„LED und Akku sind Dynamo technisch überlegen“

+
Ein Nabendynamo – so wie an diesem Trekkingbike – sei mittlerweile Standard, weiß Ulrich Berg, Betreiber des Fachgeschäfts „X-Bike“. –

KIERSPE – Fahrräder mit Dynamos werden bald möglicherweise immer seltener auf Deutschlands Straßen zu sehen sein. Laut Bundesverkehrsministerium stehen die sogenannten lichttechnischen Vorschriften auf dem Prüfstand. Empfehlungen einer Expertengruppe sollen bis zum Frühjahr vorliegen. Laut der zurzeit geltenden Vorschriften dürfen nur Räder mit einem Gewicht von bis zu elf Kilogramm über eine per Batterie statt per Dynamo betriebene Beleuchtung verfügen. Zumindest theoretisch droht im Fall der Missachtung ein Verwarungsgeld von zehn Euro. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Von Dominic Rieder

Beim Kauf eines den Vorschriften entsprechenden Mountainbikes ohne Dynamo ist aus diesem Grund beispielsweise schon ein etwas tieferer Griff in die Geldbörse fällig. Mountainbikes unter elf Kilogramm seien für einen Preis ab etwa 1000 Euro zu bekommen, weiß Ulrich Berg, Betreiber des Kiersper Fachgeschäfts „X-Bike – Der Zweiradprofi“. Ein dynamoloses Rennrad mit zulässigem Gewicht sei hingegen bereits für etwa den halben Preis erhältlich, so Berg. Rennräder führe er allerdings – im Gegensatz zu den anderen Fahrradtypen – in seinem Geschäft nicht.

Was den Dynamo betrifft, findet der Drolshagener sowohl Pro- wie auch Contra-Argumente: Ein wesentlicher Nachteil bei einem Dynamo sei – dies gelte insbesondere für sportliche Radfahrer –, dass schlichtweg die Kabel beim Fahren stören. „Sie reißen ab oder werden beim Transport beschädigt“, weiß Ulrich Berg. Vorteilhaft sei natürlich, dass ein Dynamo jederzeit Licht bietet, während eine Batterie irgendwann den Geist aufgibt oder ein Akku aufgeladen werden muss. Zudem habe bei Trekking- und Tourenrädern mittlerweile der Nabendynamo den Seitenläuferdynamo als Standard abgelöst. Hierbei befände sich der Lichtschalter an der Vorderradlampe. „Zudem sind Nabendynamos sehr effektiv und widerstandsarm“, betont der Drolshagener.

Nichtsdestotrotz: Nach seiner Einschätzung werde die Nutzung von Fahrrädern mit batteriebetriebener Beleuchtung und Gesamtgewicht über elf Kilogramm seitens der Polizei „stillschweigend geduldet“. Selbst bei Prüfungen in der Schule werde es toleriert, wenn ein Kinderrad eine batteriebetriebene Beleuchtung hat.

Sonderfall in Sachen Beleuchtung: E-Bikes

Als problematisch erachtet Berg dies jedoch nicht. „Die Vorschrift zur Dynamopflicht stammt aus dem Jahr 1958. Zu dieser Zeit gab es noch gar keine Batterielampen. Heutzutage sind LED-Technik und Akku dem Dynamo technisch überlegen“, betont Berg. Entsprechend schließt er sich der Einschätzung der Gewerkschaft der Polizei an. Diese hatte die Dynamopflicht als „möglicherweise vom technischen Fortschritt überholt“ bezeichnet.

„Es wäre wünschenswert, dass neue Vorschriften kommen, laut denen die Batteriebeleuchtung unabhängig vom Gewicht des Fahrrades erlaubt wäre. Es sollte aber einige Einschränkungen geben. Zum Beispiel sollte eine gewisse Lichtstärke vorgegeben sein“, meint Ulrich Berg.

Einen Sonderfall in Sachen Beleuchtung stellen Elektrofahrräder, die sogenannten E-Bikes, dar. „E-Bikes verfügen über gute Lampen, starkes LED-Licht und Standlichtfunktion“, so Berg. „Allerdings müssen sie unabhängig von einer Batterie Licht erzeugen. Ein Dynamo als Lichtquelle ist vorgeschrieben, damit kein Strom von der Fahrbatterie abgezapft wird.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare