Ute Wulf bei Hobbykünstlerausstellung im November zum ersten Mal dabei

Ute Wulf, hier in ihrem kleinen Atelier, wird bei der nächsten Hobbykünstlerausstellung Kappen und Mützen vorstellen. Sie legt besonderen Wert auf den Tragekomfort ihrer Modelle. - Fotos: Mülller

KIERSPE/MEINERZHAGEN - Wer im nächsten Winter gut behütet sein will, sollte die nächste Hobbykünstlerausstellung nicht versäumen. Diese ist am Samstag und Sonntag, 9. und 10. November, jeweils von 11 bis 18 Uhr im Pädagogischen Zentrum der Gesamtschule Kierspe geöffnet.

34 Hobbykünstler werden dann ihre Arbeiten vorstellen. Ute Wulf aus Valbert ist eine von ihnen und in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Kappen und Mützen aus eigener Produktion, von pfiffig bis elegant, wird sie vorstellen.

Ute Wulf ist gelernte Krankenschwester, gehörte in den letzten Jahren ihrer Berufstätigkeit zum Leitungsteam einer Intensivstation, wo sie für die Personaleinsatzplanung zuständig war. Ein Ruhestand ohne sinnvolle Tätigkeit war für sie unvorstellbar, und so besann sie sich vor rund drei Jahren auf eine Fertigkeit, die sie in jungen Jahren in den Grundzügen von ihrer Großmutter, einer Hutmacherin, gelernt hatte. Da klassische Hüte heute nur noch selten getragen werden, entschied sich Ute Wulf, künftig Kappen und Mützen herzustellen.

Dabei arbeitet sie ausschließlich mit Naturmaterialien wie Wolle, Leinen, Baumwolle oder Walkstoffen, die häufig raffiniert miteinander kombiniert werden. „Stoffe sind meine Leidenschaft“, bekennt sie, und mittlerweile hat sich ein ganzes Regal mit unterschiedlichen Mustern und Qualitäten gefüllt, so dass ihre Kunden, die vor allem durch Mundpropaganda zu ihr finden, nicht selbst Stoffe kaufen, sondern sich gleich einen aussuchen können. „Die Materialien sind alle waschbar. Woll- oder Walkstoffe lassen sich problemlos reinigen und auffrischen, indem man sie einfach in den Schnee legt oder in den Regen hängt“, weiß die Fachfrau.

Ausgehend von Grundschnitten, von denen Ute Wulf mittlerweile 25 entworfen hat, fertigt sie zunächst den Prototyp eines Modells, den sie dann nach eigenem Gusto oder nach den individuellen Kundenwünschen und -bedürfnissen verändert. „Ich fertige nur Unikate. Es ist gar nicht möglich, zwei völlig gleiche Teile herzustellen“, sagt die Hutmacherin, der das außerdem auch viel zu langweilig wäre. Selbst wenn sie auf Kundenwunsch arbeitet, legt sie Wert auf ein wenig künstlerische Freiheit bei der Ausarbeitung der Details, und die wird ihr auch immer gern eingeräumt.

Wichtigstes Werkzeug bei der Feinarbeit ist ein Modellkopf, an dem sie die optimale Passform überprüfen und gegebenenfalls verändern kann. Eine Overlook-Nähmaschine mit vielen Programmen und vor allem Nadel und Faden kommen außerdem bei der „Fummelarbeit“ zum Einsatz.

Ihre kreativsten Zeiten sind, möglicherweise auch berufsbedingt, die Nachtstunden. Da treibt sie sogar schon einmal eine spontane neue Idee aus dem Bett, die sie sofort in einer Zeichnung festhalten oder umsetzen muss.

„Bei der Verarbeitung lege ich vor allem Wert auf Tragekomfort“, betont sie. Nur bei ganz wenigen Modellen, bei denen besonders dicke oder mehrlagige Stofflagen verarbeitet werden, sind die Nähte noch sichtbar. Bei den meisten Kappen oder Mützen werden aber Futter und Oberstoff links auf links verarbeitet, so dass Nähte nicht stören können und kaum wahrnehmbar sind. Besonders wichtig ist das, wenn sie für Krebspatienten arbeitet, die durch die Chemotherapie zeitweise ihre Haare verlieren und deren Haut besonders empfindlich ist. „In solchen Fällen kann ich auch einen ganz weichen Innenhut einarbeiten, der später, wenn die Haare wieder wachsen, entfernt werden kann. Der Halt gebende Rand erhält außerdem ein schmiegsames Wellnessvlies. Etwa zwei Tage Arbeitet Ute Wulf an einer Kappe ode Mütze.

„Der vorübergehende Haarausfall ist vor allem für weibliche Krebspatientinnen oft ein großes Handikap. Viele ziehen sich zurück, nehmen nicht mehr am Leben teil. Für die Heilungschancen ist das kontraproduktiv“, meint die gelernte Krankenschwester. Deshalb will sie in Kürze zusammen mit einer ehemaligen Kollegin auch ein Projekt starten, bei dem Krebspatientinnen die vielfältigen Möglichkeiten kennenlernen können, was alles machbar ist, um sich selbst in dieser schweren Zeit Attraktivität und Selbstbewusstsein zu bewahren. Eine pfiffige Kopfbedeckung für die unterschiedlichsten Gelegenheiten und einige Schminktipps sind dabei vielfach schon sehr hilfreich. „So kann ich nicht nur Mode machen, sondern auch bei einer Problematik helfen, die mir durch meinen Beruf sehr bekannt ist“, freut sich Ute Wulf.-luka

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