Meilensteine der Regionalforschung

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Nur wenige Zuhörer waren zum Vortrag gekommen, aber die hatten gutes Hintergrundwissen und stellten viele Fragen.

Kierspe - Am 13. April wäre Manfred Sönnecken 90 Jahre alt geworden. Für den Heimatverein war dieses Datum ein Anlass, im Rahmen seiner Vortragsreihe „Werkstatt Geschichte“ an Meilensteine der Kiersper Regionalforschung zu erinnern. Die Erforschung der Eisenverhüttung im märkischen Sauerland ist untrennbar mit seinem Namen verbunden.

Hans Ludwig Knau konnte sich gut erinnern, war er doch selber bei diesen gleichermaßen schweißtreibenden wie ertragreichen Forschungen dabei.

In seinem Vortrag ging er weit zurück bis ins Mittelalter. Eisenverhüttung hatte es im Sauerland nämlich „schon immer“ gegeben, bis ungefähr 1300 wurde sie mithilfe von Rennöfen betrieben – kleine, aus Lehm gebaute Öfen, die mit Holzkohle befeuert wurden. Die dazu benötigten Rohstoffe Eisenerz und Holz als Brennstoff waren reichlich vorhanden. Die Ausbeute hingegen war gering, sechs bis acht Kilo Eisen wurden in einem 12-stündigen Verhüttungsvorgang gewonnen. „Eisen war ein kostbares Gut,“ kommentierte Knau den damaligen Stand der Technik.

Man muss sich das mittelalterliche Sauerland wohl als Industrierevier vorstellen. Überall brannten die Rennfeuer. „Sönnecken hat jahrelang die Wälder abgelaufen,“ berichtete Knau, 1900 Rennöfen habe er in dieser Zeit kartografiert. Der Begriff „Rennofen“ kommt übrigens von „rinnen“. Die Schlacke rann in eine Herdgrube, während das teigige Eisen im Ofen blieb. Die so entstandenen Schlackehalden wiesen den Archäologen den Weg. Ihr Eisengehalt war immer noch hoch, bis zum Zweiten Weltkrieg seien sie deshalb ein begehrter Rohstoff gewesen.

Den technischen Fortschritt in Form von Floßöfen entdeckten Sönnecken und seine Mitstreiter 1967 bei Grabungen in der Nähe von Haus Rhade und später im Bereich der Jubachtalsperre. Die Floßöfen hatten jetzt weitaus größere Dimensionen als die kleinen Rennöfen, das gewonnene Roheisen wurde an Ort und Stelle weiterverarbeitet. Bei ihrer Anlage wurde die Topografie ausgenutzt, der Ofen im Jubachbereich war in den Hang eingebaut.

Auf diese Fundstelle waren die Heimatforscher eher zufällig gestoßen. Die Jubachtalsperre lag 1992 wegen Reparaturarbeiten an der Mauer trocken und auch der Schlamm auf dem Grund war entfernt worden. So kamen Mauerreste zum Vorschein, an denen Sönnecken, zu dessen Berufsvoraussetzungen die Neugier gehörte, nicht vorbeigehen konnte. Mit tatkräftiger Hilfe von Mitgliedern des Heimatvereins und einem zufällig anwesenden Baggerfahrer der Firma Kriesten grub er innerhalb von zwei Wochen die Fundamente eines Floßofens von beeindruckender Größe aus. Immer dabei waren Hans Ludwig Knau und Rainer Potycka, der diese und andere Fundstellen fotografisch dokumentierte.

Manfred Sönnecken starb 2003, aber die Ausgrabungen sind noch nicht abgeschlossen. Denn der Floßofen in der Jubach konnte nicht abschließend untersucht werden. Dazu reichte die Zeit nicht, die Talsperre wurde wieder geflutet. Um weiterzugraben müsste das Wasser erneut abgelassen werden.

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