Weltenbummler paddelt von der Kerspe zum Rhein

Wie einst über den Mitchell-River in Australien, will Korte bald von Rönsahl nach Leverkusen paddeln.

KIERSPE ▪ Im Sommer zwei Wochen ans Mittelmeer, dazu ein Städtetrip – fertig sind die Reisepläne für Normalsterbliche. Nicht so für Reinhold Korte: Der 63-Jährige ist Globetrotter und plant nun von der Kerspe zum Rhein zu paddeln. Nebenbei steht die Renovierung eines Erbstücks in Mittel-Heukelbach an, eines Bauernhauses aus dem Jahr 1698.

Korte sitzt Pfeife rauchend in einem abgewetzten Sessel, einem Geschenk freundlich gestimmter Nachbarn. Auch die Kommode ist mindestens aus zweiter Hand. Den riesigen Fernseher überließ ihm die Wirtin der Rönsahler Stuben. Komfort ist Reinhold Korte nicht wichtig. Weder auf Reisen noch daheim.

Bauernhaus ist Erbstück vom Onkel

In dem Bauernhaus, das Korte vor vier Jahren von seinem Onkel erbte und kurzerhand zum Hauptwohnsitz erklärte, gibt es viel zu tun. Dass es vor mehr als 300 Jahren aus Holz, Stroh und Kuhmist gebaut wurde, ist deutlich zu erkennen. Im dank Holzofen einzig beheizbaren Raum fehlt teilweise der Putz. Die Wandkonstruktion liegt offen, wo nicht eine riesige Weltkarte als Tapetenersatz dient. Doch das Verspachteln der Wände verschiebt Korte, hinter den Einbau eines kleinen Bades. Mehr jedoch noch hinter seine neuesten Reisepläne: Die Vorbereitung einer Kanutour über den Mekong, einen großen Strom in Südostasien, kostet viel Zeit.

Und dann gibt es ja auch noch die Idee, von der Kerspestaumauer bis zum Rhein zu paddeln. Im Frühsommer soll es so weit sein. „Etwas verrückt ist das vielleicht schon“, gibt Korte offen zu. Dass er sein Boot auf dem ersten Abschnitt in knietiefem Wasser vermutlich ziehen muss, sei ihm bewusst. Mehr als ein schmaler Bach sei die Kerspe zu Beginn schließlich nicht. Ein weiteres Abenteuer verspricht er sich davon dennoch.

Rund 100 Kilometer über die Wupper

„Ich werde ab und zu im Gebüsch stecken bleiben, aber so etwas ist für mich Routine“, erklärt der erfahrene Paddler. Während der mehr als 100 Kilometer langen Fahrt über Wipper und Wupper müsse er Kanu und Campingausrüstung an etlichen Wehren vorbei tragen. Und Wuppertal erst, das sei ein Fall für sich: „Ich muss vor Beyenburg übernachten und kann dann erst wieder hinter Vohwinkel zelten.“ Unter der Schwebebahn, mitten im Stadtgebiet, lasse sich schlecht campieren. Landschaftlich reizt Korte vor allem das Bergland hinter Wuppertal bis kurz vor der Mündung in den Rhein in Leverkusen.

Erste Reise über die Donau vom Schwarzwald bis zur Schwarzmeerküste

Trotz arbeitsreichem Eigenheim in Rönsahl, Frau und zwei Söhnen in Neuss und mehr als 40 Jahren Wanderschaft in den Knochen, steht Sesshaftigkeit für den 63-Jährigen noch lange nicht an. Der menschliche Wandertrieb habe sich bei ihm schon in Jugendtagen stark ausgeprägt. Seit seiner ersten Reise, einer 3000-Kilometer-Tour auf der Donau vom Schwarzwald bis zum Schwarzmeer, sei stets mehr die Unternehmung an sich wichtiger gewesen, als irgend ein Ziel zu erreichen. Ausgestattet mit jeder Menge Neugier auf Unbekanntes und Fremdartiges erkundete er alle fünf Kontinente.

Begegnung mit Kopfjägern auf Borneo

Zu seinen aufregendsten Erlebnissen zählt Korte bislang die Begegnungen mit Kopfjägern auf Borneo. Mitte der 1980er Jahre bereiste er die Insel im indonesischen Archipel und traf dort auch auf das Naturvolk. „Skelettierte Köpfe der letzten kriegerischen Auseinandersetzung hingen unter den Hüttendächern“, erinnert sich der Weltenbummler. Gefährlich hätten die Männer ausgesehen. Doch dank Dolmetscher als Begleitung, habe er nicht viel zu befürchten gehabt: „Sobald die erste Begegnung gelingt, ist man bei den Kopfjägern sicherer aufgehoben, als nachts in der Frankfurter Innenstadt“, stellt Korte fest.

Eine Partnerin, die diesen Lebensstil mit trägt, fand der Globetrotter im australischen Outback. Nach Jahrzehnten als Rucksackreisender heiratete Korte seine Margret direkt in Queensland. Nach der Hochzeitsreise, die in Gesellschaft von Krokodilen auf dem reißenden Mitchell-River stattfand, zog das Paar nach Neuss. Doch anstelle eines bürgerlichen Lebens galt es fortan weiter, jeweils Geld für die nächste Reise zu erarbeiten. Die beiden Söhne, heute 18 und 16 Jahre alt, wuchsen mit ihren reiselustigen Eltern zwischen Zelt und Lagerfeuer auf.

Unternehmen für Individualreisen

Vor 20 Jahren gründete Reinhold Korte ein kleines Unternehmen für Individualreisen. Kleine Reisegruppen ließ er an seinem ungewöhnlichen Leben teilhaben. „Doch Individualreisen sind nicht mehr das, was sie früher einmal waren“, erläutert Korte. Übernachtungen in einer schlichten Kote und einfachste Nahrungszubereitung seien heute weniger gefragt. Mittlerweile berät der Kenner Interessierte bei ihren Reisevorbereitungen – angepasst an die persönlichen Bedürfnisse. Außerdem hält er Diavorträge, schreibt Artikel für Reisemagazine oder fährt aushilfsweise Lastwagen.

Aushilfsfahrer für Speditionen

Dass dabei auch jede Menge passieren kann, zeigte sich noch kürzlich. Nicht in der Ferne, sondern direkt in Rönsahl: Im Februar, mitten im größten Schneechaos, hatte Korte Waren in Radevormwald abzuladen. Um seinen vergessenen Führerschein zu holen, unternahm der Aushilfsfahrer einen Abstecher nach Rönsahl. „Ich konnte mich durchkämpfen, aber mitten im Ort blieb ich dann stecken“, erinnert sich Korte. Die Feuerwehr musste den Lkw freischleppen. Korte stapfte derweil zu seinem Bauernhaus und holte den Führerschein: „Wegen der enormen Schneeverwehungen benötigte ich mehr als eine Stunde.“

Korte geht die Strecke sonst während seiner Aufenthalte in Mittel-Heukelbach mehrmals wöchentlich zum Einkaufen. „Die Krise trifft aber mittlerweile auch das Speditionsgewerbe. Aufträge für Aushilfen werden seltener und daher habe ich weniger Geld für Lebensmittel“, folgert Korte. Ansonsten fühle er sich uneingeschränkt wohl im Dorf an der rheinisch-westfälischen Grenze. Er sei froh darüber, dass er die Großstadt am Rhein hinter sich lassen konnte. ▪ Pia Käfer

Link: http://www.kanu-touren-weltweit.de

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