Volme-Höhenweg: Über Traumpfade, durch Wildnis und über Asphalt

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Oberhalb der Schnörrenbach auf Meinerzhagener Stadtgebiet kann man den Weg nur erahnen. Durch dieses hohe Gras ist wohl schon länger kein Wanderer mehr gegangen. Die schmale Spur stammt von einem Fahrrad.

Volmetal – Rund 30 Kilometer liegen vor dem Wanderer, der von Meinerzhagen nach Schalksmühle über den X20 gehen möchte.

Bislang ist das der einzige Wanderweg, der die vier Volmetalkommunen miteinander verbindet. Ob es einmal einen weiteren Weg geben wird, hängt auch von Ralf Thebrath, dem Freizeit- und Naherholungsbeauftragten der Oben-an-der-Volme-Region ab – und von dem, was er gemeinsam mit MZ-Redakteur Johannes Becker auf diesem Weg erlebt. Schnell war klar: Nicht zu Fuß, sondern mit dem Elektro-Mountainbike sollte es auf die Strecke gehen. Dass das bei diesem Weg nicht immer die beste Entscheidung ist, zeigt sich bereits kurz nach dem Start. Das Wegezeichen oberhalb der Schnörrenbach ist eindeutig – hier geht’s nach rechts. Nur: Es gibt keinen Weg. Hüfthohes Gras wächst da, wo nach Ansicht des SGV der Wanderer gehen soll. Gleich zu Anfang fällt auf, dass der Weg vor nicht allzu langer Zeit neue Markierungen bekommen hat, die aber manchmal so versteckt sind, dass man sie suchen muss.

Klar, der SGV wird in erster Linie von Ehrenamtlern getragen, von denen viele schon etliche Jahre hinter sich haben. Doch bei einem Hauptwanderweg, also quasi einer Autobahn der Wanderer, hätte man doch erwarten können, dass die Wege zumindest so weit freigeschnitten würden, dass man sie als solche auch erkennen kann. Bis nach Kierspe beherrschen ungepflegte Pfade und Wurffelder, die durchquert werden müssen, das Bild. Praktisch: Der Weg führt die Wanderer zu den Bahnhöfen Meinerzhagen, Kierspe und Schalksmühle. Dafür müssen die Fußgänger aber einen hohen Preis zahlen: immer wieder führt der Wanderweg über Anliegerstraßen. Meter für Meter geht es über harten Asphalt.

Lichte Wälder, schmale Pfade und eine natürliche Bachquerung: Auch solche Höhepunkt hat der Weg zu bieten.

Am Ende der Straße Hammerkamp in Kierspe gibt es dafür eine echte Entschädigung. Ein traumhafter Pfad, abwechslungsreich, schmal und mit einigen Wurzeln. Da läuft es sich einfach gut, das Auge freut sich an den Biegungen und dem Bewuchs. Ansonsten geizt der Weg, der doch ein Höhenweg sein soll, mit Aussichten; wenn es sie aber gibt, sind sie wirklich spektakulär.

Normalerweise hat das „Haus Berkenbaum“, das auf dem Weg liegt und eine der wenigen Einkehrmöglichkeiten darstellt, mittags während der Woche geschlossen. Doch die Eigentümerfamilie macht eine Ausnahme und serviert Kaffee. Infos gibt’s auch noch. So kann sich Renate Funke gerade einmal an eine Wanderin erinnern, die ihr erzählte, dass sie auf dem Weg unterwegs sei – und zwar auf der gesamten Länge von Witten bis Olpe, insgesamt also ziemlich genau 99 Kilometer.

Hinter Berkenbaum geht’s dann wieder über Asphalt zum Haus Rhade. Doch hinter dem Rittergut wird’s traumhaft. Durch blühende Wiesen zieht sich ein Pfad – eine Wohltat für Füße und Augen.

Nur an wenigen Stellen macht der Name Höhenweg seinem Namen alle Ehre und gibt tolle Blicke frei – hier auf Kierspe.

Unterwegs nach Halver kommt der Wanderer durch zwei Tunnelbauwerke, über denen heute Draisinen die Schienen der alten Schleifkottenbahn nutzen. Ein paar Meter weiter könnte man in Ehringhausen einen kleinen Abstecher zum Hofladen Wolf machen und sich mit frischen Bioprodukten stärken, jedenfalls dann, wenn man montags bis freitags zwischen 15 und 18 Uhr oder samstags zwischen 10 und 13 Uhr dort vorbeikommt.

