"Menschen helfen" berichtet über Flüchtlingsarbeit

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Mitglieder des Vereins Menschen helfen waren zu Gast im Sozialausschuss und berichteten über ihre Arbeit: Fritz Schmid, Karin Schmid-Essing (2. von rechts) und Gundula Schneider (rechts).

Kierspe - Ein sehr differenziertes Bild von der Flüchtlingssituation in Kierspe zeichneten die Mitglieder des Vereins Menschen helfen, die am Montagabend in den Sozialausschuss gekommen waren, der sich dieses Themas angenommen hatte.

Nachdem Oliver Knuf, Sachgebietsleiter Soziales und Familie bei der Stadt Kierspe, die Zahlen zur Flüchtlingssituation unterbreitet hatte (die MZ berichtete), wurde die Sitzung unterbrochen, damit die Vertreter von Menschen helfen ihre Sicht der Dinge schildern konnten. „Während der Bauverein vor einigen Jahren noch einen großen Leerstand beklagte, sind dort mittlerweile alle Wohnungen belegt, gleiches gilt auch für die Wohnungen, die Kiersper aufgrund der Substanz vor dem Zuzug der Flüchtlinge nicht vermieten konnten. Doch mittlerweile wird es immer schwieriger Wohnungen zu finden. Für einen Flüchtling selbst ist das nahezu unmöglich“, erzählte Karin Schmid-Essing. 

Schmid-Essing nutzte den Abend, um die gute Zusammenarbeit mit dem Bauhof bei der Einrichtung der Wohnungen zu loben, beklagte aber auch, dass es zu wenig Unterstützung gebe, wenn Möbelspenden bei den Gebern abgeholt werden müssten. Der Beigeordnete Olaf Stelse wollte das mit den Worten „Der Bauhof ist ja auch kein Umzugsunternehmen kontern, durfte sich dann aber anhören: „Der Verein Menschen helfen aber auch nicht.“ Bei diesen Abholungen fehle es auch in erster Linie nicht an Helfern, sondern an geeigneten Fahrzeugen, so Schmid-Essing. „Wir würden uns wünschen, dass der Bauhof uns in diesem Bereich drei- bis viermal im Monat hilft.“ Sie schilderte auch, dass die Unterstützung des Vereins mitunter nicht nachzuvollziehende Reaktionen auslöse. So schilderte sie, dass Flüchtlingen vom Jobcenter mitgeteilt werde, dass diese erst einmal kein Geld für die Erstausstattung bekämen – verbunden mit dem Hinweis, doch erst einmal bei Menschen helfen nachzufragen, ob der Verein diese Ausstattung nicht zur Verfügung stellen könne. 

Ein weiteres Thema von Schmid-Essing, die mit den Vereinsmitgliedern Gundula Schneider und Fritz Schmid den Ausschuss besuchte, war die Vermittlung der Geflüchteten in Arbeit. „Da müsste es mehr professionelle Hilfe geben. Das ist mit ehrenamtlichen Kräften kaum zu leisten.“ Sie freute sich an dieser Stelle sehr über das Engagement von Bürgermeister Frank Emde, der immer wieder mit den Firmen im Gespräch sei, versuche, Probleme zu lösen, und Praktikumsstellen vermittle – sie sagte aber auch: „Das reicht einfach nicht.“ Wieder war es an Stelse, darauf zu verweisen, dass das nicht die Aufgabe der Stadt sei und dafür auch keine Mitarbeiter zur Verfügung ständen. Er verwies vielmehr ans Jobcenter. Von diesem soll nun zu einer der nächsten Sitzungen des Ausschusses ein Mitarbeiter eingeladen werden, um dann zu diesem Thema Stellung zu beziehen. 

Dann soll auch geklärt werden, wie viele Geflüchtete aktuell vom Jobcenter betreut werden. Denn Anfragen der Stadt diesbezüglich würden ebenfalls nicht beantwortet, hatte Oliver Knuf zuvor bereits berichtet. Schmid-Essing nutzte ihre Redezeit aber auch, um grundsätzliche Kritik an der Abschiebepolitik des Landes zu üben: „Wir haben es jetzt bereits zum wiederholten Male erlebt, dass Menschen abgeschoben wurden oder abgeschoben werden sollen, die in Lohn und Brot sind und für die der Staat keinen Cent bezahlen muss. Dafür bleiben aber Menschen aus den gleichen Ländern hier, die keinen Integrationswillen zeigen und auch bereits mehrfach kriminell wurden.“ Letztlich bliebe der Eindruck, dass der Staat es sich bei den Abschiebungen einfach machen wolle und die Menschen aufgreife, derer er aufgrund ihres geordneten Lebens schnell habhaft werden könne.

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