Wieder Hoffnung für Schulstandort Rönsahl

Ortsbürgermeister Horst Becker, Schulrätin Brigitte Bunselmeier-Lohr, die städtische Schulsachbearbeiterin Petra Koch, Bürgermeister Frank Emde sowie dazu noch einige Kommunalpolitiker standen den Eltern als Gesprächspartner Rede und Antwort.

RÖNSAHL ▪ Wenn im Dorf der Schulstandort aufgegeben werden müsste, dann würde auch etwas vom Leben dort verloren gehen. Daran ließ Bürgermeister Frank Emde bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend im evangelischen Gemeindehaus in Rönsahl keinen Zweifel und bestätigte damit, was zuvor schon einige andere Besucher an Bedenken geäußert hatten. Es ging um die Zukunft der Servatiusschule und es gibt Anlass für neue Hoffnung.

Allein der Schulverkehr der Eltern zur Schule und wieder weg und ebenfalls natürlich die verschiedenen Aktivitäten an der Bildungseinrichtung sorgten für Betrieb. Genauso stehe jedoch zu befürchten, dass Kinder, die in Wipperfürth-Ohl zur Grundschule gingen, sich später auch in diesem Bereich orientieren würden, wenn es um eine weiterführende Schule gehe – dies mit Folgen für die Gesamtschule in Kierspe, wie gewarnt wurde. So weit aber ist es noch nicht.

Der Grund für die derzeitige Unsicherheit ist ein gravierender Schülermangel in Rönsahl, der damit zusammenhängt, dass einerseits allgemein die Kinderzahlen zurückgehen, andererseits aber aufgrund der vom Land festgelegten freien Schulwahl und der dadurch bedingt weggefallenen Schulbezirksgrenzen aktuell 22 Kinder in Ohl zur Schule gehen. Hinzu kommt, dass andere an die Kiersper Schulen und sogar nach Halver abgewandert sind, wie informiert wurde. „Wir haben daher in Rönsahl derzeit nur noch 73 und ab dem neuen Schuljahr 2010/11 nach derzeitiger Berechnung 74 Kinder“, nannte Emde zu Beginn die konkreten Zahlen. Die städtische Schulsachbearbeiterin Petra Koch ergänzte, dass 2010 15 Kinder eingeschult würden, und in den nächsten Jahren dann 24, 17 und 2013 26, wenn immer alle Kinder aus der Statistik auch wirklich zur Servatiusschule gingen.

Die geringen Schülerzahlen sorgen aufgrund der gesetzlich vorgegebenen Klassenbildung mit 24 Kindern als Zielvorgabe, minimal aber 18 und maximal 30, für Probleme, wo sich die Schulaufsicht dann schwer tut, einer Klassenbildung und letztlich damit dem Fortbestand der Schule in Zukunft weiter zuzustimmen. Der Märkische Kreis wurde bei der Veranstaltung, die mit knapp 100 interessierten Besuchern eine große Resonanz hatte, durch Schulrätin Brigitte Bunselmeier-Lohr vertreten. Sie wies unter anderem darauf hin, dass auch die Lehrerausstattung einer Schule und damit die personellen Fördermöglichkeiten von den Schülerzahlen abhängen. „Drei Klassen an der Servatiusschule erreichen derzeit die Zahl 18 nicht“, führte der Bürgermeister zur Erläuterung der Situation weiter aus.

In intensiven Vorgesprächen zwischen Kommune, Grundschule sowie der Schulaufsicht beim Kreis und bei der Bezirksregierung in Arnsberg war nach Lösungen gesucht worden, um den Schulstandort zu erhalten. Erreicht wurde, wie Rönsahls Ortsbürgermeister Horst Becker anmerkte, dass die anfangs sogar bereits für 2010 überlegte Schließung der Servatiusschule erst einmal vom Tisch ist und somit mindestens bis Ende des Schuljahres 2010/11 Zeit ist, um den Fortbestand zunächst mittelfristig, also auf mehrere Jahre hin, sicherzustellen. Ziel ist aber, dies auch langfristig zu schaffen.

