Ein würdiges Denkmal für den Heimatdichter

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Silvia Baukloh und Marlen Vedder (rechts) sichten seit Monaten den Nachlass des Heimatdichters Fritz Linde. Die wichtigsten Exponate werden im neuen Museum gezeigt. ▪

KIERSPE ▪ In etwas mehr als zwei Monaten soll das neue Fritz-Linde-Museum in Kierspe eröffnet werden. Doch bis dahin müssen die Mitglieder des Heimatvereins und die Nachbarn noch kräftig anpacken. Aber auch bis jetzt wurden bereits unzählige Arbeitsstunden in das Projekt investiert.

Durch seine eingerückte Lage fällt das Wohnhaus am Höferhof kaum auf. Knapp zweigeschossig und ohne Keller wurde es vor rund 150 Jahren gebaut – den Stall ins Haus integriert und kaum Platz zu Leben. Gewohnt hat dort der Heimatdichter Fritz Linde, der neben seiner Arbeit im Werk von Dr. Deistung und der eigenen Landwirtschaft noch Zeit und Muse fand, zu schreiben und zu dichten.

Hunderte Seiten, beschrieben in Sütterlin oder auch mit der Schreibmaschine, Fotografien und Orden – all das findet sich derzeit in einem Zimmer von Marlen Vedder. Seit Monaten sichtet sie gemeinsam mit Silvia Baukloh die Kisten, die auf Tischen und Stühlen stehen. Neben einem Melkschemel und einem Küchenstuhl ist das der gesamte Nachlass des Heimatdichters – bislang untergebracht in dem Haus seiner Frau, in dem er bis zu seinem frühen Tod 1935 lebte.

Es war wohl die letzte Chance, den Nachlass zu retten. So hatten Orden und Ehrenzeichen schon Rost angesetzt und das Papier begonnen, sich zu zersetzen. Die kleine aber gestochen scharfe Handschrift von Linde auf manchen Seiten verblasst und kaum zu lesen, bergen Originale, die den Freunden des heimischen Dialekts zum Teil längst bekannt sind. Geschrieben in Sütterlin – einem Deutsch, dass sich heute liest wie eine Fremdsprache mit unbekannten Schriftzeichen. Transkribieren nennt sich die Übertragung der Schriftzeichen ins Lateinische, doch bei den Werken von Linde muss nicht nur die Schrift übersetzt werden, es muss auch der Dialekt verstanden werden. Die Kiersperin Christa Ackermann hat dem Heimatverein angeboten, einen Teil der Werke und Korrespondenz zu „übersetzen“.

Doch auch die Bilder, Zeugnisse der harten Arbeit des Kierspers, seines Militärdienstes in Berlin und der Ehe von Linde sind zum Teil in einem bedauernswerten Zustand. „Einen großen Teil der Exponate hatte sich der Heimatverein bereits gesichert, als wir eine Ausstellung zu seinem 125. Geburtstag auf die Beine gestellt hatten und ein anderer Teil findet sich in einer Ausstellung aus den 1990er Jahren wieder“, erklärt Marlen Vedder.

Die wichtigsten Exponate werden nun einen dauerhaften Platz in dem Wohnhaus des Dichters finden. Am 26. Juli wäre dieser 130 Jahre alt geworden. Ein würdiges Datum, um die „Gedenkstätte“ zu eröffnen. Dass das überhaupt möglich wurde, ist dem Engagement zahlreicher Helfer zu verdanken. Denn neben der Sichtung und Ausarbeitung des Nachlasses musste das uralte, aus Feldstein gebaute Haus in Ordnung gebracht werden. Eine Arbeit, die vor allem von Horst Vedder und Michael Groß erledigt wurde. Seit Januar sind die beiden an jedem Werktag mindestens vormittags, meist aber auch an den Nachmittagen in dem Haus, um dies als Ausstellungsraum und Treffpunkt herzurichten. Denn nach dem Wunsch des Heimatvereins soll das Gebäude nicht nur durch gelegentliche Führungen mit Leben gefüllt werden, sondern auch mit Gruppen, die dort zusammenkommen. Eine private Spende ermöglichte die Anschaffung von Tischen und Stühlen, auf denen rund 30 Besucher Platz finden. „SGV und Plattdeutscher Kreis haben bereits ihr Interesse bekundet“, so Silvia Baukloh, die in der Vermietung an Gruppen und in der Verköstigung dieser Besucher eine Einnahmequelle sieht.

Den zahlreichen Arbeitern wie Eberhard Spottker, Wilfried Müller, Axel Kaczmarek und Dieter Baukloh soll das gerade recht sein. Denn nur wer kommt, wird ihre Arbeit zu schätzen wissen.

„Natürlich werden wir die Ausstellung auch immer wieder umgestalten, damit die Besucher, die öfter vorbeischauen, immer wieder Neues entdecken können“, erklärt Marlen Vedder.

In dem sogenannten Schornsteinfegerhaus (so genannt, weil der Schwiegervater von Fritz Linde den Beruf des Kaminkehrers ausübte) soll aber nicht nur das Werk von Fritz Linde seinen Platz finden. Auch Arbeiten und Nachlass der Schriftstellerin und Lehrerin Anni Wienbruch sollen in dem Haus am Höferhof ihren Platz finden. „Die beiden kannten sich gut und standen auch miteinander in Kontakt. Das wird aus den Widmungen in Büchern deutlich, die sie sich gegenseitig zukommen ließen“, so Monika Baukloh, der es schon immer ein Anliegen war, an die in Kierspe zu ihrer Zeit ausgesprochen beliebte Lehrerin zu erinnern. ▪ Johannes Becker

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