Geschäft mit den Weihnachtsbäumen

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Die großen Fichten, die derzeit ausgeliefert werden, sind für Behörden, Schulen, Firmen und Institutionen bestimmt.

KIERSPE - Das Weihnachtsbaumgeschäft auf dem Bauernhof in Vornholt ist bereits seit 55 Jahren eine wichtige Einnahmequelle. „Obwohl“, das räumt Betriebsleiter Reiner Grafe ein, „der Umsatz im Verhältnis zu dem aus der normalen Landwirtschaft heute geringer geworden ist, denn aufgrund der gewachsenen Betriebsgröße mit mehr Kühen hat hier der Umsatz deutlich zugenommen.“

Von Rolf Haase

Auch am Freitag fuhr Seniorchef Dieter Grafe, dessen Zuständigkeitsbereich neben Brennholz, Zaunpfählen und Kartoffeln ebenfalls der Weihnachtsbaumverkauf ist, wieder einige meterlange Fichten aus.

Denn diese gehen jetzt zu Beginn der Adventszeit an Behörden, Firmen und Schulen, unter anderem aber auch an Altenheime wie das der Arbeiterwohlfahrt am Haunerbusch oder an die evangelische Tagungsstätte Haus Nordhelle in Valbert. Bei der Größe und dem Gewicht der Fichte packte Reiner Grafe seinem Vater gestern natürlich mit an, als diese auf den Anhänger hinter dem Nissan-Pickup geladen wurde.

Die Meinerzhagener Zeitung begleitet die beiden Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes, Heinz Wennekamp und Reiner Grafe, durch das Jahr und schaut ihnen bei ihren Tätigkeiten über die Schulter, um den Lesern so einen Blick hinter die Kulissen moderner landwirtschaftlicher Betriebe und die Arbeitsabläufe dort zu ermöglichen.

Die Vorbereitung für den Handel mit den Weihnachtsbäumen beginnt schon, wenn in der direkt am Hof liegenden Schonung mit einer Fläche von rund 10 000 Quadratmetern neue Nordmanntannen und Fichten gepflanzt werden. „Wir könnten demnächst vielleicht ebenfalls Korktannen anbauen, die gerade sehr gefragt sind“, überlegt Dieter Grafe während der Arbeit zusammen mit seinem Sohn. Jedoch der überlässt die Entscheidung lieber seinem Vater.

Im August war der Seniorchef wie jedes Jahr für zwei Tage in den Beständen eines Waldbauern bei Brilon, von dem er schon seit langer Zeit Bäume zukauft. „Ich suche jeden einzelnen nach Größe und Qualität persönlich aus. Genommen wird von mir nur erste Wahl“, berichtet Dieter Grafe, der erklärt, dass diese Bäume starke und dichte Äste sowie ein nicht zu großer Umfang auszeichnen. Da es sich ausschließlich um Nordmanntannen handele, hätten ohnehin alle garantiert einen geraden Stamm. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem Züchter scheut er die über 100 Kilometer weite Anfahrtstrecke nicht. Insgesamt sechsmal legt er sie im Jahresverlauf bestimmt zurück, um die Bäume auszusuchen, Tannengrün und dann auch die Bäume selbst zu holen. „Die Standortbedingungen im Hochsauerland mit kälteren Temperaturen und einem felsigeren Boden sorgen für besonders kräftige Bäume“, weiß der Bauer.

Andere Arten wie Nobilis, Edel- oder auch Korktannen kauft er bei einem Waldbauern bei Breckerfeld zu. Nur rund die Hälfte aller Bäume seien von optimaler Qualität, trotzdem kämen aber auch die anderen in den Handel und würden meist von Kaufhäusern, Super- und Baumärkten veräußert. Sie landeten in der Regel nicht in den heimischen Fachbetrieben. „Die Bäume, die von diesen verkauft werden, sind außerdem immer frisch, denn sie werden erst im Dezember geschlagen“, wirft Betriebsleiter Reiner Grafe ein und verweist auf die mit Weihnachtsbäumen beladenen Lastwagen, die bereits Anfang November auf der Autobahn zu sehen seien und meist die Großstädte als Ziel hätten. Da sei es nicht verwunderlich, wenn diese früher zu rieseln anfangen.

Immerhin etwa 30 Prozent des Verkaufs kämen aus dem eigenen Anbau. Der sei auch deshalb unverzichtbar, weil es immer noch Menschen gebe, die ihren Weihnachtsbaum gerne selbst absägen möchten. Dabei ist der Weihnachtsbaumverkauf Vetrauenssache und so hat auch der Hof in Vornholt zu 90 Prozent Stammkunden. Dieter Grafe berät nicht nur fachkundig, sondern liefert die Bäume zudem oft ebenfalls noch aus, wie gegenwärtig die vielen großen Fichten.

„Ein Unternehmer aus Halver lässt sich von mir jedes Jahr immer den Weihnachtsbaum für sein Wohnhaus in Schalksmühle liefern und gleich auch aufstellen, während er sich in seinem Zweigwerk in Amerika befindet. Ich verabrede mich dazu mit einem Mitarbeiter, der es dann auch übernimmt, den Baum zu schmücken, damit am 20. Dezember, wenn der Firmenchef wieder zurückkommt, alles fertig ist“, berichtet er über seinen Service.

In den zwei Wochen jetzt rund um den Beginn der Adventszeit fällt mit Abstand die meiste Arbeit an, das eigentliche Verkaufsgeschäft an den Endverbraucher finde jedoch in den drei Wochen vor dem Fest statt. Dann kommen auch viele Bürger nach Vornholt, die als Mitarbeiter oder Geschäftskunden von Firmen mit einem Gutschein für einen Weihnachtsbaum anstatt eines anderen Präsents bedacht wurden - ein Geschäft für den Bauern, das seit Jahren prima läuft.

Positiv für die Kunden ist, dass sie ihre Bäume nicht nur im Trockenen auswählen, sondern sich bei kälteren Temperaturen auch auf dem kleinen Weihnachtsmarkt in einem Nebenraum der Fahrzeughalle aufwärmen und sich unter Bastelartikeln, selbstgemachten Marmeladen und Likören sowie auch Hausmacherwürsten umsehen können. „Es gibt zudem Glühwein und Bratwürstchen“, komplettiert Dieter Grafe das Angebot.

Sein Sohn steht in der heißen Phase zudem mit einem Stand an der Landstraße 528 und verkauft Weihnachtsbäume. Mittlerweile ist Reiner Grafe dort allein, aber es gab Jahre, da waren auf kürzester Distanz in dem Bereich drei Händler aktiv.

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