„Zusammenhalt in der Gruppe ist außergewöhnlich“

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Der Kontakt zu den anderen Wehrleuten ist Carina Wever wichtig. Den hält sie auch außerhalb der Dienstzeiten.

Kierspe - Die Feuerwehr in Vollme hat massive Nachwuchssorgen. Durch Wegzüge und das hohe Alter von Wehrleuten nimmt die Stärke der Löschgruppe drastisch ab. Doch die verbleibenden Kräfte sind von ihrer Aufgabe überzeugt und berichten begeistert von ihrem Dienst in der Einheit.

Von Johannes Becker

„Hier sind meine Freunde, hier möchte ich meine Ausbildung machen und hier möchte ich auch gerne wohnen“, ein klares Bekenntnis zum Volmetal, zur Stadt Kierspe und vor allem zur Löschgruppe Vollme. Abgegeben von Carina Wever, die seit vier Jahren der Kiersper Wehr angehört. Das erste Jahr noch in der Jugendfeuerwehr, kurz vor ihrem 18. Geburtstag dann der Wechsel in die Löschgruppe. Heute, noch keine 21 Jahre alt, kann sie sich nicht mehr vorstellen, nicht mehr in der Wehr zu sein. Dass sie in Kierspe ihren Dienstort hat, ist aber alles andere als normal. Denn die junge Frau wohnt in Lüdenscheid.

Über eine Freundin bekam sie Kontakt zur Kiersper Jugendfeuerwehr. Und mit dem Einverständnis des Wehrleiters konnte sie dann in die Vollmer Einheit wechseln, in der zu dieser Zeit noch ihr Onkel, ihre Cousine und ihr Vetter Dienst taten.

Schnell fand sie in der Einheit gute Freunde, „und das nicht nur in dieser Löschgruppe, sondern auch unter den Wehrleuten aus Neuenhaus, die zum gleichen Zug gehören.“

Im Einsatzfall geht es dann meist nicht zum Gerätehaus, sondern gleich zur Einsatzstelle. Aus diesem Grund findet sich die Dienstkleidung auch im Kofferraum.

Flexibilität ist mittlerweile unerlässlich

„Wir brauchen auch noch Leute nach 20 Minuten“, erklärt Gruppenführer Karsten Gembruch. Grundsätzlich würde er natürlich gerne in großer Zahl unmittelbar nach der Alarmierung vom Gerätehaus abfahren. Doch Flexibilität ist mittlerweile auch bei der Wehr unerlässlich, vor allem wenn es um Helfer wie Carina Wever geht, der an der „Feuerwehr einfach alles gefällt“ und die vor allem den Zusammenhalt in der Gruppe genießt: „Als ich vor ein paar Tagen zum Facharzt musste und kein Auto hatte, war sofort ein Kamerad da, der mich gefahren hat.“

Die Atmosphäre in der Gruppe empfindet die 20-Jährige als angenehm: „Es gibt auf jede Frage eine vernünftige Antwort und Probleme können jederzeit offen angesprochen werden.“

Schreckt auch nicht vor schwerem Gerät zurück: Marco Gebauer gehört der Löschgruppe seit zwei Jahren an.

Den Zusammenhalt in der Gruppe genießt auch Marco Gebauer. Der Kiersper ist in die Feuerwehr in einem Alter eingetreten, an dem manche überlegen, ob sie aus familiären Gründen austreten. Mit 36 Jahren ist Gebauer nach Vollme gezogen – und von seinem Nachbarn, einem begeisterten Wehrmann, angesprochen und letztlich auch geworben worden. Nach dem Grundlehrgang gehört er nun zur Stammbesatzung, auch wenn der Atemschutzlehrgang noch fehlt.

„Ich finde es einfach klasse, anderen Menschen helfen zu können“, beschreibt er seine Motivation, jeden Mittwoch zum Gerätehaus zu gehen und auch an rund zehn Sonntagvormittagen gemeinsam mit der Gruppe aus Neuenhaus zu üben. Doch die Hilfsbereitschaft in der Gruppe ist für ihn auch ein Grund, und auf jeden Fall „außergewöhnlich“. Dazu kommen dann noch die „Freizeitelemente“ wie das gemeinsame Fußballschauen, die Wanderungen oder auch der Frühstücksbrunch, zu dem die Wehrleute mit ihren Familien gehen. Eine Auflösung der Gruppe ist für ihn unvorstellbar, genau wie für Carina Wever, die „unglaublich traurig“ über eine solche Entscheidung wäre.

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