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Züchter Torsten Scheider klagt zurzeit über viele tote Fische

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Von: Thilo Kortmann

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Torsten Scheider verkauft seit 32 Jahren seine geräucherten Forellen aus dem Wehetal. In 14 Teichen züchtet er rund 30 000 Fische. Mit dem heißen
Wetter steigen die Wassertemperaturen. Das bekommt den Tieren gar nicht gut.
Torsten Scheider verkauft seit 32 Jahren seine geräucherten Forellen aus dem Wehetal. In 14 Teichen züchtet er rund 30 000 Fische. Mit dem heißen Wetter steigen die Wassertemperaturen. Das bekommt den Tieren gar nicht gut. © Kortmann, Thilo

Sie leben im kühlen Wasser und sind trotzdem hitzeanfällig: Forellen. Wohl fühlen sich die Fische in kaltem, frischem Wasser, doch derzeitige Temperaturen, teils weit über 30 Grad, lassen Teiche von Forellenzüchtern zu warmen Badewannen werden. So auch im Wehetal.

Kierspe – „Forellen fühlen sich bei Wassertemperaturen um die 15 Grad wohl. Momentan ist das Wasser aber um die 20 Grad warm. Das warme Gewässer sorgt für Stress bei den Tieren und wenig Sauerstoff im Wasser“, erklärt Forellenzüchter Torsten Scheider die Gründe für das verstärkte Forellensterben derzeit. Natürlich könne Stress auch in anderen Situationen für tote Fische in Teichen sorgen, aber momentan sei die Lage extrem, sagt der Forellenzucht-Experte, während er die Fische füttert. Scheider streut immer wieder Trockenfutter mit einer Kelle in den Teich, nur wenige Sekunden danach zappeln dutzende Fische an der Wasseroberfläche.

 Dramatisch sei das Fischsterben noch nicht, erklärt der Forellenzüchter. Er hofft, dass die Hitzewellen nicht über mehrere Wochen andauern werden – denn das hätte gravierende Folgen für die Fischzucht in der Region. Wasserknappheit sei sicherlich dann ein noch viel größeres Problem, fügt er hinzu. Seit 32 Jahren bewirtschaftet der gelernte Fischwirt die 14 Teiche im Wehetal. Seit eineinhalb Jahren verkauft der Halveraner seine Fische plus Seefisch auf den Wochenmärkten in Kierspe, Halver, Ennepetal und Lüdenscheid. Auf 0,5 Hektar Wasser leben rund 30 000 Forellen im Wehetal. Die 14 Teiche werden vom Wehebach stets mit frischem Quellwasser gespeist. Normalerweise sprudelt der kleine Bach, doch hier tritt das nächste Problem auf: Nur noch wenig Wasser fließt im Bachbett. Bleibt der Regen weiterhin so gering, wird sich das Wasserproblem verschärfen. „Das sorgt für wenig Frischwasserzufuhr, verstärkt die Sauerstoffarmut in den Teichen und sorgt für Stress bei den Forellen“, erklärt Scheider.

Belüfter bringen Sauerstoff ein, wo er gebraucht wird

Der Sauerstoffarmut versucht er entgegenzuarbeiten, indem er sogenannte Wasserbelüfter in den Bassins im Wehetal arbeiten lässt. Wie kleine Springbrunnen zieren diese Belüfter die Teiche. Diese Sprudelanlagen beleben das Wasser, sorgen so für eine stetige Sauerstoffzufuhr. Aber nicht nur aufgrund der Hitze und mangelnder Frischwasserzufuhr kann Sauerstoffarmut in den Fischteichen herrschen. „Durch Abbauprozesse von Exkrementen und Futterresten kann meist am Gewässergrund ein Sauerstoffdefizit bestehen“, erklärt Scheider. Die Belüfter könnten deshalb stufenlos verstellt werden und so den Sauerstoff dort einbringen, wo er gebraucht wird – und nicht nur an die Oberfläche. Die Fische fängt Scheider aus Auffangbecken mit einem Kescher. Aus den Teichen fängt er sie nicht, da sonst die Gefahr zu groß sei, dass im Fang Schlamm und Verunreinigungen mit enthalten sind.

Anschließend wird der Fang entweder geräuchert oder auch roh verkauft. Scheider: „In der eigenen Räucherei werden die Fische liegend nach altem Rezept mit Buchenspäne veredelt. Durch diese Räuchermethode wird der Fisch saftiger und geschmackvoller“, erklärt der Fischwirt. Aufgezogen werden die Tiere in dem betriebseigenen Bruthaus, mit einer Kapazität von 20 000 Litern. Dort werden die Tiere bei frischem Quellwasser angefüttert und aufgezogen. Anschließend werden die jungen Forellen in die Naturteiche zur weiteren Aufzucht umgesetzt. „Für eine ideale Aufzucht brauchen die Forellen kühles, frisches Teichwasser“, sagt Torsten Scheider. Das erschwerten die Hitzewellen, die damit verbundenen Wassertemperaturen und der zum Rinnsal gewordene Bach, der normalerweise für ausreichend Frischwasser sorge, blickt Scheider sorgenvoll in die Zukunft. 

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