"Zukunft auf katholisch": St. Josef ist dabei

Kierspe - Auch die Gemeinde St. Josef ist auf dem Weg in die „Zukunft auf katholisch“. Unter diesem Schlagwort hat sich das Bistum Essen einen Dialogprozess verordnet, dem sich die Kiersper Katholiken angeschlossen haben.

Dazu hatten sie vor zwei Wochen während der Gottesdienste eine Fragebogenaktion gestartet. Am Donnerstagabend kamen rund 40 Gemeindemitglieder ins Pfarrheim, um die Ergebnisse dieser Aktion zu erfahren. Insgesamt 156 Fragebögen, in denen die Gottesdienstbesucher sich dazu äußerten, was sie von der Gemeinde erwarten, was verändert werden sollte oder warum sie überhaupt in die Kirche gehen, konnte der Gemeinderat auswerten.

Bedürfnis nach Gemeinschaft

Bei aller Vielfalt der Antworten ließen sich dennoch Schwerpunkte erkennen. Die enge Verbundenheit der Christen mit ihrem Glauben wurde darin ebenso deutlich wie ihr Bedürfnis nach Gemeinschaft. Befragt, warum andere Bürger nicht am Gemeindeleben teilnehmen, antwortete eine deutliche Mehrheit mit „Kein Interesse“ oder „Bequemlichkeit“.

Kluft zwischen Moderne und Kirchenbindung

Diese Einschätzung deckt sich mit den Erkenntnissen des Religionssoziologen Detlef Pollack, dessen neueste Veröffentlichung auch zu entsprechenden Reaktionen in der evangelischen Kirche geführt haben. Auf die Frage, wie die Kluft zwischen Moderne und Kirchenbindung überbrückt werden könne, hatten auch die Katholiken der Gemeinde St. Josef keine Antwort. Und so drehte sich die anschließende Diskussion eher um Möglichkeiten Menschen mit Kirchenbindung zu halten. Dabei richtete sich das Augenmerk vor allem auf den Nachwuchs. Spezielle Gottesdienste für Kinder und Jugendmessen wurden genannt und dabei auf die guten Erfahrungen verwiesen, die die evangelische Gemeinde mit den „Enjoy“-Gottesdiensten mache.

Wortgottesdienste gegen Priestermangel

Um dem jetzt schon akuten Problem des Priestermangels zu begegnen, wurde immer wieder auf die Möglichkeit von Wortgottesdiensten mit Kommunionfeiern hingewiesen. Die Gemeindeleitung hat bereits mit einer Änderung der Gottesdienstzeiten reagiert. Diese stieß vor allem in der Rönsahler Gemeinde St. Engelbert auf Kritik. Gemeinderatsvorsitzender Ulrich Jatzkowski betonte indes, dass es sich dabei um einen Probelauf handele. Endgültig entschieden werde erst in einigen Monaten.

„Wir müssen an Inhalten kratzen“

Einige Gemeindemitglieder wurden grundsätzlicher: „Wir müssen auch an Inhalten kratzen dürfen,“ mahnte eine Teilnehmerin an, die Notwendigkeit der Vergewisserung von Glaubensinhalten ein anderer. Zeigte sich ein Teilnehmer enttäuscht darüber, dass ausschließlich regelmäßige Kirchgänger zur Versammlung gekommen waren, sah Ulrich Jatzkowski das anders. „Ich bin geradezu glücklich über die Vielfalt, die sich hier zeigt“, sagte Jatzkowski.

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