Kontakt mit

Stadt Wipperfürth

Inzwischen gab es eine Kontaktaufnahme in Richtung der Stadt Wipperfürth mit dem Ziel einer interkommunalen Zusammenarbeit auf dem Schulsektor. Doch besteht derzeit daran aus dem Rheinischen kein Interesse, wie Frank Emde bedauernd berichtete. Erfolgreicher dagegen verliefen die Verhandlungen mit der Schulaufsicht, in denen sich zwei vielleicht mögliche Lösungsansätze zum Erhalt des Schulstandortes bei anhaltend geringer Schülerzahl herauskristallisierten: Das eine könnte ein Verbund mit einer Grundschule in Kierspe, der Bismarck- oder der Pestalozzischule, sein und das andere ein jahrgangsübergreifender Unterricht in drei Lerngruppe. Bei beiden sind, wie die Kreisschulrätin aber offen sagte, größere Hürden zu überwinden.

Es kam anschließend zu einem lebhaften Austausch, bei dem von den Eltern verschiedene neue Ideen eingebracht wurden, die nun geprüft werden sollen. Erkennbar war der allseitige Wille, die Servatiusschule zu erhalten. Die Kreativität auf Seiten der Elternschaft, der anwesenden Kommunalpolitiker aller Couleur und auch der beiden Behörden ließ den Eindruck entstehen, dass dies auch gelingen kann. Die Rönsahler jedenfalls wollen zusammenhalten.

Ortsbürgermeister Horst Becker appellierte nochmals in Richtung der Eltern, die derzeit ihre Mädchen und Jungen zu anderen Schulen schicken, ihre Kinder doch wieder der Servatiusschule anzuvertrauen. Diese sei sehr gut ausgestattet und habe ein engagiertes Kollegium, das die individuelle Förderung der Schüler ganz großschreibe, wie Anke Herzig als Sprecherin der Elternschaft betonte.

Der Bürgermeister fasste am Ende der Versammlung kurz die Ergebnisse der Diskussion zusammen: „Ich nehme mit, dass die Stadt mit absoluter Priorität versuchen soll, die Schule zu erhalten“, stellte er fest und kündigte an, dass in dieser Richtung auch alles unternommen werde. Konkrete Vorschläge dazu, was passieren soll, gab es ebenfalls: So kommt aus dem Elterninitiative-Kindergarten Regenbogen die Initiative, in das Schulgebäude umzuziehen, um eine stärkere Kooperation zu ermöglichen und Synergien zu erzielen. Für den Kindergarten böte sich die Chance, auch eine Betreuuung für unter Dreijährige anzubieten, denn von den Kiersper Einrichtungen ist er der einzige, der aus räumlichen Gründen dies bislang noch nicht kann. Für die Schule könnte durch die verstärkte Zusammenarbeit die Betreuung weiter in den Nachmittagsbereich ausgedehnt werden, was bislang aus Sicht einiger Eltern ein Defizit war. Darüber hinaus will der Förderverein der Schule schon kurzfristig probieren, das Nachmittagsangebot zumindest an einigen Tagen auszuweiten.

Konflikte zwischen

Eltern und Schulleitung

Nachdem in der Versammlung deutlich geworden war, dass unbearbeitete Konflikte zwischen einer größeren Zahl von baptistischen Eltern und der Schulleitung dazu geführt haben, dass diese ihre Kinder nach Ohl geschickt haben, versprach Emde, noch einmal zwischen beiden Seiten vermitteln zu wollen, um so vielleicht zum Ausräumen der Probleme beizutragen. „Außerdem will die Elternschaft den Schulstandort in den Kiersper Außenbereichen publik machen, um Kinder von dort an die Servatiusschule zu holen“, so der Bürgermeister. Er wird in einem halben Jahr zu einer zweiten Bürgerversammlung einberufen, um dann ein Fazit der Bemühungen zu ziehen.

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