Gewässerschutz ist ein gemeinsames Anliegen

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Arbeiten beim Gewässerschutz eng zusammen: Inka Zehfuß vom Wupperverband (links), Friedrike Mürkens von den Wuppertaler Stadtwwerken und Georg Würth, Leiter der Kiersper Feuerwehr. ▪

KIERSPE ▪ Mit der Frage „Was hätte alles passieren können, wenn...?“ wollen sich weder Kiersper Feuerwehr noch Wupperverband und auch nicht die Wuppertaler Stadtwerke aufhalten. Vielmehr geht es den Verantwortlichen der drei Einrichtungen darum, ihre Zusammenarbeit noch weiter zu verbessern, um in einem Schadens- oder Katastrophenfall die Gefahren für die umliegenden Gewässer zu minimieren.

Anlass dazu waren aber sehr wohl der Lkw, der in der vergangenen Woche ins Kerspetal stürzte, und der Öleintrag in den Lingesebach nach dem Unwetter vor etwas mehr als zwei Wochen.

Einige Meter tief stürzte der Lastwagen an einer Engstelle der Kreisstraße auf dem Weg nach Mühlenschmidthausen ins Kerspetal. Glücklicherweise hatte der Wagen nur Treber geladen und auch der Kraftstoff trat nicht aus. Dadurch blieb eine Gefährdung der Kerspe und somit auch der gleichnamigen Talsperre aus. Doch vorsichtshalber hatte die Kiersper Wehr die Verantwortlichen bei den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) als Talsperrenbetreiber benachrichtigt. Eine 24-stündige Erreichbarkeit des Leitstandes des WSW in Wuppertal erleichtert dies. Kurz nach der Alarmierung war auch der Betriebsleiter der Talsperre vor Ort, um sich ein Bild zu machen. „Wären größere Mengen Betriebsstoffe ausgetreten, hätten wir das Vorbecken abgesperrt und so ein Einfließen des Öls in die Talsperre verhindert“, erklärt Friedrike Mürkens. Die Diplom-Ingenieurin ist beim WSW für die Wassergewinnung zuständig – und damit auch für alle Lagen, die eine Gefährdung dieser Aufgabe darstellen. „Und wir hätten versucht, möglichst viel Öl durch entsprechende Sperren auf der Kerspe aufzuhalten“, ergänzt Georg Würth, Leiter der Kiersper Feuerwehr.

Notwendig wurde der Einsatz dieser Sperren vor etwas mehr als zwei Wochen, als nach Sturm und Starkregen Öl über Stollen und Regenrückhaltebecken in den Lingesebach gelangten. Weil damals auch viel Erdeintrag mitgerissen wurde und das Wasser trübte, veranlasste der Wupperverband, der für die Lingesetalsperre zuständig war, ein Badeverbot in der Brauchwasser-Talsperre. „Eine Maßnahme die von den Erholungssuchenden und Campern an der Sperre durchaus begrüßt wurde“, stellt Inka Zehfuß vom Wupperverband erleichtert fest.

Und auch, wenn die beiden Unternehmen rechtlich nichts miteinander zu tun haben, so arbeiten sie doch beim Gewässerschutz eng zusammen. Gemeinsam werden etliche sogenannte Öl-Absperr-Anhänger betrieben, mit denen geschulte Mitarbeiter selbst Ölsperren ausbringen können. Mürkens: „Zur Not könnten wir auch mit dem uns zur Verfügung stehenden Material die Feuerwehr unterstützen oder Teile einer Talsperre absperren.“

Damit das auch im Notfall funktioniert, ist für die nahe Zukunft eine gemeinsame Übung von Feuerwehr Kierspe, WSW und Wupperverband geplant.

Doch auch ohne gemeinsames Üben versucht die Kiersper Wehr die umliegenden Gewässer zu schützen. Neben der Benachrichtigung der zuständigen Stellen bei WSW und Verband gehört dazu auch ein umsichtiger Umgang mit Löschwasser und Schaum. „Um die Spannung des Wassers zu brechen, geben wir manchmal ganz geringe Mengen Schaummittel dem Löschwasser zu. Das vermeiden wir aber im Wasserschutzgebiet so weit es geht. Überhaupt wird jeder Einsatz mit Löschschaum genau abgewogen. Allerdings geht die Hilfeleistung im Einsatz vor. Denn im Notfall können beim Gewässerschutz ja noch andere Maßnahmen ergrifffen werden“, so Würth. In der Vergangenheit hatte man aus Gründen des Gewässerschutzes bereits den alten Löschschaum ausgemustert und stattdessen ein Löschmittel ohne schädliches PFT angeschafft.

Doch auch unabhängig von großen Schadensereignissen wird das Wasser der Kerspe regelmäßig auf seine Qualität untersucht. „Bei der Entnahme des Trinkwassers aus der Sperre gibt es eine Überwachung der Qualität rund um die Uhr. Wäre der Lastwagen mit dem Treber unbemerkt in die Talsperre gestürzt, hätten wir den Eintrag sofort am sinkenden Sauerstoffgehalt festgestellt“, so Mürkens.

So feinmaschig ist die Überwachung bei den Brauchwassertalsperren nicht. Dort setzt man aber auf eine Kameraüberwachung der Regenrückhaltebecken, erklärt Zehfuß. ▪ Johannes Becker

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