Zu Gast an der Gesamtschule

Wolfgang Bosbach steht Schülern Rede und Antwort

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Eine schlichte Deko zu einem gewichtigen Thema. Wolfgang Bosbach hatte gestern viel zu sagen über die Demokratie – und vor allem darüber, dass diese alles andere als selbstverständlich ist.

Kierspe - Nicht Anne Will stellte die Fragen, sondern Torben, Niklas und Nele. Sie sind Schüler der Jahrgänge 5 bis 13, deren Fragen sich Wolfgang Bosbach stellt. Fragen, die sich aus dem Thema Demokratie ergeben – denn diese ist auch Thema bei einem Projekt der Projektwocher Gesamtschule.

„Lebendige Demokratie in Deutschland und in den USA – selbstverständlich oder in Gefahr?“ ist das Thema in dieser Woche. Betreut wird es von Lehrerin Marion Überholz. Und die gebürtige Rheinländerin hatte mit Wolfgang Bosbach ein mediales Schwergewicht der politischen Landschaft für den Auftakt gewinnen können. 

Mit Leichtigkeit, die es aber keine Sekunde an Ernsthaftigkeit fehlen lässt, stellte sich Bosbach nicht nur den Fragen der Schüler, sondern auch generell dem Thema. Mit der Frage „Was ist denn Demokratie?“ wandte er sich eingangs an die Schüler und quittierte die Antwort „Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet Volksmacht“ mit „Du wirst später mal Lehrer“. Doch sofort war er wieder im Thema, spannte einen weiten Bogen von der theoretischen Auffassung von Demokratie, über die elementaren Grundrechte bis hin zu den Qualitätsmerkmalen.

Wichtig war dem früheren Berufspolitiker zu betonen, dass die meisten Menschen nicht in einer Demokratie leben – und, dass man „Politik nicht allein den Politikern überlassen“ sollte. „Nur 2,8 Prozent der Deutschen gehören einer Partei an, deshalb ist es wichtig, sich einzumischen und aktiv zu werden.“ So war es auch kein Wunder, dass er mit einem Erich-Kästner-Zitat auf die Frage nach seinem Lebensmotto antwortete: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Gefragt nach dem Grund für die eigene Politikkarriere, unternahm Bosbach einen Ausflug in seine Familiengeschichte. „Ich bin in einer Familie ausgewachsen, in der Politik eine große Rolle spielte. Und das unter dem Eindruck des noch nicht lange vergangenen Krieges und der Auseinandersetzungen zwischen evangelischer und katholischer Kirche.“ Eine Karriere als Berufspolitiker habe er aber nie angestrengt und sei eher zufällig dazu gekommen. 

Zwölf Jahre habe er für einen Abgeordneten gearbeitet, um sich das Studium zu finanzieren. Nach dem Ausscheiden seines Arbeitgebers habe er sich dann in dessen Wahlkreis beworben. „Doch niemand sollte auf eine Karriere als Abgeordneter setzen, denn wir werden nur für vier Jahre gewählt.“ Im Durchschnitt gehörten Politiker lediglich acht Jahre dem Bundestag an, deshalb sei es wichtig, auch außerhalb der Politik eine Möglichkeit zu finden, sein Geld zu verdienen. Er selbst habe auch immer als Rechtsanwalt gearbeitet – und werde das auch in Zukunft tun. Doch bis Ostern habe er noch so viele Termine, dass es kaum einen Unterschied zwischen der Zeit vor und nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag geben werde. „Danach werden mir sicher vor allem die Debatten fehlen.“ 

Wobei Bosbach eine deutliche Veränderung gerade in diesem Bereich durch die AfD befürchtet. „Die Debatten werden sicher härter und lauter werden – und der Ton schärfer.“ Im Umgang mit der rechtspopulistischen Partei rät der Politiker, „nicht über jedes Stöckchen springen, das hingehalten wird“. Im Rahmen seinen eineinviertelstündigen Besuchs stand auch die Demokratie in den USA auf dem Programm. „Die funktioniert. Das sieht man auch daran, dass Trump immer wieder von Gerichten gestoppt wurde. In der Türkei hätte so etwas sicher zur Verhaftung des Richters geführt.“ 

Gefragt nach der Obergrenze, die Horst Seehofer ins Spiel brachte, positionierte sich der CDU-Politiker klar: „Wir müssen darüber diskutieren, wo die Grenzen unseres Landes bei der Aufnahme liegen. Ich denke, 200 000 ist eine plausible Zahl, die es erlaubt, die Verfahren in einer akzeptablen Zeit abzuschließen.“ Damit war er auch schon mittendrin in der Diskussion über die zukünftige Regierung – und dazu gab es eine Prognose von Bosbach: „Ich glaube, dass die Jamaika-Koalition zustande kommt – aus Mangel an Alternativen. Ich bin mir aber nicht sicher, dass diese dann auch vier Jahre hält.“ 

In der Fragestunde, die im Blauen Salon der Gesamtschule stattfand, gab es natürlich auch Fragen, die in Talkshows eher unüblich sind. Doch auch auf diese gab es Antworten. Und so erfuhren die Schüler, dass der Politiker einen BMW X3 fährt, als Schüler am liebsten die Fächer Deutsch, Geschichte und Sport hatte und nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament ein Einkommen von 5700 Euro bezieht. Nach dem Aufenthalt in die Gesamtschule warteten noch zwei Termine in Köln – und am nächsten Tag ein weiterer in Mecklenburg-Vorpommern.

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