Weniger Koma-Trinker in Kierspe

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Besonders am Wochenende decken sich Jugendliche mit Alkohol ein. Dabei gibt es aber weniger Zwischenfälle.

Kierspe - Während im restlichen Bundesland die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die viel oder gar bis ins Koma Alkohol konsumieren, gestiegen ist, lässt sich in Kierspe ein anderer Trend beobachten.

Im vergangenen Jahr tranken sich NRW-weit 5167 junge Menschen ins Krankenhaus. Das sind nach Angaben des Statistischen Landesamtes etwa 0,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Gerade Mädchen würden dabei häufiger über die Stränge schlagen. Zum sechsten Mal in Folge, das lässt sich dem Zahlenwerk der Statistiker entnehmen, ist ihr Anteil gestiegen; um 1,9 Prozent auf 2236 Fälle. Der Anteil bei Jungen bleibt dagegen weitgehend konstant.

Zudem waren fast 600 Koma-Trinker zwischen 10 und unter 15 Jahre alt, etwas mehr als 400 von ihnen waren Mädchen. Einen Rückgang an Fällen ist hingegen im Märkischen Kreis zu verzeichnen. Laut des Landesamtes sank die Zahl der Betroffenen in 2015 im Vergleich zu 2014 um 5,8 Prozent. Gegenüber 2003 kamen jedoch 2,97 Prozent mehr wegen Alkoholmissbrauch in die Klinik.

„Viele Jugendliche überschätzen sich und glauben Alkohol gehört zum Feiern und Spaß haben dazu“, sagt Dirk Heppe, von der Krankenkasse DAK-Gesundheit in Lüdenscheid. „Eine regionale Alkoholprävention ohne erhobenen Zeigefinger bleibt für uns unverzichtbar, damit sich die gute Entwicklung auch dauerhaft auf die Region überträgt und die Zahl der Klinikbehandlungen deutlich zurückgehen.“

Auch Christian Schwanke, Mitarbeiter des Kiersper Jugendzentrums, setzt auf Fingerspitzengefühl bei diesem Thema. „Wir können es den Jugendlichen nicht verbieten, wenn sie alt genug dafür sind. Jeder macht seine Erfahrungen. Wenn keine Regelmäßigkeit auftritt, dann sollte man es nicht verteufeln. Erwachsene sollten glaubwürdige Vorbilder sein.“

Laut der DAK landeten im vergangenen Jahr 98 Kinder und Jugendliche aus dem Kreis mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Früher sei das schlimmer gewesen, weiß Christian Schwanke. „Vor sechs Jahren kam es am Wochenende an Treffpunkten wie dem Hallenbad häufiger zu Zwischenfällen. Auch heute trinken die Jugendlichen noch, aber nicht mehr bis der Arzt kommt und nicht mehr in der Öffentlichkeit. Wenn doch was passiert, dann ist das meistens für alle Betroffenen sehr heilsam. Ich kenne keine Wiederholungstäter.“

Wie wichtig dennoch Vorbeugung ist, erklärt René Sadowski, Präventionsfachkraft der Drogenberatung im Märkischen Kreis. „Die Entwicklung eines Kindes ist erst mit dem 21. Lebensjahr abgeschlossen. Alles, was vorher an Alkohol oder auch Drogen konsumiert wird, hat Auswirkungen auf den Körper und die Nervenbahnen.“ 

Ob der Rückgang der kritischen Konsumfälle auf die Präventionsarbeit der zahlreichen Stellen im Kreis zurückzuführen ist, könne Sadowski nicht belegen. Doch er würde es sich wünschen, wenn es so wäre. „Viele Institutionen ziehen mittlerweile mit. So gibt es etwa immer mehr Pädagogen, die sich informieren. Wir haben beispielsweise einige aus dem Volmetal, die ab Donnerstag an einem dreitägigen Kurs zum Thema Motivierende Kurzintervention in der Jugendbildungsstätte in Lüdenscheid teilnehmen.“

Die Arbeit vieler Stelle, etwa auch im Rahmen des Projektes Schule 2000, bei dem bereits Grundschulkinder an das Thema herangeführt werden, mache sich aber schon bemerkbar. „Wir sind gut aufgestellt, um die Kinder an den richtigen Stellen stark zu machen.“ Die Präventionsfachkraft weiß, dass junge Menschen unter einem enormen Leistungsdruck in der Schule, im sozialen Umfeld oder in der Familie stehen. „Wir müssen ihnen Perspektiven aufzeigen und sie unempfindlich gegen falsche Einflüsse machen. Gerade dann, wenn sie in einer Experimentierphase stecken.“

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