„Teppichklopfer“ gegen den sauren Boden

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Alle 45 Minuten landet der Hubschrauber kurz neben dem Betriebsgebäude, um 250 Liter Flugbenzin zu tanken. - Fotos: Becker

Kierspe - Schon von Weitem ist der charakteristische Sound des Hubschraubers zu hören. Immer und immer wieder dreht der Bell 205 seine engen Schleifen am Rande der Kerspetalsperre. Unter dem 39 Jahre alten Helikopter hängt in 30 Metern Tiefe eine Gondel, aus der sich bei jedem Flug rund 1,5 Tonnen Kalk auf den Waldboden innerhalb der Wasserschutzzone 1 ergießen.

Von Johannes Becker

„Wir kontrollieren regelmäßig die Qualität unseres Bodens. Dabei haben wir festgestellt, dass dieser über die Jahre zu sauer geworden ist, so dass nun eine Kalkung erfolgen muss“, erklärt Betriebsleiterin Friederike Mürkens von den Wuppertaler Stadtwerken.

Mit den rund drei Tonnen Kalk, die pro Hektar ausgebracht werden, soll die Bodenversauerung verringert, die Speicherfähigkeit der Böden für Nähr- und Schadstoffe erhöht, die Vitalität des Baumbestandes verbessert und die Durchwurzelung des Mineralbodens gefördert werden.

Damit das gelingen kann und auf jeden der 390 Hektar Fläche genügend Kalk niedergeht, ist Pilot Robert Rücker noch bis zum Wochenende über dem eingezäunten Gelände der Talsperre unterwegs. Seit mehr als 40 Jahren hat er den Steuerknüppel von Hubschraubern fest in der Hand – und seit 30 Jahren ist er bei den Waldkalkungsaktionen im Einsatz.

Doch nicht nur der Pilot hat schon endlos viele Stunden in der Luft verbracht, sondern auch sein Hubschrauber. Bei dem Bell 205 handelt es sich um die zivile Version des berühmten „Teppichklopfers“, der bereits in der Militärversion UH1D im Vietnamkrieg eingesetzt wurde. Seinen Spitznamen hat er von dem typischen Fluggeräusch, das durch Luftverwirbelungen an den Rotorenden entsteht.

Zum letzten Mal ist das Gelände rund um die Talsperre vor zehn Jahren gekalkt worden. „Möglich wäre eine Förderung durch das Land in unserer Region alle sieben Jahre“, erklärt Mürkens, die die Maßnahme mit den Förstern Uwe Treff und Klaus Pokrandt abgestimmt hat. Insgesamt kostet der einwöchige Hubschraubereinsatz rund 100 000 Euro, von denen Land und Bund im Idealfall 90 Prozent als Förderung übernehmen werden.

Im Minutentakt wird die Gondel unterhalb des Helikopters mit 1,5 Tonnen Kalk beladen.

Doch bevor der erste Flug gestern gegen Mittag stattfinden konnte, mussten Friederike Mürkens und Forstwirtschaftsleiter Martin Spettmann Lande- und Tankplatz definieren und auch die Ladeplätze für den Kalk festlegen. Alle 45 Minuten muss der Pilot eine Weide neben dem Betriebsgebäude anfliegen, um 250 Liter Flugbenzin aufzunehmen. Um Zeit zu sparen, drehen sich die Rotorblätter während dieses wenige Minuten dauernden Vorgangs weiter. Beim Laden des Kalks landet die Maschine gar nicht. Dann kommt nur die Gondel auf den Boden und wird dort von einem Radlader in wenigen Sekunden neu gefüllt. Die anschließende Flugzeit ist so kurz, dass der Fahrer des Radladers gerade genügend Zeit hat, die Schaufel seines Fahrzeugs erneut zu füllen und auf den Platz zu fahren, an dem die Füllung der Gondel erfolgen soll.

In der Luft orientiert sich der Pilot an „Geländemarken“, um seine Fracht immer leicht versetzt abzuwerfen.

Eine Gefahr für Waldarbeiter oder Spaziergänger besteht durch den Kalk, der aus einem Kalkwerk in Grevenbrück stammt, nicht, da es sich um ein Naturprodukt handelt und auf dem Quadratmeter nur 300 Gramm niedergehen.

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