Bürgerbus ist seit 20 Jahren in Kierspe unterwegs

Insgesamt fünf Fahrzeuge wurden mittlerweile eingesetzt. Der erste Bus fuhr 1994 auf Kierspes Straßen – unterstützt durch heimische Firmen, die auf dem Wagen werben konnten.

Kierspe - Öffentlicher Personennahverkehr spielt sich auf Hauptstraßen und auf der Schiene ab. Das galt Jahrzehnte auch in Kierspe. Und es gilt auch seit Jahrzehnten nicht mehr. Denn mit dem Einsatz des Bürgerbusses wurden auch Nebenstraßen als Fahrtstrecken „entdeckt“ und neue Ziele angesteuert. 20 Jahre ist es her, dass sich der erste Bus in Bewegung setzte.

Von Johannes Becker

Gegründet wurde der Bürgerbusverein in Kierspe bereits ein Jahr vor dem eigentlichen Fahrbetrieb. Galt es doch, von den Erfahrungen aus den Kommunen zu lernen, die bereits einen Bus betrieben. Allen voran Schalksmühle, das als vierte deutsche Kommune überhaupt einen Bus in Betrieb genommen hatte. Heute hat sich der Bus längst zu einem Erfolgsmodell im ländlichen Raum gemausert. Insgesamt fahren in Deutschland mittlerweile 200 Bürgerbusse – vor allem auf dem Land.

Ein Problem verbindet die Kiersper seit der ersten Stunde mit den meisten anderen Vereinen – die dauerhafte Suche nach neuen Fahrern. „Derzeit haben wir 16 Fahrer, wir könnten aber mehr als 20 gebrauchen“, so Gerhard Kamphausen, erster Vorsitzender des Kiersper Vereins.

Seinen Liniendienst nahm der heimische Bus am 9. Mai 1994 auf. Bereits zwei Tage vorher fand auf dem Montigny-Platz die Eröffnungsfeier statt. Damals stand Dirk Böcker am Mikrofon. Er gehörte zu den Vereinsgründern, sprach bei der Eröffnungsfeier und saß als einer in der ersten Fahrergeneration hinter dem Steuer.

Wenn der 20-jährige Fahrbetrieb am 17. Mai gefeiert wird, dann steht Böcker wieder am Mikrofon und wird an die Anfänge erinnern und sicher auch an die Fahrer, die vor 20 Jahren den neuen Liniendienst ermöglichten. Es waren vor allem Egon Schmidt, Rolf Loskand, Willy Vormann, Dirk Böcker, Susi Backhaus, Edmund Hesse, Manfred Ellermann, Hartmut Gehlhausen, Erich Herberg, Gregor Werner, Wolfgang Jocksch und Wolfgang Haarmann, die den Bus in der Anfangszeit fuhren. Wobei Haarmann nicht nur ein Fahrer der ersten Stunde war, sondern von Anfang an als Kassenwart arbeitete, ein Amt, das er noch heute bekleidet.

Ein Problem bei der Rekrutierung neuer Fahrer ist das Alter. Zum einen gibt es Vorgaben von der MVG, die den ganzen Bürgerbusbetrieb im Kreis betreut, zum anderen haben im Grunde nur Rentner Zeit, hinter dem Steuer Platz zu nehmen. „Außerdem müssen die Fahrer einen Personenbeförderungsschein besitzen und regelmäßig ärztliche Untersuchungen absolvieren. Die Kosten dafür übernimmt natürlich der Verein“, erläutert Geschäftsführerin Ingrid Stelse.

Doch es sind nicht nur die Fahrer, die über die Jahre gewechselt haben, sondern auch die Fahrzeuge. Kamphausen: „Jeder Wagen bleibt für 200 000 bis 300 000 Kilometer im Einsatz. Dann gibt es Ersatz.“ In Kierspe ist mittlerweile der fünfte Bus unterwegs, der allein im vergangenen Jahr 40 400 Kilometer zurückgelegt hat. Große Zahlen sind für den Verein aber sowieso eine Kleinigkeit. Nicht nur die gefahrenen Kilometer klingen imposant, auch die Fahrgastzahlen. So konnte mit Hildegard Weininger im September des vergangenen Jahres der 300 000. Fahrgast begrüßt werden.

Um den Wagen, der in seinem Inneren Platz für acht Passagiere und einen Fahrer bietet, müssen sich die Vereinsmitglieder selber kümmern. Wobei alle Reparaturen von der MVG übernommen werden. Steht der Wagen in der Werkstatt, stellt der Verkehrsbetrieb auch ein Ersatzfahrzeug.

Das war in den Anfangsjahren noch ganz anders. Nach zwei Monaten im Fahrbetrieb wurde der erste Bus von Unbekannten auf seinem Abstellplatz auf dem Baubetriebshof beschädigt. Die Tür wurde aufgebrochen und die Funkanlage zerstört. Da es keinen Wagen von der MVG gab, stellte ein Vereinsmitglied damals ein Wohnmobil als Ersatzfahrzeug zur Verfügung.

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