Das Toilettengebäude steht noch

+
Der Ratssaal war am Mittwochabend voll besetzt.

Kierspe - Alles Schrievers, zumindest gefühlt. Und wer von den zahlreichen Zuhörern bei der Werkstatt Geschichte nicht Schriever hieß, der hieß Kattwinkel, Voswinkel, Crone oder Vormann.

Die Namen kamen im Vortrag von Hans Ludwig Knau immer wieder vor: So hießen die Soldaten, die „für Volk und Vaterland“ in den Ersten Weltkrieg zogen. Nicht alle kamen zurück.

Auf Wilhelmine Schriever bezog sich auch der älteste Hinweis in der Schulchronik. Wilhelmine war eine gute Schülerin, ihr Lehrer sichtlich angetan von ihren Leistungen. Das war im Jahr 1825; die Schulchronik der alten Schule in Hinterste Vornberg ist eine wichtige Quelle für den neuen Band der Werkstatt Geschichte. Er soll die Höfe des Hintersten und Vordersten Vornberg umfassen und – auf Vorschlag von Hans Ludwig Knau - auch Immelscheid und Schleipe einbeziehen.

Die Vorarbeiten dazu stellten Hans Ludwig Knau und Marlen Vedder bei einem Vortrag im Ratssaal vor. Zurzeit ist Marlen Vedder damit beschäftigt, die einzelnen Häuser auf dem Vornberg zu fotografieren und mit den alten Unterlagen abzugleichen. Dabei ist sie natürlich auf das Einverständnis der Bewohner angewiesen, die – auch dies ein gefühlter Eindruck – nahezu geschlossen ins Rathaus gekommen waren.

Einen historischen Abriss über den Griesing gab Hans Ludwig Knau. Der Bergrücken ist Teil des Ebbegebirges und steht – grob gesagt - für die Region, zu der auch der Vornberg gehört. Im Mittelalter war das ein hoch attraktives Wirtschaftsgebiet, denn hier gab es Eisenerz und Holz, zwei Rohstoffe zur Eisenproduktion. Der Erzbischof von Köln sicherte sich deshalb den Ebbewald in einem Vertrag von 1248 für eine damals horrende Summe.

Im 19. Jahrhundert hatten die Bauern andere Sorgen. Die Wege durch den Wald waren mühselig und zeitraubend. Als deshalb, wiederum Jahrzehnte später, die heutige B 54 von Schleipe nach Grünenbaum gebaut wurde, feierte die Schulchronik das als „Anschluss an die Welt“. Die Schüler mussten aber weiterhin zu Fuß gehen. Der Weg war weit, sogar von Windfuhr aus gingen sie zur Schule am Hintersten Vornberg. Allerdings war der Schulbesuch wohl eher unregelmäßig. Im Sommer seien im Durchschnitt nur sieben bis acht Schüler gekommen, berichtet die Chronik.

Von der Schule steht heute nur noch das Toilettengebäude. Das würde sicher nur zu besonderen Gelegenheiten benutzt, spotteten einige Zuhörer. Marlen Vedder hofft jetzt auf weiteres Bildmaterial, Fotos, Karten, Grundrisse. Auch die bereits vorhandenen Gruppenfotos wollen erschlossen werden. Den ein oder anderen Hinweis gab es dazu schon beim Vortrag.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare