Eine Wolke mit Marihuanaduft

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Symbolfoto

Kierspe/Lüdenscheid - Ein Unfall mit anschließender Fahrerflucht an der Listerstraße in Meinerzhagen war am 14. April 2017 der Anlass für die polizeiliche Durchsuchung des Wohnhauses eines heute 26-Jährigen in Kiersper. Dort stießen die Beamten nicht nur auf den gesuchten Fahrer, sondern auch auf „eine kleine Wolke Marihuanaduft“, wie sich eine Zeugin im Amtsgericht Lüdenscheid erinnerte.

Mit einem erweiterten Durchsuchungsbeschluss arbeiteten sich die Polizeibeamten seinerzeit durch mehrere Stockwerke des Hauses und fanden zwischen Heizungskeller und Dachboden, in Nischen, Kartons und im Nachtschränkchen der Mutter des Angeklagten Erstaunliches: „Das ganze Haus war voll mit Marihuana.“ Aus diesem Fund wurde eine Anklage wegen Besitzes einer nicht geringen Menge Marihuana, über die im Amtsgericht Lüdenscheid verhandelt wurde.

Zehn größere Funde von trockenem Pflanzenmaterial zwischen sechs und 474 Gramm summierten sich auf eine Gesamtmenge von 915 Gramm „Gras“ mit einem Wirkstoffgehalt von gut 136 Gramm Tetrahydrocannabinol (THC). Offensichtlich war das Zeug in dem Haus auch gewachsen. Der „unglaubliche“ Ertrag ließ die Staatsanwältin allerdings staunen.

Ja, eine Wärmelampe habe für seine zehn bis 13 Pflanzen ausgereicht, versicherte der Angeklagte. Zweimal habe er seine kleine Plantage abgeerntet – mit den bekannten Herausforderungen für die extensive Lagerhaltung im ganzen Haus. Angefangen habe die ganze Geschichte in Berlin, erinnerte sich der Angeklagte. „Ein Rasta-Typ verteilte Samenkörner.“

Das Tütchen nahm er mit nach Kierspe, weil er „neugierig“ war: „Ich wollte nur die Pflanzen aufziehen und sehen, was daraus wird.“ Wärmelampe und weiteres Zubehör bestellte er über das Internet. Tomatendünger sollte der Plantage einen zusätzlichen Wachstumsschub verschaffen. Auch er selbst sei dann sehr überrascht gewesen, „dass die Menge viel größer war als erwartet“.

Der Geruch waberte durch’s Haus, was für seine ebenfalls im Haus wohnende Mutter aber kein Problem gewesen sei: „Die riecht halt nicht mehr so viel.“ Nie habe er daran gedacht, die Ware auch zu verkaufen, beteuerte der Angeklagte. Und tatsächlich deuteten die teilweise schwer zugänglichen Fundorte der getrockneten Bestände eher nicht auf einen schwunghaften Handel hin.

Das Ganze wirkte noch in den Beschreibungen der Zeugen eher wie ein merkwürdiger Hortschatz. Man hätte dem Angeklagten gerne abgenommen, dass er nicht so recht wusste, was er damit machen sollte – wären da nicht auch eine Feinwaage und Druckverschlusstütchen gewesen. Die Waage habe der Dosierung bei eigenem Konsum gedient, behauptete er. Ein Handeltreiben mit seinem Produkt war ihm letztlich nicht nachzuweisen – es blieb aber der Vorwurf des Besitzes einer nicht geringen Menge an Betäubungsmitteln.

Sein Verteidiger brachte einen minderschweren Fall ins Spiel und beantragte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Das Schöffengericht folgte aber dem Antrag der Staatsanwältin und verurteilte den 26-Jährigen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Außerdem muss er eine Geldbuße von 2000 Euro an die Arche Lüdenscheid, eine Hospizeinrichtung, zahlen. „Es war dumm, überhaupt so etwas zu machen“, erklärte der Angeklagte in seinem letzten Wort. „Ich werde hier nie wieder sitzen.“

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