Zahl der Bedürftigen hat sich vervierfacht

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Martin Ahlhaus, erster Vorsitzender des sozialen Bürgerzentrums „Hand in Hand“, informierte gemeinsam mit der zweiten Vorsitzenden Angelika Rentrop über die Arbeit des Zentrums. ▪

KIERSPE ▪ Einen umfassenden Einblick in die Geschichte und Arbeit des sozialen Bürgerzentrums „Hand in Hand“ gaben am Dienstagabend die Vorstandsmitglieder Martin Ahlhaus und Angelika Rentrop den Mitgliedern und Besuchern des Ausschusses für Soziales und Senioren.

Bereits im Frühjahr 2008 sei die erste Idee zu einem solchen Zentrum aufgekommen, erinnerte sich der Vorsitzende Ahlhaus. „Wir konnten eine steigende soziale Bedürftigkeit beobachten. Schnell wurde uns klar, dass es nicht reichen würde, einzelne Gemeindemitglieder mit einer Spende oder Gutscheinen zu unterstützen. Klar war, dass das Thema vielschichtiger angefasst und in die Öffentlichkeit getragen werden musste“, so Ahlhaus.

Klar sei auch von Anfang an gewesen, dass die Kirchen sich dem Thema nicht alleine widmen wollten. So sei die Idee des runden Tisches entstanden, dem letztlich rund 40 Teilnehmer angehörten und dessen Arbeit zur Gründung des Vereins „Hand in Hand“ im September 2009 geführt hätte. „Den Namen haben wir damals bewusst gewählt, denn wenn sich Menschen Hand in Hand begegnen, dann treffen sie sich auf Augenhöhe, krempeln die Ärmel hoch und packen gemeinsam die Probleme an“, erläuterte der Vorsitzende.

Viel Arbeit habe man damals in die Konzeption gesteckt, um sich nicht zu verzetteln. Lange habe man nach geeigneten Räumen gesucht und sich mit den Erfahrungen anderer Zentren dieser Art in der Region auseinander gesetzt.

Gemündet sei dieser Prozess schließlich im März dieses Jahres in der Eröffnung des Bürgerzentrums im Gemeindehaus Felderhof. Ahlhaus: „Wir haben gleich am ersten Tag Lebensmittel ausgegeben und auch die Angebote in der Kleiderkammer (Kleiderschrank) und dem Begegnungscafé (Kaffeetafel) sind gut angenommen worden.“ Das sei aber nur möglich, weil der Verein sehr viele Sachspenden erhalten habe, mit denen der Kleiderschrank auch befüllt werden konnte. Diese Einrichtung stehe, genau wie die Kaffeetafel, aber nicht nur Bedürftigen sondern allen Besuchern offen, würde aber leider so nicht genutzt. „Ich selbst habe den Anzug, den ich auf der Modenschau des Bürgerzentrums auf dem Stadtfest getragen habe, gekauft und trage ihn gerne“, ermunterte Ahlhaus auch andere Kiersper seinem Beispiel zu folgen.

Getragen werde der Verein heute von 81 Mitgliedern. „Aber wir können gar nicht genügend Helfer haben, um die Aufgaben zu erfüllen. Doch Ahlhaus wollte seine Ausführungen nicht ohne einen Appell beenden: „Wir benötigen auch weiterhin die Hilfe der Politik und der Verwaltung, auch brauchen wir weiterhin viel Geld, um Lebensmittel zukaufen zu können. Bislang ist das immer durch zahlreiche Spenden möglich gewesen. Ich hoffe, das wird auch in Zukunft weiter funktionieren.“

Damit hatte der Vorsitzende des Bürgerzentrums auch eine Überleitung zum Thema seiner Stellvertreterin gefunden. Angelika Rentrop konzentrierte sich dann vor allem auf die Lebensmittelausgabe (Vorratskammer), die einmal im Monat öffnet. „Als wir im März mit unserer Arbeit begannen, waren 50 Kiersper im Besitz einer Gästekarte, heute sind es 204. Da jede Familie nur eine Karte erhält, verbergen sich dahinter 433 Menschen, die auf diese Hilfe angewiesen sind. Es hat mich erschreckt zu sehen, wie viele Rentner, vor allem ältere Frauen, auf die Ausgabe von Lebensmitteln angewiesen sind“, so Rentrop.

Derzeit seien allein für die Vorratskammer rund 30 Helfer tätig, die die gespendeten Lebensmittel abholten, den Einkauf der haltbaren Waren übernähmen, beim Portionieren anpackten oder bei der Verteilung aktiv würden. Mittlerweile benötige man rund drei Stunden, um alle Spenden auszugeben. „Dabei achten wir sehr darauf, dass auch die, die später kommen, noch die gleichen frischen Waren erhalten, wie die, die als erste an der Ausgabe sind.“ Ihre Ausführungen schloss Rentrop mit einer Bitte: „Es wäre toll, wenn alle Spender von Kleidung, Schuhen, Tisch- und Bettwäsche, diese vor der Abgabe auch reinigen würden.“ ▪ Johannes Becker

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