Zerbissene Autokabel und zerfetzte Dämmung

Vor allem der Steinmarder hat die Dachstühle in Ortschaften und abgestellte Autos als Quartier für sich entdeckt. Außer der Fallenjagd gibt es kaum ein wirksames Gegenmittel. ▪

KIERSPE ▪ „Seit zehn Jahren sind die Viecher ein großes Thema“, so Dachdecker Axel Sokolowski. Gemeint sind Steinmarder. Gerade um diese Jahreszeit, im Juli und August, sind die putzigen Tiere besonders lebhaft. Denn dann ist „Ranzzeit“, wie die Paarungszeit bei Mardern genannt wird.

Die Jungen kommen allerdings erst im Frühjahr zur Welt – zwei bis vier Junge pro Weibchen sind normal. Und die Weibchen wissen es sehr zu schätzen, dass die Hausbewohner ihre Dachstühle so gut dämmen. Das bringt reichlich Material, mit dem sie das Nest für den Nachwuchs auspolstern. Die Hausbewohner ärgern sich anschließend über die zerfetzte Dämmung.

Marder sind mit 30 bis 40 Zentimetern Länge und einem Gewicht von bis zu zwei Kilo eher zierlich. Die Allesfresser ernähren sich bevorzugt von Kleintieren, Reptilien und Vögeln, verschmähen aber auch Steinobst und Beeren nicht. Gelegentlich statten die kleinen Räuber auch Kaninchen- und Hühnerställen Besuche ab.

Als Nachtquartier nutzen Marder gerne den Motorraum von Autos, sehr zum Ärger der Autofahrer, die anschließend zerbissene Zündkabel und Gummidichtungen reparieren lassen müssen. Dabei mögen die Tiere den Geschmack von Plastik und Draht nicht besonders. Vielmehr werden sie durch die Sekrete von Geschlechtsgenossen der eigenen Art aggressiv. Wenn also ein Fahrer seinen – vom heimischen Marder „markierten“ - Wagen in einer Gegend parkt, die ein anderer Marder als sein Revier betrachtet, wird der wütend und beißt zu.

Steinmarder zählen, zoologisch gesehen, zu den hundeartigen Raubtieren. Seit sie als Kulturfolger menschliche Wohngegenden besiedeln, halten sie ganze Berufsgruppen in Lohn und Arbeit: Dachdecker, Kfz-Mechaniker, Schädlingsbekämpfer und nicht zuletzt Versicherungsvertreter, die den finanziellen Schaden anschließend regulieren. Nach Schätzungen des ADAC belaufen sich allein die Schäden an Autos deutschlandweit auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Die Marder sind nachtaktiv und gute Kletterer. Man sieht sie nur selten, aber sie hinterlassen deutliche Spuren. So wundern sich Hausbewohner über nächtliches Getrappel und Gepolter im Dachstuhl, manchmal auch über Kot und üble Gerüche, denn die Tiere markieren ihr Revier. Sie können sie sich selbst durch Öffnungen von wenigen Zentimetern Durchmesser zwängen. Deshalb sei es auch so schwer, den Dachboden mardersicher zu machen, sagt Dachdecker Sokolowski.

Was man dann überhaupt gegen die ungebetenen Gäste tun könne? „Wenig“, so die ernüchternde, aber einhellige Antwort aller Experten. Zur Auswahl stehen kleine Elektroschockgeräte fürs Auto und Elektrosensoren für den Garten, die in regelmäßigen Abständen einen Ton im Hochfrequenzbereich abgeben. Für Menschen ist er nicht hörbar, für Tiere aber unangenehm. Auch Duftstoffe können in den Nistbereich eingebracht werden. „Duft“ ist dabei eigentlich das falsche Wort, denn es sind die Gerüche von Hunden und anderen feindlichen Tieren. Aber auch diese Methode wirkt nur auf Zeit. Irgendwann wagt sich der Marder nämlich wieder vorsichtig heran, und wenn er dann merkt, dass ihm – trotz feindlichen Geruchs – keine Gefahr droht, lässt er sich häuslich nieder.

Marder stehen übrigens nicht unter Naturschutz. „Sie unterliegen dem Jagdrecht“, informiert Matthias Heveling vom Hegering. „Vom 16. Oktober bis 28. Februar ist Jagdzeit.“ Kaum jemals kommt einem Jäger aber ein Marder vor die Flinte. Die Tiere würden mit Lebendfallen gejagt, die nur vom Jäger aufgestellt werden dürften. Aber auch das komme selten vor. „Fallenjagd ist sehr zeitaufwendig.“

Der größte Feind des Marders sei immer noch der Straßenverkehr, meint Heveling. Im letzten Jahr wurden im Bereich des Hegerings Kierspe-Rönsahl etwa 15 Marder überfahren, aber lediglich zwei bis drei mit einer Falle gefangen.

Hausbewohnern, die ihre ungebetenen Gäste zumindest kurzzeitig loswerden wollen, empfiehlt Dachdecker Sokolowski eine simple, aber wirksame Methode: Man nehme einen Kochtopf und einen großen Löffel. Wenn dann der Marder kommt, kräftig auf dem Topf herumschlagen. Das metallische Geschepper mag der kleine Räuber nämlich überhaupt nicht. ▪ Johannes Becker

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