Griechische Austauschschüler zu Gast in der Gesamtschule Kierspe

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Ein Wiedersehen unter Freunden: In der Gesamtschule sind derzeit neun griechische Austauschschüler samt ihrer drei Lehrerinnen zu Besuch. Damit setzen die Kiersper und ihre Gäste ein Zeichen gegen Vorurteile und Populismus.

Kierspe -  „Kalos irthes“: Ein „Herzlich Willkommen“ schallte Anfang der Woche aus den Kehlen zahlreicher Kiersper Gesamtschüler am Düsseldorfer Flughafen. Sie begrüßten dort liebgewonnene Freunde – eine Gruppe von neun Austauschschülern aus Griechenland samt Lehrerinnen.

Seit rund drei Jahren stehen die Kiersper im Austausch mit der Schule in Kamatero, einem Vorort von Athen. Der erste Kontakt kam allerdings in Gummersbach zustande, als Johannes Heintges, Schulleiter der Gesamtschule, noch dort arbeitete und über Umwege Vivi Katsa, die heutige Leiterin des 255 Schüler starken griechischen Gymnasiums, kennenlernte.

„Ich wollte so ein Programm immer intensivieren. Ich habe nach Partnern gesucht und bin an der Gesamtschule fündig geworden“, erklärt Katsa, die Informatik unterrichtet. Seit dieser Zeit engagiert sich auf Seiten der Kiersper Sarah Dahl, Lehrerin für Englisch und Erziehungswissenschaften, für den Austausch. Mit 20 Kindern aus Deutschland ging es damals zum ersten Mal nach Griechenland. Auch auf der anderen Seite war die Resonanz von Beginn an groß, auch wenn es anfängliche Startschwierigkeiten gab, erinnert sich Katsa.

Die Teilnehmerzahl nahm zwischenzeitlich ab

Über eine Amphore mit Motiven antiker Helden freuen sich Sarah Dahl (links), Sarolta Röhrnbacher und Johannes Heintges.

„Heute sind die Eltern sehr glücklich und freuen sich über die Gastfreundschaft. Da zwischenzeitlich die Zahl der Teilnehmer abnahm, freut sich Sarah Dahl umso mehr, dass sie in diesem Jahr mit zwölf Schülern im Alter zwischen 13 und 14 Jahren nach Kamatero reisen konnte. „Obwohl einige unserer Schüler aus finanziellen Gründen im Gegenzug nicht nach Deutschland reisen konnten, haben ihre Familien sehr gerne die Besucher aus Kierspe aufgenommen“, erklärt die Deutschlehrerin Olympia Mastrapa.

 „Unsere Jugendlichen wurden von den griechischen Familien verwöhnt. Dort tat man alles, damit sie sich wohlfühlten. Es kam kein Heimweh auf“, erinnert sich Heintges. Diese Erfahrung haben aber auch die griechischen Schüler in Kierspe gemacht, ergänzt Katsa.

Der Gesamtschulleiter bedauert allerdings, dass es kein deutsch-griechisches Jugendwerk gibt und auch keine finanzielle Unterstützung aus der Politik für den Austausch zu bekommen ist. „Ich hoffe, dass wir so etwas bald haben“, so Heintges, der den Zeitpunkt des aktuellen Austausches für richtig gewählt ansieht. „Er kommt zur richtigen Zeit. Wir wollen zeigen, dass wir an der Seite unserer griechischen Freunde stehen.“

Austauschschüler besuchen Köln

Seit Montag und noch bis Sonntag sind die griechischen Schüler mit ihren drei Lehrerinnen in der Volmestadt zu Gast. Auf dem Programm stehen unter anderem der Besuch des Kölner Doms, des Ludwig-Museums und des Weihnachtmarktes in der Domstadt sowie die Besichtigung der Phänomenta in Lüdenscheid und ein Ausflug zum Schlittschuhlaufen. Zudem haben die Austauschschüler bereits in den Fachunterricht in Kierspe hereingeschnuppert, an einem Percussions- und Drums-Workshops bei Petra Menges teilgenommen und mit der Englisch- und Sportlehrerin Sarolta Röhrnbacher den typisch deutschen Sport Badminton kennengelernt.

Wie wichtig so ein Austausch ist, fassen Heintges und Katsa zusammen. „Isolation ist keine Zivilisation. Die Leute müssen Erfahrungen miteinander machen und gemeinsam Ziele verfolgen. Das gilt auch für unsere Kinder. Sie haben sonst nicht die Möglichkeit zu sehen, wie es woanders ist“, sagt die Schulleiterin. Ihr Kiersper Kollege ergänzt: „So eine Art des Austausches ist durch nichts zu ersetzen.

Er bietet einmalige Erlebnisse und setzt ein Zeichen gegen Populismus und Vorurteile.“ Eines war allen Beteiligten bereits nach wenigen Stunden, die sie miteinander verbracht haben, klar: So unterschiedlich sind Griechen und Deutsche nicht.

Sarah Dahl: „Mir ist sofort das Engagement aller für die Kinder aufgefallen.“ Dieses Lob gaben ihre Kolleginnen aus Kamatero gerne zurück. „Cherete“ bedeutet auf Deutsch „Auf Wiedersehen“. Diese Worte werden alle Beteiligten am Sonntag sicher ernst gemeint aussprechen.

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