Schnelles Internet für (fast) alle in Kierspe

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Stellen den Stand beim Breitbandausbau in Kierspe vor: der Breitbandkoordinator beim Märkischen Kreis Tilo Deckert, Bürgermeister Frank Emde und Helmut Heidemann, Sachgebietsleiter Tiefbau bei der Stadtverwaltung (von links).

Kierspe - Geduld mag eine Tugend sein – bei der Breitbandversorgung in Kierspe wird diese aber auf eine harte Probe gestellt. Doch zumindest gibt es jetzt einen konkreten Zeitpunkt, an dem der Mangel beseitigt und die ganze Bandbreite beim Breitband zum Tragen kommen soll.

„Ende 2020 werden alle Privathaushalte in Ortslagen mit mehr als zehn Haushalten einen Breitbandanschluss zur Verfügung haben, so sie diesen denn wollen“, da ist sich Tilo Deckelt sicher. Für die Gewerbegebiete soll es bereits im ersten Quartal 2020 so weit sein. Dann werden, so ist es geplant, die Zeiten vorbei sein, in denen sich Gewerbebetriebe im Volmetal mit weit weniger als einem Mbit/s zufrieden geben müssen und in denen die Fahrt zum Kino und zurück schneller geht, als das Laden eines Films am heimischen Computer. 

Kierspe und Meinerzhagen nehmen mit ihrer mangelhaften Breitbandversorgung einen Sonderplatz im märkischen Kreis ein. Bereits in der unmittelbaren Nachbarschaft werden Übertragungsgeschwindigkeiten erreicht, von denen der größte Teil der Kiersper nur träumen kann. Deckelt begründet das jedoch mit einem Sonderfall: „In Lüdenscheid und auch in Teilen von Halver verfügt ein Kabelnetzbetreiber über ein gut ausgebautes Glasfasernetz, mit dem er schnelles Internet anbietet. In Kierspe gibt es nur einen Anbieter für kabelgebundenes Internet – und nur, wenn dieser sein Netz ausbaut, dann passiert auch etwas.“ Doch dieser Betreiber sah in den vergangenen Jahren wohl keinen wirtschaftlichen Nutzen durch verstärkte Aktivitäten in der Volmestadt. 

Das soll anders werden. Mit Hilfe von zwei Förderprogrammen soll der Mangel in den kommenden Jahren behoben werden. Um möglichst schnell alle Formalien klären zu können, hat der Kreis die Planung an sich genommen und damit die Kommunen entlastet. Nun sollen zuerst die Gewerbegebiete mit schnellem Internet versorgt werden. Um die wirtschaftliche Lücke, die sich dabei für den Betreiber ergibt, zu schließen, zahlt das Land 80 Prozent der Kosten und der Kreis 20 Prozent. Spätestens im ersten Quartal des Jahres 2020 sollen alle Arbeiten beendet sein und jede Firma in den Gewerbegebieten einen Glasfaseranschluss nutzen können. Dabei werden nicht nur die Betriebe im Gewerbegebiet Osemundstraße berücksichtigt, sondern auch die im Volmetal. Den Nutzern stehen dann mindestens 50 Mbit/s im Down- und Upload (symmetrisches Internet) zur Verfügung. Da es sich aber um einen Glasfaseranschluss handelt, sind bei der Bandbreite theoretisch keine Grenzen gesetzt. 

Bei dem zweiten Förderprogramm, das den Privathaushalten zugute kommt, ist noch nicht abschließend geklärt, mit welchen Übertragungsgeschwindigkeiten diese rechnen können. Das liegt daran, dass alle Anbieter zwei Angebote abgeben müssen. Eines sieht den Ausbau mit Glasfaserleitungen bis ins Haus vor, das andere den Anschluss der Kabelverzweiger, von denen die „Telefonleitungen“ in die einzelnen Gebäude gehen. Deckert: „Doch selbst wenn nur der Kabelverzweiger ans Glasfasernetz angeschlossen wird, bekommen die Hauhalte in einer Entfernung bis 400 Meter immer noch einen Anschluss, bei dem 100 Mbit/s sichergestellt sind.“ 

Allerdings sieht dieses Programm nur eine Versorgung der Ortslagen vor, in denen sich mindestens zehn Haushalte befinden. Gefördert wird das Programm zu 50 Prozent vom Bund und zu 40 Prozent vom Land. Da sich Kierspe in der Haushaltssicherung befindet, übernimmt das Land auch die verbleibenden zehn Prozent. „Bei der Versorgung von Ortslagen mit weniger als zehn Haushalten, müssen wir erst einmal abwarten, wie sich die Versorgung verändert, wenn der beschlossene Ausbau abgeschlossen ist“, sagt Deckert. Denn erst nach dem Ausbau werde sich zeigen, welche Bandbreiten diesen Haushalten zur Verfügung stehen, da diese ja an die gleichen Kabelverzweiger angeschlossen seien. „Wenn die Versorgung dann nicht ausreicht, bin ich mir sicher, dass wir mit Hilfe eines dann verfügbaren Förderprogramms Abhilfe schaffen.“ 

Bürgermeister Emde sagt: „Ich hätte es sehr begrüßt, wenn der ländliche Raum beim Breitbandausbau nicht so benachteiligt worden wäre.“ Gleichzeitig bittet er um Verständnis dafür, dass man keinen anderen – kurzfristiger umsetzbaren – Lösungen den Vorrang gegeben habe, denn diese hätten Einschränkungen bei der Bandbreite bedeutet, die nun nicht zu befürchten seien.

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