Wolfgang Wiendlocha trumpft beim Wurstkönigschießen auf

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Der stolze Wurstkönig Wolfgang Wiendlocha (Mitte) umrahmt von den Insignienschützen.

Kierspe - Seit 1991 ist es ein Ritual nach dem Reinigen des Platzes, welches die Mitglieder des Kommandos des Kiersper Schützenvereins (KSV) immer am Freitag vor dem Schützenfest begehen. Fleisch und Würstchen werden reichlich von den beiden Fleischereien Baumeister und Hoffmann für das Fest besorgt und jeder Schütze bringt etwas zu trinken mit.

„Zehn, neun, acht... eins, null!“ Ausgezählt wurden die Schützen, die am Freitagabend auf dem Hedberg auf den Holzvogel zielen sollten. Nicht jeder schaffte es, in der vorgegebenen Zeit an den Schießstand zu kommen. Zur Strafe gab es dann einen Wacholder.

Raue Sitten herrschten am Freitagabend beim Kommando des KSV, ging es doch um die Wurst – genauer gesagt, um den Wurstkönig. Ein schmächtiger Holzvogel ohne Zepter, Reichsapfel und Krone, dafür aber mit Leberwurst, Blutwurst und den guten Sauerländer Knackern als Insignien thronte noch stolz im Kugelfang, doch nicht mehr lange. Denn dem mit Liebe gemachten Wurstkönigvogel war kein langes Leben beschert. Schon bald fehlte ihm die Krone, dann der Apfel und das Zepter. Für den Vogel selbst brauchten die Kommandomitglieder etwas länger. Genau um 21.15 Uhr war der Vogel vom Rumpf getrennt und der neue Wurstkönig stand fest. Wolfgang Wiendlocha, seit 23 Jahren Mitglied im Kommando, hatte es geschafft – zu seiner riesengroßen Freude.

Es ist ein Juxfest, welches die Mitglieder des KSV-Kommandos stets im Vorfeld des Schützenfestes feiern. Begonnen hatte es 1991. Nach dem Herrichten des Schützenplatzes saßen die Männer noch zusammen und tranken ein Bier. „Wir können schon einmal üben, auf einen Vogel zu schießen“, machte damals Klaus Neunz den Vorschlag. „Ich habe noch einen Styroporvogel zu Hause“, meldete sich ein Anderer und schon war der Wettbewerb um den Wurstkönig geboren.

1991 schaffte es Heinrich Hüther, den Vogel herunterzuholen, 1993 glückte es ihm noch einmal und er wurde zum Wurstkaiser ernannt. Die Namen der Wurstkönige von 1995 und 1997 sind den Kommandomitgliedern verloren gegangen, doch 1999 wurde es Hans Albert Kienold, 2001 Uwe Ackermann, 2003 Rüdiger Busch, 2005 Jens Peter Lück, 2007 Jens Wiendlocha, 2009 Stefan Walter und 2011 erneut Uwe Ackermann, der damit zum Wurstkaiser wurde. Im Jahr 2013 sicherte sich den Titel Florian Pech und 2015 Stefan Walter.

150 Minuten vergingen diesmal, ohne dass es den Schützen gelang, den zähen Vogel zu erledigen. Doch als dann Wolfgang Wiendlocha seinen Schuss abgab, traf er die Stange und der Vogel gab auf, legte sich auf die Seite und fiel in den Rasen. Groß war nun das „Hallo“ seiner Schützenbrüder. Sie lagen sich in den Armen, gratulierten ihm und erklärten ihn zum Wurstkönig.

Die Krone wurde mit Mettwürstchen bestückt und auch die Königskette war aus der nur kurze Zeit haltenden Materie gemacht worden. Schon bald waren Bissspuren an ihr zu entdecken. Ein längeres Leben war jedoch der metallenen Krone beschert. Diese wird nun die kommenden zwei Jahre das Haupt von Wurstkönig Wolfgang Wiendlocha zieren.

Mit der Krönung war das Wurstkönigschießen jedoch nicht vorüber. Bei Gegrilltem und kühlen Getränken saßen die Kommandomitglieder noch lange zusammen und freuten sich über den gelungenen Abend.

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