„Dachdecker“-Masche: Vorwürfe gegen Polizei

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Ein (in diesem Fall seriöser) Dachdecker bei der Arbeit: Die Branche hat es nach Angaben des Kiersper Ordnungsamtes mit schwarzen Schafen zu tun, die zuletzt auch in Rönsahl und Kierspe ihre „Dienste“ anboten.

Rönsahl - Vermeintliche Dachdecker als Abzocker: Der MZ-Bericht vom Freitag über Betrüger, die offenbar in Kierspe und Rönsahl ihr Unwesen treiben, stieß auf großes Interesse. Nicht zuletzt bei den direkt Betroffenen. Die wunderten sich nämlich über die Ratschläge der Polizei – und erheben nun schwere Vorwürfe.

Elisabeth Sachs konnte kaum glauben, was sie am Freitag in ihrer Heimatzeitung las. War dort doch die Rede davon, lieber einmal zu häufig als zu selten die Rufnummer 110 der Polizei-Leitstelle zu wählen. Genau das, so sagte sie gestern der Redaktion, habe ihr Bruder getan, als die Gauner ihm mit dem Auto zum nächsten Geldautomat folgten. 

Wie berichtet, hatten die Betrüger weitaus mehr Geld für Arbeiten am Dach verlangt als zuvor vereinbart. „Daraufhin fuhr mein Bruder mit den Betrügern zur nächsten Bank, um sie zunächst vom Haus wegzulocken“, berichtet Elisabeth Sachs, die später selber noch die Bekanntschaft mit den dubiosen „Dachdeckern“ machen sollte. „Als die Betrüger hinter seinem Auto her fuhren, rief er die 110 an. Er erklärte, dass er im Auto sitze und von den Betrügern verfolgt wird – und betonte, dass er befürchte, bei der Bank bedroht zu werden, wenn er nicht das verlangte Geld rausrücke.“ 

Über die Reaktion der Polizei-Leitstelle sei er dann aber sehr verwundert gewesen, denn man habe ihm nicht helfen können, da die Beamten nicht als „Empfangskomitee“ an der Sparkasse warten würden, so erinnert sich der Betroffene. „Wir mussten uns selbst um Hilfe kümmern, um nicht alleine mit den Betrügern zu streiten!“, ärgert sich Elisabeth Sachs. Ihr Bruder habe dann einen Freund sowie seine Schwester zur Hilfe gerufen – nebst großem Hund habe die Gruppe die dubiosen Geschäftemacher dann vertreiben können. „Als wir gesagt haben: Entweder ihr nehmt die vereinbarte Summe oder wir warten gemeinsam auf die Polizei, sind sie natürlich zunächst sehr laut geworden, dann aber doch gefahren“, berichtet Elisabeth Sachs, die sich auch das Kennzeichen des weißen Transporters notierte. 

Ob diese Daten mittlerweile aber an die Polizei weitergegeben wurden, ließ sich gestern nicht abschließend klären. Dietmar Boronowski, Pressesprecher der Polizei im Märkischen Kreis, betonte auf MZ-Anfrage, dass ihm keinerlei Erkenntnisse über eine entsprechende Anzeige oder Mitteilung vorliegen. „Wenn es so sein sollte, dass die Polizei aus Sicht der Familie in diesem Moment nicht angemessen reagiert hat, so entschuldige ich mich persönlich dafür“, betont Boronowski. 

Ungeachtet dessen bleibe es bei dem Aufruf, die 110 in Zweifelsfällen jederzeit anzurufen. Auch mehrfach. „Man sollte auch nicht zögern, erneut anzurufen, um eventuell seinen Ort oder neue Geschehnisse mitzuteilen. Denn fest steht: Die Kollegen fahren doch lieber zu einem Kontrolleinsatz heraus als zu einem schweren Motorradunfall.“

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