Die Coronas aus Kierspe

Leben mit dem Nachnamen Corona: „Ich liebe meinen Namen immer noch“

Sie heißen so wie das Virus: Katharina und Gioni Corona erleben das Corona-Jahr als Ausnahmesituation.
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Sie heißen so wie das Virus: Katharina und Gioni Corona erleben das Corona-Jahr als Ausnahmesituation.

„Ich liebe meinen Namen immer noch“, sagt der, dessen Nachname seit einem Jahr in aller Munde ist. Früher, erzählt Gioni Corona, gab es höchstens mal Sprüche wegen dem Bier. „Jetzt ist es das Virus.“ Wie Familie Corona die Corona-Zeit erlebt? Seit Monaten ist es auch für Katharina und Gioni Corona eine Ausnahmesituation.

Kierspe – Kurzarbeit oder Homeoffice – für Katharina Corona ist beides kein Thema. Die 28-Jährige ist stellvertretende Leiterin des Sozialdienstes der Kiersper Seniorenresidenz, erlebt hier die Auswirkungen der Pandemie auch beruflich Tag für Tag. „Man hat einfach immer ein Bewusstsein für die Bewohner“, sagt sie. „Sie sind es nicht, die rausgehen. Daher müssen alle anderen Acht geben, um sie als Risikopatienten so gut wie möglich zu schützen.“ In den Seniorenheimen sei in den vergangenen Monaten alles getan worden, um die Älteren zu schützen. „Grundsätzlich sollten alle in der Gesellschaft aufeinander Rücksicht nehmen“, meint Katharina Corona. Ob sie im vergangenen Jahr Angst gehabt habe, sich selbst oder diejenigen, für die sie verantwortlich ist, anzustecken? Die Kiersperin schüttelt den Kopf: „Nein, wenn man jeden Tag mit Angst zur Arbeit gehen würde, bräuchte man diesen Beruf gar nicht ausüben“, steht für sie fest.

Zwei berufliche Extreme

Verantwortungsvoll zu sein, darauf komme es an. Das gilt für auch fürs Privatleben. „Selbst bei den Einkäufen nutzen wir den Abholservice, damit wir so wenig wie möglich in Geschäfte müssen.“ Dabei gehe es auch um den Schutz der eigenen Familie. Abstand schützt, doch es ist auch schwierig. Die Uroma habe ihr vierjähriger Sohn das letzte Mal vor Weihnachten gesehen, erzählt Katharina Corona. „Diego fragt immer, wann wir wieder zu ihr fahren.“

Katharina Coronas Beruf ist systemrelevant, ihr Ehemann erlebte dagegen beruflich ein anderes Extrem. Für den Friseur bedeutete der Lockdown Vollbremsung. Dabei machte sich Gioni Corona erst im September zusammen mit seinem Kollegen selbstständig und eröffnete in Gummersbach den eigenen Salon. Genau das ist nun sein Problem. „Wir bekommen dadurch keinerlei Unterstützung“, berichtet der 51-Jährige und ist darüber verärgert und enttäuscht zugleich. „Man fühlt sich einfach allein gelassen.“ Dass es noch einmal wie im Frühjahr zu einem Berufsstopp auch für seine Branche kommen könnte, damit habe er im Herbst schon gerechnet. „Aber wir haben nicht gewusst, dass wir keine Hilfen bekommen.“ Bis zuletzt habe er gehofft, dann habe es Anfang Februar, als das Überbrückungsgeld endlich beantragt werden konnte, geheißen, dass es für Neu-Unternehmen keine Möglichkeiten geben würde. Zehn Wochen mit laufenden geschäftlichen und privaten Kosten, das sei hart. „Da sitzt man schnell auf der Straße“, beschreibt er sein Gefühl. Dass dem nicht so sei, sei auch dem Vermieter seines Salons zu verdanken, der auf seine Mieteinnahmen verzichte. „Er ist derjenige, der uns beisteht. Ein großartiger Mensch“, ist der Friseurmeister dankbar. Von seinen Kunden habe er ebenfalls viele aufmunternde Rückmeldungen erhalten. „Und am 1. März geht es jetzt für uns zum Glück wieder los. Da werden wir viele Haare schneiden.“ Mit der Situation hadern, das ist nicht sein Ding. „Wir werden arbeiten und für die Kunden und für uns für größtmögliche Sicherheit sorgen.“ Etwas habe er in den vergangenen Wochen gelernt, resümiert der Kiersper. Er werde sich vorbereiten, sollte es noch einmal zu einer ähnlichen Situation für seinen Betrieb kommen. „Man kann sich eigentlich nur selbst helfen“, lautet seine bittere Erfahrung.

Wunsch nach Unbeschwertheit

Dass das Virus sich nicht so schnell verflüchtigen wird, ist auch seiner Frau bewusst. Trotzdem hofft Katharina Corona, dass durch die Impfungen die Risiken verringert werden. Auch für ihren Sohn wünscht sie sich Unbeschwertheit. Die Kinder seien am meisten gestraft durch die Pandemie. „Im Kindergarten sind es die Freunde, die in der anderen Gruppe sind und mit denen man nicht spielen kann. Und zuhause kommen die Fragen, wann wieder ein Freund zum Spielen kommen darf.“ Ihr Sohn wolle oft wissen: „Wann ist das Virus endlich weg.“

Gioni und Katharina Corona wissen, dass die Corona-Zeit noch längst nicht vorbei ist, ebenso wenig wie die Erfahrungen, die sie mit ihrem Nachnamen machen werden. „Am Schaufenster des Salons haben ihn manche für einen Werbegag gehalten.“ Nicht immer sind die Reaktionen jedoch positiv. Am Telefon seien Gesprächspartner auch schon verbal ausfallend geworden, weil sie es für einen schlechten Scherz hielten, als sie sich gemeldet habe, berichtet Katharina Corona. „Andere entschuldigen sich, wenn sie nachfragen, ob man wirklich so heißt.“ Das „Highlight“ erlebte die 28-Jährige beim Kindersitzkauf. „Am Telefon wurde mir gesagt, dass ich persönlich vorbei kommen sollte, am Telefon würden sie die Bestellung nicht entgegennehmen, weil sie mir den Namen nicht glauben würden. Als ich dann da war, musste ich mich sogar ausweisen.“

Der Name Corona ist in Italien nicht ungewöhnlich

In seiner Heimat Italien sei der Name hingegen überhaupt nicht ungewöhnlich, so Gioni Corona. Das letzte Mal hat er seine Familie auf Sardinien vor eineinhalb Jahren gesehen. Wann er das nächste Mal dorthin reisen wird, hängt auch von dem Virus ab, das seinen Namen trägt.

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