Hoher Investitionsbedarf

Zwei mangelhafte Gerätehäuser

Feuerwehrgerätehaus Vollme - neuer Standort Herlinghauser Weg
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Auf diesem städtischen Grundstück am Herlinghauser Weg soll das neue Feuerwehrgerätehaus Vollme gebaut werden. Der Hauptausschuss hat am Dienstag den entsprechenden Beschluss gefasst.

Das Feuerwehrgerätehaus der Löschgruppe Vollme, die zusammen mit Neuenhaus den Löschzug 4 in der Freiwilligen Feuerwehr Kierspe bildet, ist in den Fokus gerückt. Denn das Gebäude, das 1983 errichtet und 1990 erweitert wurde, entspricht längst nicht mehr den notwendigen Anforderungen. 

Kierspe - Dies geht auch so aus dem Entwurf der Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans hervor, den Christoph Müller von der Kommunal Agentur NRW GmbH und Oliver Knuf, Leiter des Sachgebiets Ordnung und Umwelt, am Dienstag im Hauptausschuss vorstellt.

Die Maße der beiden Stellplätze reichen nicht aus, um beispielsweise ein (genormtes) Ersatzfahrzeug unterzubringen. Es gibt zwar eine Ladeerhaltung für Druckluft und Strom, jedoch keine Absauganlage für die Abgase der Lastwagen. Es fehlen Parkplätze und die Zufahrt ist nur über eine schmale Straße im Begegnungsverkehr möglich, so heißt es in den Ausführungen des Brandschutzbedarfsplanes. Spinde, in denen die private nicht von der Arbeitskleidung getrennt werden kann, stehen zudem teilweise in der Fahrzeughalle.

Im Gerätehaus gibt es zwar geschlechtergetrennte Toiletten, jedoch keine Duschmöglichkeiten. Auch bei einem Stromausfall steht das Gebäude im Dunkeln. Kein Notstromaggregat, keine Stromeinspeisemöglichkeit – das trifft ebenfalls auf Rönsahl und Neuenhaus zu – und auch keine Sicherheitsbeleuchtung. „In der Gesamtbetrachtung befindet sich das Feuerwehrhaus in einem mangelhaften Zustand.“ Zur Löschgruppe Vollme gehören 16 Aktive, die über ein HLF 10 (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug) aus dem Jahr 2003 und ein MTF (Mannschaftstransportfahrzeug) von 2006 verfügen und damit zwischen 45 und 50 Einsätze im Jahr fahren.

Mangelhaft für Vollme und Rönsahl

Nicht nur das Gerätehaus in Vollme wird mit „mangelhaft“ bewertet, sondern auch das in Rönsahl. Keine Duschen, keine Absauganlage, beengte Platzverhältnisse, Stolperfallen im Gebäude, verwinkelte Zufahrt im Begegnungsverkehr und teilsweise nur geschotterte und nicht gekennzeichnete Parkplätze sind für die ebenfalls 16 Aktiven in Rönsahl, die auf 15 bis 20 Einsätze im Jahr kommen, die Gegebenheiten. Nach Vollme dürfte also das Rönsahler Gerätehaus als nächstes auf der Agenda stehen.

Jedoch: „Die Begehung der Feuerwehrhäuser hat deutlichen Investitionsbedarf an diesen aufgezeigt.“ Schließungen eines Standorts soll es aber nicht geben, denn in der Flächenkommune Kierspe mit den entsprechenden Fahrzeiten werden die Gerätehäuser benötigt. Nach dem Entwurf des Brandschutzbedarfsplans heißt dies: Kurzfristig müssen in Rönsahl Undichtigkeiten des Daches behoben und Lagerflächen strukturiert werden. Mittelfristig geht es auch dort um den Neubau einer Fahrzeughalle und Sanierung/Verbesserung des vorhandenen Gerätehauses. In Vollme müssen kurzfristig eine Fahrzeughalle errichtet sowie Umkleide- und sanitäre Räume installiert werden. Die Alternative lautet: „Neubau an einem geeigneten Standort“.

