1. come-on.de
  2. Volmetal
  3. Kierspe

Zahl der Nichtschwimmer steigt

Erstellt:

Von: Johannes Becker

Kommentare

Durch die Hallenbad- und Schulschließungen infolge der Corona-Pandemie sind viele Kinder Nichtschwimmer geblieben. Zusätzliche Schwimmkurse sollen Abhilfe schaffen
Durch die Hallenbad- und Schulschließungen infolge der Corona-Pandemie sind viele Kinder Nichtschwimmer geblieben. Zusätzliche Schwimmkurse sollen Abhilfe schaffen © Christian Charisius

Flapsig ausgedrückt könnte man sagen, dass durch die Corona-Pandemie vieles ins Wasser gefallen ist. Vielen Schulkindern in NRW möchte man das aber nicht wünschen, denn sie können nicht schwimmen – und durch die Pandemie ist diese Situation noch einmal deutlich verschärft worden. Auch in Kierspe fielen viele Kurse für Nichtschwimmer aus – ein Teil konnte aber in einem „Sonderprogramm“ nachgeholt werden.

Kierspe - Frank Rabe, Generalsekretär des Schwimmverbands NRW, äußerte vor Kurzem seine Sorge, was die Zunahme der Nichtschwimmer angeht. Er bezifferte die Zunahme an Nichtschwimmern am Ende der Grundschule in Nordrhein-Westfalen durch den Lockdown auf 42 000. Zusammen mit jenen rund 110 000 Kindern, die auch schon zuvor die vierte Klasse abschlossen, ohne richtig schwimmen zu können, kommt der Verband auf rund 152 000 Nichtschwimmer im Schuljahr 2020/21. Als sicherer Schwimmer gilt ein Kind, wenn es das Bronze-Abzeichen erworben hat.

Auf eine weitere Problematik weist die DLRG hin: Im Verlauf der Pandemie hätten viele Lehrer die erforderliche Rettungslizenz verloren und suchten jetzt nach einem der knappen Auffrischungsangebote, um weiter Schwimmunterricht erteilen zu können. Zwar habe die Landesregierung eine Übergangsregelung bis zum 31. Januar des kommenden Jahres geschaffen. Dies werde aber nur zu einer Verschiebung des Problems führen.

„Auch in Kierspe sind die angebotenen Schwimmkurse sehr gefragt. Doch viele der Angebote mussten durch die pandemiebedingten Schließungen des Hallenbades abgesagt werden. Um dem zu begegnen, haben wir das Bad während der Ferien geöffnet und Kurse für Schüler, die bislang noch nicht schwimmen konnten, angeboten“, erklärt Matthias Pazmann, Schwimmmeister und Betriebsleiter des Kiersper Hallenbades.

Insgesamt habe es Platz für 50 Kinder in verschiedenen Kursen während der Ferien gegeben. „Die Plätze waren alle belegt. Mich freut besonders, dass alle diese Kinder schwimmen gelernt haben.“

Doch trotz dieses zusätzlichen Angebots rechnet Pazmann auch in Zukunft mit Wartezeiten in den Schwimmkursen, die sich aufgrund des Staus durch die Schließungen im Rahmen der Pandemiebekämpfung ergeben hätten.

Schulschwimmen

Wie es bei den Schülern im Schulschwimmen aussieht, kann der Schwimmmeister nicht beurteilen, „da wir da keine Aufsicht führen, sondern nur den Betrieb zur Verfügung stellen“.

Im Schulbereich kennt sich aber Claudia Meitz-Koch aus, die als Sportkoordinatorin der Gesamtschule auch für den Schwimmunterricht zuständig ist. „Tatsächlich hat die Zahl der Nichtschwimmer durch die Corona-Pandemie stark zugenommen. Wir haben in einer fünften Klasse sogar zehn Nichtschwimmer. Einige der Fünftklässler berichten auch, dass sie durch die Pandemie gar nicht mehr ins Bad gekommen sind“, erzählt Koch-Meitz.

Üblicherweise, so die Pädagogin, würden die Grundschüler bis zum Ende der vierten Klasse das Seepferdchen-Abzeichen erlangen. „Das reicht dann, damit sich die Kinder über Wasser halten können. Um Sicherheit zu erlangen, reicht aber der Schwimmunterricht nicht aus. Da sind dann auch die Eltern gefragt. Doch die müssen dann auch mit den Kindern üben und nicht nur ins Spaßbad gehen“, sagt die Sportlehrerin.

Da die Kinder aber durchaus großen Spaß an dem Unterricht hätten, könne vieles aufgeholt werden. Koch-Meitz: „Normalerweise haben wir im sechsten Jahrgang, dann nur noch zwei bis drei Härtefälle, die dann noch nicht schwimmen können.“

Betroffen von der Schließung der Bäder waren aber eben nicht nur die Kinder, sondern auch die Lehrer. „Das hat dazu geführt, dass die Auffrischung unserer Rettungsfähigkeit nicht möglich war. Das wollen wir aber in Absprache mit den Schwimmmeistern des Hallenbades nach den Weihnachtsferien nachholen“, erklärt die Sportkoordinatorin.

Für den Schwimmunterricht im Hallenbad würde die entsprechende Rettungsfähigkeit in Bronze ausreichen. „Wir wollen aber möglichst Silber erreichen, denn dann dürfen wir die Schüler auch im Freigewässer betreuen. Das ist bei den Klassenfahrten wichtig, vor allem, wenn diese an die Küste gehen. Bei den Auffrischungen sind deshalb auch meist einige Kollegen dabei, die keinen Sport unterrichten, durch die Rettungsfähigkeit aber die Kinder im Meer beaufsichtigen können. Das muss man schon hoch anrechnen, denn letztlich ist solch ein Schwimmen im Freigewässer auch immer mit einem gewissen Risiko behaftet“, so Koch-Meitz.

2020 sind in Deutschland 378 Menschen ertrunken

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland mindestens 378 Menschen ertrunken. In Binnengewässern verloren mindestens 335 Personen, das sind rund 88 Prozent der Opfer, ihr Leben. Diese Statistik gab die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bekannt.

„Flüsse und Seen sind nach wie vor die größten Gefahrenquellen. Nur vergleichsweise wenige Gewässerstellen werden von Rettungsschwimmern bewacht. Das Risiko, dort zu ertrinken, ist deshalb um ein Vielfaches höher als an Küsten oder in Schwimmbädern“, beschrieb Achim Haag, Präsident der Wasserretter, die Gefahrenlage.

Dass die Zahl der Ertrunkenen im Vergleich zu 2019 um neun Prozent gesunken sei, könne auch am Wetter liegen. So hätten im heißen August der vergangenen Jahres 117 Menschen ihr Leben im Wasser verloren, ein Jahr zuvor seien es im August nur 45 gewesen. An den Küsten ertranken im vergangenen Jahr laut DLRG 21 Menschen (sechs in der Nord- und 15 in der Ostsee).

In Frei- und Hallenbädern starben sechs Menschen, zwei weitere Opfer gab es in privaten Pools.

Auch interessant

Kommentare