Duo begeistert in der Kirche

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Stefan Heidtmann ist neben dem Jazz bekannt für seine Crossover-Projekte.

Kierspe - Das Publikum werde europäischen Jazz zu hören bekommen, erklärte Thomas Wurth gleich zu Beginn des Konzerts in der Margarethenkirche. Der orientiere sich an Gregorianik, an Bach und der Romantik und sei „innerlicher“ als die afroamerikanische Variante. Die feiere mit dem Publikum, der europäische Jazz hingegen „schaut nach innen“. Deshalb brauche auch niemand zu applaudieren, wenn ihm gerade nicht danach sei. Den Zuhörern war aber danach, regelmäßig gab es Beifall für Pianist Stefan Heidtmann und Thomas Wurth an der Trompete. Der wurde gegen Ende rhythmisch – das Publikum wünschte und erhielt eine Zugabe.

Beide Musiker sind in vielen Formationen aktiv, aber ihre Liebe gilt dem Jazz. In der Margarethenkirche spielten sie neben Titeln von Ian Carey oder dem „Canter No. 1“ von Kenny Wheeler überwiegend eigene Kompositionen. Die hatten Namen wie „Blue Sand and Green Sky“ (Heidtmann) oder „Infinite Space“ (Wurth) und waren angesiedelt zwischen zeitgenössischer Kammermusik und „traditionellem“ Jazz, zwischen Welt- und Obertonmusik.

Für die Obertöne legte Wurth gelegentlich die Trompete zur Seite und sang, begleitet von Stefan Heidtmann am E-Piano, der mit Tremolo und Synthesizer Klangteppiche über den Gesang legte. Das Ergebnis war ein faszinierendes Klangerlebnis, das bei den Zuhörern Gefühle zwischen Gänsehaut und meditativer Stille auslöste. Ganz unvermittelt war Schluss – ein Augenblick der Stille – Beifall. Dieses Muster wiederholte sich immer wieder. Diese Klanglandschaften waren der Höhepunkt des Konzerts. Die Akustik des Duos sei der Besinnlichkeit des Passions- und Osterfestes angemessen, meinten die Verantwortlichen von KuK, die als Veranstalter ebenfalls in der Kirche waren. Tatsächlich hatte die Musik gelegentlich religiös anmutende Qualitäten, so etwa bei „Inner Structure“ von Thomas Wurth. Das Thema – vier Töne im Umfang einer kleinen Terz – wiederholte sich immer wieder, aufgefangen von sehr zarten Pianoklängen, die sich, wie improvisiert, erweiterten um zum Thema zurückzukehren.

Bei der Zugabe hatten die Musiker Verstärkung – Fritz Schmid hatte sein Saxophon mitgebracht und die Zuhörer sangen einzelne Töne. Gemeinsam erzeugten sie eine Klanglandschaft, die das Konzerterlebnis passend abrundete.

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