Mit Zwangsjacke ins „gelbe Haus“

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Hoch her ging es auf der Bühne, alle Schauspieler zeigten vollen Einsatz.

KIERSPE ▪ Kuno Rechenschieber, ein fleißiges Rädchen in der Arbeitsmaschinerie der Kusto AG, die von einer peitschenschwingenden, männerhassenden Chefin (Inge Lück) erbarmungslos in Gang gehalten wird, rastet aus.

Deshalb wird er in der Zwangsjacke ins „gelbe Haus der Normalität“ verbracht, das, wie er schnell feststellt, diesen Namen nicht verdient hat.

„Alles ganz normal?“ fragte am Sonntag die VHS-Schauspieltruppe „Zeus & Consorten“ mit dem Stück von Martin Willi im PZ der Gesamtschule, und nahm unter der Regie von Martina-Schnerr Bille den ganz normalen Wahnsinn unserer Arbeitswelt und Gesellschaft aufs Korn.

Ulrike Schumacher spielte den an „Nervritis“ erkrankten Kuno, der zwischen den Fragen: „Bin ich ein ganz normaler Idiot oder ein idiotischer Normaler?“ und „Was ist eigentlich normal?“ herumirrt. Keinerlei Hilfe bekommt er dabei von Dr. Hieronymus Witzig (Mickey Draudt), der von seiner Allmacht überzeugt ist und ein Faible für das weibliche Geschlecht hat, selbst wenn es als Skelett daherkommt. Kurzum, der Halbgott in Weiß ist genauso durchgeknallt wie seine Patienten oder das Pflegepersonal. Er erklärt Kuno, dass man in unserer Gesellschaft die Antworten auf alle Fragen kennen und funktionieren muss, am besten zu Allem „Ja und Amen“ sagt.

Doch dann gibt es noch die Liebe, und für Kuno kommt sie als die schöne Sybille (Brigitte Péron) daher, die sich für die Kaiserin Sissi hält. Die Liebe, behauptet Dr. Witzig, bedroht die Sicherheit, Ordnung und die perfekte Produktion. Kuno gibt sie die Kraft mit seiner Sybille aus dem „gelben Haus der Normalität“ zum Happy End auszubrechen, während der Arzt Opfer der Geister wird, die er gerufen hat.

In einer Nebenrolle überzeugte Conny Risse: Leicht zerzaust und ein wenig apathisch verkörperte sie die „märchenhafte“ Rosa. Die „Statistin“, die die Rolle des Skeletts übernommen hatte, steht übrigens sonst still und ruhig in einer Kiersper Physiotherapiepraxis. Für die Technik war Markus Müller zuständig.

Um etwaigen Ausfällen vorzubeugen, waren die Rollen des Stückes diesmal doppelt besetzt worden. Wer nicht mitspielte, kam dennoch bei der pantomimischen Darstellung der Arbeitstretmühle zum Einsatz. Die „zweite Garnitur“ wird bei der nächsten Aufführung im Anne-Frank-Gymnasium in Halver am 15. März um 19.30 Uhr zu sehen sein. In der Meinerzhagener Stadthalle ist das Ensemble mit dem Stück am 22. März um 19.30 Uhr zu Gast. ▪ luka

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