Hinweis auf die Nutzung der Station und der App soll bald erfolgen

Zugang nur mit App: Verwirrung um Radstation

Kein einziges Fahrrad stand an dem Tag, an dem das Foto erstellt wurde, in der Radstation am Kiersper ZOB. Eine Ursache könnte die mangelnde Kommunikation über die Zugangsmöglichkeiten sein.
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Kein einziges Fahrrad stand an dem Tag, an dem das Foto erstellt wurde, in der Radstation am Kiersper ZOB. Eine Ursache könnte die mangelnde Kommunikation über die Zugangsmöglichkeiten sein.

Es gibt Selbstversuche, die lassen einen ratlos zurück – in diesem Fall sogar „radllos“. Denn ums Rad geht es, und um die Möglichkeit, dieses sicher und trocken abzustellen. Nicht so ganz einfach in Kierspe – und das, obwohl es mit der Radstation am Bahnhof eigentlich die perfekte Lösung gibt.

Kierspe - Denn steht der Radfahrer vor der neuen Radstation, findet er bislang keinen Hinweis darauf, wie er in diese hineinkommt. Es gibt zwar ein Tastenfeld, das dazu einlädt, eine Kombination einzugeben. Doch woher dieser Code kommen soll, steht nirgendwo. Ein paar Zentimeter weiter oben dann der einzige aber irreführende Hinweis. Denn auf einem kleinen Monitor steht „Bitte Benutzerkarte vorhalten“ und darunter befindet sich ein Zeichen, an welcher Stelle diese Karte platziert werden soll. Doch auch hier kein Hinweis darauf, wo man eine solche Karte bekommen kann. Schon jetzt sei gesagt: Eine Kartenlösung ist für die Nutzer in Kierspe gar nicht vorgesehen.

Die Frage nach der Karte stellte sich für Michael Bongards nicht, denn der Kiersper hatte in der Berichterstattung der Meinerzhagener Zeitung über die neue Radstation gelesen, dass es eine App gibt, über die man sich einen kostenfreien Zugang zur Station buchen kann. In einem Schreiben an die Stadtverwaltung, das auch an die MZ gegangen ist, bescheinigt Bongards der App, dass diese sich leicht installieren lasse, die Handhabung aber „unsicher und fehlerhaft“ sei. So bemängelt er, dass das Buchen eines Zugangs „aufwendig und nicht intuitiv“ sei, da man unter anderem bei jeder Buchung den Standort neu auswählen müsse. Als emeritiertem Professor für Automatisierungstechnik kann man ihm sicher auch nicht vorwerfen, dass ihm das technische Verständnis fehlt.

Doch der Ärger ging noch weiter, denn den Code habe er zweimal eingeben müssen, um dann nach der Station gefragt zu werden. Er hat es dann mit „1“ probiert und lag richtig. Warum diese Frage überhaupt kommt, erschließt sich keinem Anwender, steht doch nur eine einzige Station in Kierspe.

Als er nach einigen Stunden und einer Zugfahrt ins benachbarte Gummersbach seinen Drahtesel aus der Station holen wollte, scheiterte er erneut an der Technik. Das Öffnen der Tür sei fehlgeschlagen, schreibt Bongards, kurz darauf habe er eine Fehlermeldung auf sein Handy erhalten: „Versuchen Sie es später noch einmal oder rufen Sie den Betreiber an“. „An der Fahrradgarage ist aber keine Telefonnummer zu finden, die man anrufen kann“, so Bongards.

Oberhalb des Tastenfeldes fordert ein Bildschirm zur Nutzung einer Zugangskarte auf. Diese gibt es aber gar nicht.

