Mit dem Bohrhammer wachgeküsst

Wohnanlage wird von Grund auf saniert

Noch können die Häuser am Drosselweg den Charme der 1960er-Jahre nicht leugnen, doch bereits im Sommer soll die neue Fassade fertiggestellt sein, später wird auch das Grundstück hergerichtet.
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Noch können die Häuser am Drosselweg den Charme der 1960er-Jahre nicht leugnen, doch bereits im Sommer soll die neue Fassade fertiggestellt sein, später wird auch das Grundstück hergerichtet.

100 Jahre musste Dornröschen schlafen, bevor sie von einem Prinzen zärtlich wachgeküsst wurde. Ganz so lange hat der Schlaf nicht gedauert, den die Häuser am Drosselweg hinter sich haben – und es ist auch kein zärtlicher Kuss, der sie weckt, sondern eher das laute Geräusch der Bohrhämmer. Dass sich hinter den drei Gebäuden aber etwas besonderes verbirgt, das nun sichtbar werden soll, war Anita Mohn schon länger klar – und jetzt kann sie ihre Pläne, „das Objekt aus dem Dornröschenschlaf zu wecken“, umsetzen.

Kierspe - Die Marienheiderin hatte gemeinsam mit ihrem Mann David schon länger den Wunsch, ein Mehrfamilienhaus zu erwerben und dieses nach ihren Vorstellungen umzubauen. Dass die studierte Innenarchitektin dafür ein Händchen hat, konnte sie bereits beim Umbau der Sessinghaus-Villa an der Dr.-Deisting-Straße unter Beweis stellen. Ein anderes Wort als Schandfleck ist wohl niemandem eingefallen, der an der immer mehr verfallenden alten Villa vorbeiging oder -fuhr. Na ja, vielleicht noch Ruine. Das sollte sich aber vor gut fünf Jahren ändern, denn damals hatte sich das Ehepaar Mohn des Gebäudes angenommen und es zu einem Schmuckstück verwandelt.

Sanieren die alten Gebäude am Drosselweg: Anita und David Mohn.

Dass das auch mit der Immobilie am Drosselweg gelingt, da ist Anita Mohn zuversichtlich. Eigentlich sind es drei Häuser, die aneinandergebaut wurden und mit ihren grün vermoosten Eternit-Schindeln an die 1960er-Jahre erinnern, in denen sie gebaut wurden.

Bis vor einiger Zeit waren die Häuser am Drosselweg von der Kölner Straße aus nahezu unsichtbar. Bäume und Sträucher nahmen nicht nur den vorbeifahrenden Wagenlenkern den Blick, sondern den Bewohnern auch den Parkplatz. Das hat sich bereits drastisch geändert. Denn durch einen Rückschnitt der Bäume und Sträucher ist der Platz an der Rückseite, an der sich auch die Eingänge befinden, wieder frei – genau wie der Blick von der Kölner Straße. Bereits Mitte des Jahres soll das Haus von außen in neuem Glanz erstrahlen und die asbestverseuchten Schindeln von einer Fachfirma entsorgt worden sein.

Mohn kennt die Gebäude bereits seit mehreren Jahrzehnten gut. „Als wir Kinder von zuhause ausgezogen waren, sind meine Eltern hier eingezogen. Und sie möchten auch hier wohnen bleiben. Da ist es mir eine besondere Freude, das Haus wieder in einen zeitgemäßen Zustand zu versetzen“, erzählt die Marienheiderin. Umziehen „mussten“ die Eltern aber dann doch, wenn auch nur innerhalb des Hauses. Denn als Mohns die Häuser erwarben, standen fünf der 18 Wohnungen leer. In diesen startete dann auch der Umbau. Mittlerweile wurden zwei dieser Wohnungen bereits von Grund auf saniert –neue Wasserleitungen, neue Stromkabel, neue Böden, neue Decken, neue Heizkörper. Die Liste ließe sich wohl noch um einige Punkte ergänzen. Denn letztlich leben die Mieter, die die neuen Wohnungen beziehen, in einem Neubau, der in einem alten Gemäuer steckt. „In den alten Wohnungen gab es in den Badezimmern große Boiler, in denen das Wasser erhitzt wurde. Als wir diese durch zeitgemäße Durchlauferhitzer ersetzen wollten, wurde klar, dass die alten Stromleitungen dafür nicht geeignet sind“, erzählt die Architektin. Die neuen Leitungen gehen nun oben an den Wohnungsfluren entlang und verschwinden unter abgehängten Decken, die dann auch gleich genutzt werden, um den innen liegenden Raum mit direktem und indirektem Licht zu erhellen. Und während ihre Eltern in der neuen Wohnung einen hellen Bodenbelag bekamen, bekam eine andere Mieterin einen dunklen. Anita Mohn: „Wenn die Mieter Wünsche haben, versuchen wir, diese auch zu erfüllen.“ Überhaupt stehe der Mieter im Mittelpunkt. „Nicht alle wollen innerhalb der Gebäude umziehen. Das kann ich auch verstehen, einige Mieter sind älter als 80 Jahre und wollen sich das nicht mehr antun. In diesen Wohnungen machen wir dann nur das Nötigste, um so wenig wie möglich zu stören. Auf der anderen Seite versuchen wir, die Bauabschnitte zusammenzufassen, damit wir die Lärmbelästigung durch die Maschinen so kurz wie möglich halten“, erzählt die Planerin.

Wenn die Mieter Wünsche haben, versuchen wir, diese auch zu erfüllen.

Anita Mohn, Innenarchitektin

Damit ist aber auch klar, dass es wohl einige Zeit dauern wird, bis alle Wohnungen auf dem neuen Stand sind. Am Zuschnitt wollen die neuen Eigentümer nichts ändern – fast nichts. In den Gebäuden auf der rechten und linken Seite finden sich Wohneinheiten mit drei Zimmern, Küche und Bad. Im mittleren Gebäude sind es zwei Zimmer sowie Küche und Bad. 16 der 18 Wohnungen werden diese Struktur behalten. Zwei Wohnungen im Obergeschoss von einem der Häuser werden aber zu einer „Penthauswohnung“ zusammengelegt.

Sieht man sich die neuen Wohnungen an – und dazu im Vergleich die, die derzeit im Umbau sind, dann wird klar, was Anita Mohn meint, wenn sie sagt, dass sie die Häuser aus dem Dornröschenschlaf wecken wollte. Und damit alles ein stimmiges Bild bekommt, gibt es nicht nur eine neue Fassade, auch das Grundstück soll hergerichtet werden, „damit es zu dem an sich so gemütlichen Drosselweg passt“, wie Anita Mohn es formuliert.

Nach und nach werden auch die Bäder in den drei Häusern grundlegend saniert.

Bedenken, dass die neuen alten Wohnungen keinen Mieter finden, haben die Marienheider nicht. David Mohn: „Durch die kurzen Wege in die Stadt und zum neuen Supermarkt am Wildenkuhlen ist die Infrastruktur gut.“

Dass Mohns überhaupt die Gebäude kaufen konnten, liegt daran, dass der alte Eigentümer im Münsterland lebt und sich aus Altersgründen nicht mehr so gut um seine Immobilien in Kierspe kümmern kann.

Nach dem Ortstermin schaut sich Anita Mohn noch einmal auf dem Gelände am Drosselweg um: „Der Parkplatz wird natürlich auch noch hergerichtet“, sagt sie, als ihr Blick an dem unebenen Teer mit seinen Flickstücken und Schlaglöchern hängen bleibt.

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