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Schulleiter berichten Erschütterndes

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Von: Klaus Schliek

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Wenigstens etwas Nervennahrung für die gestressten Schulleiter: Anke Pies und Clemens Wieland überreichten am Dienstag Süßes und Blumen an (von links) Thomas Block, Stefanie Fischer (Verbundschule Bismarck/Servatius) und Johannes Heintges. An dieser netten Geste beteiligten sich bis auf die Freie Wählergemeinschaft alle Fraktionen.
Wenigstens etwas Nervennahrung für die gestressten Schulleiter: Anke Pies und Clemens Wieland überreichten am Dienstag Süßes und Blumen an (von links) Thomas Block, Stefanie Fischer (Verbundschule Bismarck/Servatius) und Johannes Heintges. An dieser netten Geste beteiligten sich bis auf die Freie Wählergemeinschaft alle Fraktionen. © Schliek, Klaus

Welch gravierende Auswirkung die Corona-Pandemie auf die Schulen hat, machten die erschütternden Berichte der beiden Schulleiter Thomas Block (Verbundschule Pestalozzi/Schanhollen) und Johannes Heintges (Gesamtschule) während der Sitzung des Ausschusses für Schule, Kultur und Tourismus am Dienstag deutlich. 

Kierspe - Nicht nur die Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern, sondern auch die Kollegien der Bildungseinrichtungen leiden seit Beginn der Pandemie im März 2020 extrem unter einer Fülle von Einschränkungen und zusätzlichen Aufgaben.

„Unsere Belastungen werden in der Öffentlichkeit jedoch kaum wahrgenommen“, klagte Johannes Heintges. Er verwies darauf, dass die Schulen bereits vor der Pandemie wegen fehlender Lehr- und Verwaltungskräfte in einer prekären Situation gewesen seien. Dazu komme jetzt noch die Herkulesaufgabe der Pandemiebewältigung. „Vor diesem Hintergrund habe ich für praxisferne und teils nicht nachvollziehbare politische Entscheidungen in Bezug auf die Schulen kein Verständnis“, so Heintges. Dazu zählt aktuell die Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht – trotz der massiv steigenden Inzidenz.

Die Schulen unterziehen alle Schüler regelmäßigen Schnelltestes. „So konnten wir in der ersten Woche nach den Sommerferien 36 Infizierte feststellen und mussten 130 Kinder und Jugendliche als Kontaktpersonen unter Quarantäne stellen“, berichtete Johannes Heintges. So etwas bindet zusätzlich zum Unterricht unglaublich viel Arbeitskraft, weil die Schulen für das Gesundheitsamt die Nachverfolgung der Kontakte übernehmen und die betroffenen Familien informieren müssen.

„Diese zeitaufwendige Arbeit könnten externe Kräfte übernehmen, denn die Schulleitungen und Kollegien müssen ja den Unterricht sicherstellen. Aber bis heute haben wir keine Hilfe bekommen“, ärgert sich Heintges. Inzwischen hat sich die Situation in der Gesamtschule etwas entspannt – auch dank eines hohen Anteils geimpfter Schüler.

In diesem Zusammenhang verwiesen SPD und UWG auf eine anstehende Etatberatung im Hauptausschuss, bei der es um die Arbeitsstunden der Schulsekretärinnen geht. Um im kleinen Rahmen auf lokaler Ebene die Schulen wenigstens etwas zu entlasten, sollte hier auf jeden Fall großzügig verfahren werden, so die Forderung.

Johannes Heintges und Thomas Block schilderten eine Fülle schulinterner Probleme durch Corona. „Wir sind seit der Pandemie in Dauerbereitschaft, erfahren oft viel zu spät, was an neuen Auflagen am nächsten Schultag auf uns zukommt und werden von Impfgegnern und Pandemie-Leugnern hart angegangen“, schilderte Thomas Block haarsträubende Vorfälle. Sein Fazit auch angesichts der dünnen Personaldecke: „Lange halten wir das nicht mehr aus.“

Ein praktisches Beispiel dazu führte Johannes Heintges an: „In einem normalen Schuljahr haben wir es maximal mit drei bis vier Stundenplänen zu tun, deren Erstellung viel Planungsarbeit erfordert. In der Pandemie gibt es jetzt durch Distanz-, Hybrid-, Wechsel- und ganz normalen Unterricht über 20 Stundenpläne.“ Hinzu kommen laut Bericht der Schulleiter noch die Sitz-, Masken- und Testpläne für jede Unterrichtsstunde, dazu Dokumentationspflichten ohne Ende. Und das alles vor dem Hintergrund eines deutlich erhöhten pädagogischen Begleitbedarfs der Schülerinnen und Schüler durch die auftretenden Lern- und Kompetenzrückstände – eine Sisyphusarbeit, die unter den gegebenen Umständen dauerhaft nicht zu bewältigen ist.

Im Fachausschuss herrschte nach der Darstellung der der Corona-Situation an den Schulen betretenes Schweigen. „Das macht betroffen“, resümierte Clemens Wieland in Vertretung des erkrankten Ausschussvorsitzenden Steffen Wieland. Denn schnelle Hilfe, das war allen klar, ist in der jetzigen Situation nicht zu erwarten.

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