Da er aber sein Fahrrad gerne wiederhaben wollte und keine Kontaktadresse angegeben war, die ihm helfen konnte, probierte er weiter die Anforderung eines neuen Codes. Nach zehn Versuchen habe die App diesen dann auch geliefert. Sein Urteil nach dieser Erfahrung: „Es ist sehr schade, dass diese eigentlich gut gedachte Fahrradgarage so schlecht zugänglich ist. Ich bin Automatisierungstechniker, habe also Erfahrung mit widerspenstigen Computersystemen. Dieses Zugangssystem sieht mir nach einer studentischen Projektarbeit aus: Wenn man Glück hat, geht es und sonst hat man eben Pech.“ Und dann stellt er noch die Frage: „Wie soll das funktionieren, wenn man in Eile ist, der Zug in wenigen Minuten kommt, und man einen langwierigen und fehleranfälligen Reservierungs- und Zugangsprozess absolvieren muss?“ Kritik übt er auch daran, dass die ganze Anwendung internetbasiert ist, man selbst also ein Smartphone besitzen müsse und sich gleichzeitig auf einen funktionieren Internetzugang und funktionierende Rechnersysteme beim Anbieter verlassen müsse. Sein Schreiben endet mit der Bitte: „Die Garage wird im Augenblick wenig genutzt – das wundert mich unter diesen Randbedingungen nicht. Bitte verbessern Sie den Zugang – eine Karte mit RFID-Chip für die Nutzer wie bei Ladestationen für E-Autos wäre ja zum Beispiel eine Möglichkeit.“

Eine Nachfrage bei der Stadtverwaltung ergab, dass man sich der unglücklichen Situation bewusst sei – und bereits vor dem Eintreffen des Schreibens mit der Bestellung eines entsprechenden Schildes reagiert habe. „Auf dem Schild gibt es dann einen Hinweis auf die App und eine Erklärung zur Benutzung“, sagt Dorette Vormann-Berg als Allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters – und fügt an: „Das Schild soll noch diese Woche kommen. Bestellt wurde es vor zwei Wochen.“

Man bemühe sich auch, eine Nummer anzugeben, um bei Fehlern im System eine Kontaktmöglichkeit zu bieten. Vormann-Berg: „Da müssen wir noch klären, ob die Firma, die die Anlage hergestellt hat, angegeben werden kann, oder ob es eine Kiersper Nummer wird.“

Im Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung sagt Vormann-Berg auch, dass die Anlage derzeit noch von sehr wenigen Menschen genutzt werde: „Da gibt es auch Tage, an denen dort kein Fahrrad steht. Zurzeit sind 15 Nutzer registriert.“

Die App

Wer Zugang zur Radstation am ZOB bekommen möchte, muss sich zuerst die App „Station Control“ im App-Store von Apple oder im „Google Play Store“ laden. Die App generiert einen Code, der dann über das Tastenfeld neben der Tür eingegeben werden kann. Nach wie vor muss auch noch das Tor, beziehungsweise die Stationsnummer, eingegeben werden. Da es aber „nur“ eine Station gibt, muss die „1“ eingegeben werden. Das Unterstellen des Rades ist kostenlos möglich.

Die Radstation

Die Radstation am Bahnhof/ZOB Kierspe bietet Platz für 50 Fahrräder, die in der Station an massiven Stahlbügeln mit einem mitzubringenden Fahrradschloss angeschlossen werden können.
Neben den Stellplätzen finden sich im Inneren der Station auch noch zwölf Boxen, in denen sich auch jeweils eine Steckdose befindet. Wer das Ladekabel für den Akku seines Elektrorades dabei hat, kann dieses in der Box einstecken und den Akku dort laden. Die Box wird – genau wie die Station – mit einem vierstelligen Code geöffnet. Diese Zugangsziffern werden aber nicht wie beim Stationseintritt von einer App generiert, sondern vom Nutzer selbst festgelegt – ähnlich wie bei einem Tresor im Hotelzimmer.
Die Nutzung der Anlage ist kostenlos. Der Grund ist in der Förderung zu suchen, die der Stadt bei der Planung der Anlage gewährt wurde. Die Anlage selbst hat rund 100 000 Euro gekostet. 90 Prozent der Kosten wurden damals vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe gefördert.

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