Prozess vertagt: Zeugen „sammeln“ Ordnungsgelder

Kierspe - Es gibt Verhandlungen vor dem Amtsgericht, da kann auch ein Richter nur noch den Kopf schütteln. Beispielsweise dann, wenn Zeugen nicht erscheinen und sich dadurch hohe Kosten auftürmen und Angeklagte sich krankmelden, ohne ein entsprechendes Attest vorzulegen.

Von Johannes Becker

Pünktlich auf die Minute erschienen am Dienstag der Angeklagte und sein Verteidiger. Beide kommen aus Hamm – und das in der Hoffnung, einen Freispruch zu erreichen.

Doch zur Verhandlung kam es nicht, weil die geladenen Zeugen nicht erschienen waren – mal wieder nicht. Bereits zweimal war die Verhandlung wegen versuchter schwerer Körperverletzung anberaumt. Doch bei beiden Terminen waren die Zeugen nicht gekommen und müssen dafür jeweils 200 und 400 Euro Ordnungsgeld zahlen.

Am Dienstag kamen dann noch mal 400 Euro obendrauf, zuzüglich der entstandenen Kosten. Zum nächsten Termin werden die im Ruhrgebiet wohnenden Zeugen dann von der Polizei vorgeführt – die Kosten müssen sie dann auch tragen.

Das Delikt, das zu der Verhandlung vor dem Meinerzhagener Amtsgericht führte, blieb am Dienstag weitestgehend im Dunkeln, da keine Anklageschrift verlesen wurde. Nur so viel war klar, der Angeklagte soll im hiesigen Raum eine Bierflasche hinter einem Menschen hergeworfen haben, wobei er diesen jedoch verfehlte.

Das Verfahren ohne die Zeugen wollte der Staatsanwalt jedoch nicht führen. Denn bei einem Freispruch hätte das dann automatisch zur Folge, dass es eine Anklage wegen Falschaussage gegen die Zeugen geben würde.

In einem anderen Verfahren am Dienstag ging es um einen Strafbefehl, gegen den Einspruch eingelegt worden war. Im Rahmen der Mai-Feier war es in Hohenholten zu einer gemeinschaftlich begangenen und damit schweren Körperverletzung gekommen. Am 1. Mai des vergangenen Jahres hatten drei Insassen des Fahrzeugs durch ihr Verhalten das Missfallen von anderen Partybesuchern auf sich gezogen. Danach kam es zu einer Auseinandersetzung und Schlägen gegen einen Gast.

Zwei der Fahrzeuginsassen bekamen daraufhin einen Strafbefehl über 1000 Euro. Dem dritten im Wagen hatte man kein schuldhaftes Verhalten nachweisen können. Von den beiden, die zahlen sollten, hat auch einer die Forderung bedient, woraufhin das Verfahren gegen ihn eingestellt wurde.

Der andere hingegen hatte Widerspruch eingelegt und damit die Verhandlung vor dem Amtsgericht notwendig gemacht. Allerdings hatte er sich bei Gericht gemeldet und erklärt, er sei erkrankt. Dazu wäre aber ein Attest notwendig gewesen, in dem ein Arzt bescheinigt, dass der 24-jährige Angeklagte nicht verhandlungsfähig sei. Doch diese Bescheinigung gab es nicht, stattdessen einen neuen Strafbefehl. Dieses Mal allerdings über 4200 Euro – aufgeschlüsselt auf 120 Tagessätze à 35 Euro.

Man konnte dem Angeklagten auch nicht zugute halten, dass er keine Erfahrung vor Gericht sammeln konnte. Vier Einträge finden sich in seiner Strafakte – wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl, Beleidigung und auch Körperverletzung. Zu Jugendzeiten gab es wohl auch schon Verfahren, die sich nicht mehr in der Akte finden.

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