Und diesem Vorschlag haben die Mitglieder des Hauptausschusses einmütig zugestimmt. Unter der Voraussetzung, dass die Stadt mit 250 000 Euro durch die Landesprogramme „Dorferneuerung 2022“ und „Feuerwehrhäuser in Dörfern 2022“ gefördert oder, im anderen Fall, die Finanzierung gesichert ist, soll auf dem städtischen Grundstück am Herlinghauser Weg 18 im nächsten Jahr ein neues Gerätehaus errichtet werden. Die Kosten, so eine Schätzung würden sich auf 1,075 Millionen Euro belaufen.

Das Gerätehaus in Vollme muss entweder grundlegend um- oder neu gebaut werden. Denn das Gebäude genügt schon längst nicht mehr den heutigen Anforderungen.

Baut man am alten Standort um, müsste mit Kosten in Höhe von 1,23 Millionen Euro gerechnet werden – und hätte immer noch eine ungünstige Lage, eine schlechte Verkehrssituation und die, wie es heißt, suboptimale Verteilung der Gebäude- und Freiflächen.

Am neuen Standort müssten zwar 150 Quadratmeter Fläche hinzugekauft werden, doch mit der Eigentümerin sei man sich weitgehend einig. Einziger negativer Punkt am Herlinghauser Weg: Es muss der Bahnübergang passiert werden. „Doch wir haben dort keine andere geeignete Fläche“, erklärte Oliver Knuf. Letztlich verabschiedete das Gremium nicht nur den Brandschutzbedarfsplan, sondern stimmte auch dem Neubau eines Gerätehauses in Vollme zu.

Handlungsbedarf auch in Neuenhaus

Das Gerätehaus Neuenhaus ist zwar mit ausreichend bewertet worden, gleichwohl muss dort kurzfristig nach einem alternativen Standort für das MTF gesucht und mittelfristig Erweiterungsmöglichkeiten geprüft werden. Lediglich das neue Gebäude steht vorerst mit der Note „sehr gut“ ohne irgendeinen Bedarf da. Allerdings kommt auf die Stadt weiterer finanzieller Aufwand zu durch die Fahrzeuge. Neben der Akku-betriebenen Sicherheitsbeleuchtung sind es die Fahrzeuge. Die kleinen sollen, wenn möglich, nach 15 Jahren, Großfahrzeuge nach 20 Jahren und Anhänger je nach technischem Zustand ausgetauscht werden.

„Zeitlich sind wir bei den Fahrzeugen auf Kurs“, erklärte der Ordnungsamtsleiter, dass sich ein GWL (Gerätewagen Logistik) und MTF (Mannschaftstransportwagen) in der Beschaffung befänden. Deutlich mehr tun müsse man allerdings bei der Werbung für neues Personal, da die Löschzüge unterbesetzt seien. Die Kinder- und Jugendfeuerwehr reiche nicht, um die Zahl der Aktiven zu erhöhen. Ebenso wichtig sei die Einrichtung eines Einsatzführungsdienstes, darauf hatte Christoph Müller hingewiesen. Neben dem Personalaufbau – so konnte berichtet werden, dass es 17 Neue, davon neun Quereinsteiger gibt – müsse ebenfalls die Tagesverfügbarkeit verbessert werden. In diesem Fall soll an die Unternehmer nicht nur appelliert, ihre „Feuerwehr-Mitarbeiter“ auch für den Dienst freizustellen, sondern auch nach Fördermöglichkeiten gesucht werden.

Einsatzzahlen

In den Jahren 2017 bis 2019 gab es durchschnittlich 39 Brände zu bekämpfen und 118 Hilfeleistungseinsätze (unter anderem Verkehrsunfälle und Wasser- sowie Sturmschäden) zu fahren und fünf Brandsicherheitswachen zu halten. Ebenso wurden in den drei Jahren durchschnittlich 32 Fehlalarmierungen registriert.

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