehmet Duman ist ein sogenannter BÜP (Bahnübergangsposten), hat vor zwei Jahren die entsprechende Ausbildung abgeschlossen und die Prüfung bestanden. Seitdem ist Duman in ganz Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Überall dort, wo an Bahnübergängen Schranken nicht funktionieren oder – wie in Kierspe – neu gebaut werden müssen.

So war der BÜP bereits in Hamm, Herne, Wesel und anderen Orten im Einsatz. Auch in Recklinghausen, wo Duman lebt. Sein Dienst am Bahnübergang Herlinghauser Weg begann am Dienstag um 4.30 Uhr, was bedeutet, mitten in der Nacht aufzustehen und sich ins Auto zu setzen. „Ich brauche etwa eine Stunde von Recklinghausen bis hierhin.

Kurz vor 5 Uhr verlässt Mehmet Duman dann zum ersten Mal den Container, der auf dem kleinen Parkplatz direkt neben dem Bahnübergang steht, um die drei Flatterbänder von Andreaskreuz zu Andreaskreuz zu ziehen und damit den Übergang zu sperren. Drei Flatterbänder, weil sich der Herlinghauser Weg gleich nach dem Übergang in zwei Straßen aufteilt.

Viele Fahrzeuge seien es nicht, sagt der BÜP, die auf das Passieren des Regionalzugs warten würden. Wenn, dann meistens nur ein Wagen.

Mehmet Duman hat am Herlinghauser Weg beinahe jede Stunde den Bahnübergang mit rot-weißen Flatterbändern und Warndreiecken zu sperren.

Allerdings sei dieser Bahnübergang, das hat Mehmet Duman von Anfang an erkannt, gefährlich für Kinder, besonders für Radfahrer, wenn sie die abschüssige Straße in Richtung B 54 unterwegs sind. „Die können dann kaum bremsen“, sagt der BÜP.

Zu irgendwelchen besonderen Vorfällen ist es am Bahnübergang Herlinghauser Weg bislang nicht gekommen. Allerdings hat Duman an anderen Übergängen schon erfahren, dass manche Autofahrer nicht gerade freundlich sind, wenn sie vor dem rot-weißen Flatterband stehen und warten müssen.

„Aber das interessiert mich nicht“, ignoriert er das Meckern und Schimpfen. Das käme aber meistens nur an Bahnübergängen in großen Städten vor. Einmal habe sich aber ein Autofahrer nicht an die Sperrung gehalten: „Das ist dann ein schwerer Eingriff in den Bahnverkehr“, macht der Bahnübergangsposten klar, dass gegen den Autofahrer Anzeige erstattet wurde.

Um 13.30 Uhr endet für Mehmet Duman der Dienst in Kierspe, er wird von einem Kollegen – darunter auch sein Bruder Faruk – abgelöst. Bis dahin hat er stündlich einen Anruf aus Meinerzhagen oder Brügge erhalten und jeweils zwei Minuten später den Übergang gesperrt. Ab 13.30 Uhr übernimmt einer seiner Kollegen die wichtige Aufgabe – bis 23 Uhr, wenn der letzte Regionalzug durchgefahren ist, dauert der Dienst der Bahnübergangsposten am Herlinghauser Weg.

Für Mehmet Duman ist in wenigen Tagen auch Schluss in Kierspe, denn die Aufgabe des Bahnübergangspostens zählt aufgrund seiner zahlreichen anderen erworbenen Qualifikationen nicht zu den primären. So gesteht der Recklinghauser auch, dass er sich lieber um technische Dinge wie etwa das Steuern, Abschalten und Warten von Oberleitungen kümmert. Dies gehört neben den Bahnübergangsposten ebenfalls zum Aufgabenbereich der Firma, für die er arbeitet und die das für die Deutsche Bahn übernommen hat.

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