„Wir sollten die Opferrolle aufgeben“

Viele Frauen hatten sich im Rahmen der Allianzgebetswoche zum Frauenfrühstück nach Vollme einladen lassen.

Kierspe - Es war ein sensibles Thema, über das die Frauen beim Frauenfrühstück im Rahmen der Allianzgebetswoche am Samstagmorgen im Vollmer Gemeindehaus nachdachten. Es ging um seelische Verwundungen. Und natürlich tat es weh, sich an sie zu erinnern.

Von Gertrud Goldbach

Referentin Cornelia Kenkel aus Lüdenscheid-Brügge sprach darüber, wie aus diesen Verwundungen Wunder werden können. Bevor Cornelia Kenkel über eigene Erfahrungen und Erlebnisse berichtete, stärkten sich die Frauen am Frühstücksbüfett. Dabei ließen sie sich Zeit, denn für dieses Treffen hatten sich die Teilnehmerinnen den ganzen Morgen frei gehalten.

Kirsten Brünjes von der Landeskirchlichen Gemeinschaft Vollme führte ein kurzes Interview mit der Gastreferentin, um sie den Frauen vorzustellen. Die Frau eines Pfarrers hat vier Kinder. Sie studierte Theologie, übte ihren Beruf aber wegen der Kinder nicht aus. Für ihren Ehemann, der als Pfarrer in Brügge arbeitet, ist sie aufgrund ihrer Ausbildung immer eine kompetente Hilfe.

„Pech gehabt“, hieß das kurze Anspiel, das Iris Blocksdorf und Elke Ramel vorführten, um auf das Thema des Morgens einzustimmen. Darin wurde eine kleine Pannen-Serie dargestellt, wie sie wohl jeder gelegentlich erlebt: Das Bügeleisen hat einen unschönen Brandfleck auf einem feinen Hemd hinterlassen, die Mappe mit den Bewerbungs-Absagen wird immer dicker, und einige weitere Malheure lassen nicht lange auf sich warten. Lang war die Liste der Dinge, die Elke Ramel nicht gelingen wollten, und Iris Blocksdorf lud sie und alle Frauen im Saal ein, Cornelia Kenkel bei ihrem Vortrag über Wunden und Wunder zuzuhören.

„,Gott kann aus Wunden Wunder machen’, stand auf einem Kärtchen, das ich beim letzten Kirchentag entdeckte“, begann Cornelia Kenkel. „Auch ich bin in meinem Leben verwundet worden. Ich habe mir Hilfe bei Seelsorgern, Psychotherapeuten und in Büchern geholt, um von diesen Wunden geheilt zu werden.“

Sie sei als Einzelkind aufgewachsen, berichtete Cornelia Kenkel, und für die Eltern ihr „Ein und Alles“ gewesen. „Tat ich nicht, was meine Mutter erwartete“, berichtete sie „sprach sie nicht mehr mit mir.“ Augen zu und durch, sei damals ihre Devise gewesen. „Ich tat, was von mir erwartet wurde. Hauptsache, die anderen hatten mich lieb.“

Bei ihren Gesprächen mit Seelsorgern und Psychotherapeuten wurde ihr das Buch „Das Geheimnis deiner Stärke“ von Thomas Härry empfohlen. Der Autor beschreibe, wie sich seelische Verletzungen bemerkbar machen. „Sie tun noch Jahre später weh und beeinflussen unser Fühlen und Denken“, führte Cornelia Kenkel aus. „Wir müssen uns unseren Wunden stellen und sollten sie nicht verdrängen“, ermutigte sie. „Wir sollten die Opferrolle aufgeben und Verantwortung übernehmen.“

Menschen reagierten ganz unterschiedlich auf Verwundungen. Männer verwundeten oft andere Menschen, Frauen neigten dazu, Wunden zu vermeiden. Sie gingen dann allem aus dem Weg, was sie verletzen könnte. „Wichtig ist, mit anderen Menschen über die eigenen Wunden zu sprechen“, riet die Referentin. „Andere Menschen können bei mir Zusammenhänge entdecken, die mir selbst noch nicht aufgefallen sind. Das kann ein Weg aus der Verwundung sein.“ Auch Gott könne helfen, die Verletzungen der Menschen zu heilen.

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