Zustand des Waldes ist bedenklich

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Die Schäden im heimischen Wald sind an vielen Stellen sehr gut sichtbar.

Kierspe - Wer mit offenen Augen durch den Wald geht, kann es kaum glauben. Der Zustand der Fichten verschlechtert sich, die Buchen sehen aus wie im Herbst und die Eichen werfen ihre Blätter ab. Nicht nur der Spaziergänger schaut sorgenvoll in den Wald, sondern auch der Fachmann.

Der Regen der vergangenen Tage hat zwar zu einer Abkühlung geführt, doch retten können die paar Liter Wasser letztlich den Wald nicht. „Da brauchen wir schon einen Landregen von mehreren Wochen“, ist sich Förster Uwe Treff sicher. Dann könnten sich die Fichten auch noch einmal kräftigen.

Doch auch dieser Regen wird ein anderes Problem nicht so schnell beheben. Denn nach Angaben der Forstfachleute ist der Grundwasserspiegel aufgrund der Trockenheit im vergangenen Jahr dramatisch abgesunken und verhindert so, dass die Bäume an Nahrung und Wasser kommen. Treff: „Im Moment beobachten wir ein massives Buchensterben in Ostwestfalen und Teilen des Ruhrgebiets.“

Auch im Sauerland sind die Buchen, aber auch die Eichen massiv geschädigt. Doch dort ist nicht die Trockenheit alleinig ausschlaggebend. „In tiefen Lagen bis in mittlere Hochlagen hat es starke Frostschäden gegeben, die die Buchen auch nicht ausgleichen können. Wenn jetzt noch eine anhaltende Trockenheit hinzukommt, dann können die Buchen grau werden“, sagt der Kiersper Förster, der aber auch hier die Trockenheit in den tieferen Bodenschichten bemängelt: „Der Keller ist trocken.“

Probleme sieht er auch bei vielen Eichen, die zwar mit einem zusätzlichen Trieb auf den Frost reagieren können, aber dafür in diesem Jahr massiv vom Mehltau betroffen sind. Der Pilz stellt normalerweise kein so großes Problem dar und wird im Herbst mit den Blättern abgeworfen. „Allerdings beobachten wir an vielen Stellen, dass die Eichen jetzt schon ihre Blätter abwerfen, ein Vorgang, der normalerweise erst Ende Oktober zu beobachten sein sollte“, erklärt Treff. Die genaue Ursache sei unklar.

Und wo der Fachmann schon mal bei den schlechten Nachrichten ist, berichtet er, dass das Eschentriebsterben unvermindert weitergehe.

Große Sorgen macht dem Förster auch der Zustand der Fichtenwälder. Die lange Trockenheit im vergangenen Jahr hatte dafür gesorgt, dass die Borkenkäfer nahezu ideale Bedingungen vorgefunden hätten. Viele Bäume haben das nicht überlebt und sind schon tot. Doch ein ganz großer Teil ist noch gerade so durchs vergangene Jahr gekommen. Diese Bäume haben einem erneuten Anflug der Borkenkäfer nichts entgegenzusetzen. „Wir beobachten auch schon die ersten neuen Schäden, die von Käfern in diesem Jahr verursacht werden“, so Treff.

Der Borkenkäfer, hier ein Buchdrucker, bereitet auch in diesem Jahr wieder Probleme.


Der Förster berichtet, dass man derzeit noch dabei sei, die Schäden vom vergangenen Jahr aufzuarbeiten. Treff: „Wir haben auch noch Verkaufskontingente, ich glaube aber nicht, dass wir alles, was wir noch aufarbeiten müssen, auch verkaufen können.“ Die Situation mache sich auch beim Holzpreis bemerkbar. Lag der Preis fürs Fichtenstammholz vor gar nicht so langer Zeit bei knapp unter 100 Euro, werden jetzt noch 40 bis 50 Euro für den Festmeter bezahlt.

Die einzige Chance für die schon vorgeschädigten Fichten sieht der Kiersper in dem schon geschilderten lang anhaltenden Regen – „oder in deutlich niedrigeren Temperaturen und viel Wind, diese Bedingungen mögen die Käfer nämlich auch nicht“, sagt Treff.

Eine Stabilisierung des Preises oder gar eine deutliche Verteuerung sieht Treff nicht: „Dazu müssten wir für den Wald ideale Bedingungen über einen langen Zeitraum bekommen. Außerdem dürften keine anderen Probleme dazukommen.“ Doch er ist Realist genug, um nicht wirklich daran zu glauben, dass es für den Rest des Sommers regnerisch, kalt und windig wird, gleichzeitig aber alle Stürme, die Windwurf verursachen können, ausbleiben. Derzeit befürchtet der heimische Förster eher noch eine Verschlechterung der Situation: „Wenn es warm und trocken bleibt, dann wird es schlimmer als im vergangenen Jahr.“

Die Frage, ob unter solchen Voraussetzungen überhaupt noch frisches Holz geschlagen wird, beantwortet Treff mit einem Kopfschütteln.

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