Wirre Aussagen könnten zur Einweisung führen

Symbolbild

Kierspe - Was veranlasste einen 25-jährigen Asylantragsteller aus Nigeria, am 25. Oktober 2015 mit einem Messer auf einen Mitbewohner der Notunterkunft am Herlinghauser Weg loszugehen? Eine Art Lagerkoller, eine extreme Reaktion auf traumatisierende Erlebnisse oder eine psychotische Bewusstseinsstörung, wie die Staatsanwaltschaft vermutet?

Das Opfer wurde durch mehrere Messerstiche lebensgefährlich am Oberkörper verletzt, konnte aber gerettet werden.

Vieles spricht dafür, dass der Angeklagte in dem daraus resultierenden Strafverfahren tatsächlich nicht bei Verstand ist. Oberstaatsanwalt Bernd Maas trug deshalb keine Anklage, sondern eine „Antragsschrift“ vor, die dem Flüchtling einen versuchten Totschlag und mehrere kleinere Delikte vorwirft: Nach der Messerattacke soll der Beschuldigte mit Polizisten im Iserlohner Gewahrsam gerungen und einen von ihnen leicht verletzt haben. Tags darauf ging der Mann im Amtsgericht Lüdenscheid während des Termins vor der Haftrichterin auf die Dolmetscherin los und riss sie an den Haaren zu Boden.

„Ich habe mit einem Messer gestochen“, übersetzte der Dolmetscher im Landgericht das Geständnis des Beschuldigten, und dieser fügte eine auf den ersten Blick völlig bizarre Begründung für den Angriff an: „Er bat mich nachts um einen Kochtopf. Ich habe gar nicht verstanden, was er damit bezweckte.“ Die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen fragte nach: „Warum fühlten Sie sich am Nachmittag des folgenden Tages bedroht?“

Der 25-Jährige bemühte sich um eine Erklärung: „Irgend etwas hat er damit bezweckt. Es ist nicht normal, dass jemand mitten in der Nacht einen Kochtopf haben will.“ Die Szene sei der Auslöser für einen furchtbaren Verdacht gewesen: „Ich hatte den Eindruck, er sei ein Teil aller Probleme, die ich derzeit hier erlebe.“ Mitten in der Schilderung, wie er schließlich auf das Opfer losgegangen sei, verschärfte der Beschuldigte seinen Ton: „Es wurde mir klar, dass er der Grund für alle meine Probleme war.“

In dieser Stimmung brauchte es keinen Anlass mehr, um die furchtbare Tat auszulösen. Im Gegenteil, der Geschädigte wollte sich gerade entfernen, als der Nigerianer auf ihn los ging. „Ich habe gedacht, er will abhauen“, lautete seine ebenfalls unverständliche Begründung. „Was hätten Sie getan, wenn Ihnen niemand das Messer weggenommen hätte?“, wollte die Vorsitzende wissen. „Ich wollte ihn nicht umbringen“, behauptete der 25-Jährige. Ähnlich wunderlich wie die immer wiederholte Geschichte mit der nächtlichen Frage nach dem Kochtopf war der Versuch einer Begründung für den Angriff auf die Dolmetscherin: Ihm sei nicht klar gewesen, ob sie ein Mann oder eine Frau gewesen sei – da habe er ihr die geflochtenen (falschen?) Haare vom Kopf reißen wollen.

Dem Beschuldigten, der derzeit in der forensischen Klinik Lippstadt-Eickelborn untergebracht ist, droht nun eine dauerhafte Einweisung in eine geschlossene Anstalt.

Der genaue Aufenthaltsort des Opfers sei nicht so ganz klar, erklärte Strafverteidiger Bernd Eisenhuth am Rande der Verhandlung. Doch bis zur Fortsetzung des Prozesses am 4. April ist noch genug Zeit, um dessen polizeiliche Beförderung ins Landgericht Hagen zu veranlassen.

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