Direkt in Ehringhausen beginnt dann ein extrem steiler Anstieg durch die Hangwiesen. Erreicht man den Wald, beginnt wieder einer dieser Traumpfade, die man gar nicht mehr verlassen möchte. Später geht dieser dann in einen klassischen Wirtschaftsweg über, den man in Ostendorf verlassen muss, um sich zu ärgern, dass man den Weg noch bis Schalksmühle gewählt hat. Denn ab dem Schulzentrum geht’s nur noch über Asphalt bis nach Schalksmühle. Dann folgt noch ein bisschen Wald mit Wirtschaftswegen und viel Schotter als Belag.

Manchmal hilft nur noch der Blick in die Karte, die Ralf Thebrath zum Glück mitführt.

Die letzten Meter führen dann steil bergab, allerdings mit einem tollen Blick ins enge Tal der kleinen Gemeinde. Am Bahnhof endet für den Wanderer der Weg, denn er kann sich in den Zug setzen, wenn er sich ein Ticket für 5,60 Euro gekauft hat – für die wenigen Kilometer bis Meinerzhagen. Oder besser gesagt, er könnte sich in den Zug setzen, wenn dieser denn fahren würde. Auf großen Transparenten informiert die DB, dass noch bis September ein Schienenersatzverkehr besteht, da Baustellen eine Bahnfahrt unmöglich machen.

Für Radfahrer bedeutet das: Der nächste Einstieg in den Zug befindet sich in Brügge. Und mangels Radweg bleiben nur zwei Optionen – entweder über die Bundesstraße oder durch den Wald. Wir entscheiden uns für den Wald und damit für den Hauptwanderweg X6. Der Preis bleibt übrigens gleich, aber fürs Fahrrad werden noch einmal 3,30 Euro fällig.

Fazit

Markierung: Die Schilder wurden erneuert, allerdings hat die Kennzeichnung nichts mit dem zu tun, was man von modernen Wanderwegen wie dem Rothaar- oder Rheinsteig gewohnt ist. An einigen Stellen wird die Wegfindung zum echten Suchspiel. Weg: zu abwechslungsreich für ein kurzes Urteil. Die traumhaften Pfade entsprechen ziemlich genau dem, was Wanderer nach Umfragen wünschen. Doch der viele Asphalt und Schotter machen jeden guten Eindruck zunichte. 

Einkehren: Das ist nicht leicht auf dieser Strecke. Das Restaurant, „Haus Berkenbaum“, hat während der Woche mittags nicht geöffnet. Am Wochenende sollte man keinesfalls vorbeigehen, denn sonst findet sich nicht viel auf den rund 30 Kilometern. 

Pausen: An einigen der schönen Aus- und Fernsichten stehen Bänke, grundsätzlich sind diese aber auf der Strecke Mangelware. Und wenn es sie gibt, dann das Modell Wanderer-Einheitsbank, das bereits seit vielen Jahrzehnten Anwendung findet. Moderne Waldsofas oder ergonomisch geformte Bänke sind nicht zu finden – von Vesper-Inseln gar nicht erst zu reden.

Der Volme-Höhenweg X20

Der Volme-Höhenweg ist ein 99 Kilometer langer Wanderweg des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV). Er führt von Witten über Wetter (Ruhr), Hagen-Haspe, Schalksmühle, Halver, Kierspe und Meinerzhagen nach Olpe. Der Wanderweg begleitet von Schalksmühle bis Meinerzhagen die Höhen der Volme. Der Wanderweg fällt in die Kategorie der Hauptwanderstrecken des SGV und besitzt wie auch alle anderen Hauptwanderstrecken als Wegzeichen das weiße Andreaskreuz X, an Kreuzungspunkten um die Zahl 20 erweitert. Übrigens: die namensgebende Volme sieht man zwar immer wieder, ihre Quelle bleibt dem Wanderer verborgen. Auf dem Parkplatz Schallershaus ist man ihr zwar nahe, aber der Weg geht nicht mal in ihre Richtung.

Wandern im Volmetal

Welche Rolle spielt das Wandern für die Oben-an-der-Volme-Region? Der Freizeit- und Tourismusmanager Ralf Thebrath sagt: eine große. Angenommen haben sich die Kommunen des Themas mit den „Volmeschätzen“. Dabei handelt es sich um Themenwege, die dem Anspruch des heutigen Wanderers an Wegeführung, Auszeichnung und Rastmöglichkeiten entsprechen sollen. Gleichzeitig sollen sie regionale Besonderheiten und Themen aufgreifen. Zum Teil, so Thebrath will man dabei auf vorhandene Wanderwege zurückgreifen, aber auch Wege neu miteinander verbinden. Bis es einen neuen modernen Wanderweg gibt, der die Volmetalkommunen miteinander verbindet, wird es wohl noch dauern. Bis dahin bleibt der X20 die einzige Möglichkeit, mit einem Wegzeichen durch alle vier Kommunen zu kommen.

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