„Weißkultur“ mehr als nur Farbkreationen

+
Klaus Schulz präsentiert hier die Neuentwicklung „Weißkultur“, zu der auch das „Sauerländer Weiß“ aus Kierspe gehört. ▪

KIERSPE ▪ „Nur ein paar Meter von der Firma entfernt befindet sich an der Buswendeschleife an der Volmestraße der Felsen, aus dem eine kleine Quelle entspringt.

Im Sommer gibt es dort erfrischendes Wasser, im Winter bizarre Eisskulpturen“, erklärt Klaus Schultz der mit seinem Malerbetrieb Schulz und Witt sich erneut im Rahmen des Farbrat-Zusammenschlusses an der Wand 2011 beteiligt hat. Mit einem Hammer ausgerüstet, hat er aus dem Felsen einige kleine Steine gehauen und mit zu dem Treffen genommen. Dort wurden die Steine, die die knapp 30 Mitgliedsunternehmen aus ganz Deutschland sowie auch aus Österreich mitgebracht hatten, zermahlen und daraus die Pigmente gewonnen, die zum Mischen verschiedener Weißtöne verwandt wurden. Aus Kierspe kam die hier typische Grauwacke.

Die Töne scheinen auf den ersten Blick zwar ähnlich zu sein, auf den zweiten offenbaren sich aber die Unterschiede. Verbunden damit ist zudem immer eine außergewöhnliche Oberflächengestaltung. Die Farbrat-Firmen beraten die Kunden dann, welcher Weißton zu ihrer Wohnung am besten passt.

Unter dem Titel „Weißkultur“ wurde die Wand 2011 Anfang des Jahres beim Architektenforum auf der Messe Contract World in Hannover präsentiert. Klaus Schulz hat seinen Farbton „Sauerländer Weiß“ genannt. In einer extra aufgelegten Broschüre können Interessierte sich über das aktuelle Farbrat-Projekt informieren. Anhand der Weißtöne kann darin eine Entdeckungsreise quer durch das ganze Land unternommen werden. Auch andere Betriebe zeigten sich kreativ und nannten ihre Farbtöne „Schwäbisches Juraweiß“, „Kieler Strandweiß“, Usedomer Inselweiß“, „Rieslingweiß“ oder auch „Nordheimer Muschelkalkweiß“, um einmal nur ein paar zu nennen.

„Farbpigmente sind Visitenkarten der Natur. Das gilt für Menschen, aber auch für Landschaften. Der Unterschied liegt in der Zeit: Bis die Identität einer Region ausgearbeitet ist, vergehen Jahrhunderte. Behutsam wird gemacht, was für die Ewigkeit gedacht. Der Farbrat setzt auf das nachhaltige Prinzip der Natur. Weiße Flächen aus Naturerden und Steinen der heimischen Landschaft wirken so weich und belebend wie frisch gefallener Schnee“, erläutert Schulz. Dabei seien die Farben ein sichtbarer Ausdruck für die Kraft der Natur. Im Prozess von Jahrhunderten gebildet, erzählten die Pigmente, wie Landschaften entstehen. Das Gestaltungsprinzip der Natur sei für die Mitgliedsunternehmen das höchste Gut, eines, das sie sich jetzt auch für die Wand 2011 zu eigen gemachten hätten.

Für die Kreation der jeweiligen Farbe hat jeder Betrieb einen für seine Region charakteristischen Stein ausgewählt. In der Schweizer Farbenmanufaktur kt.Color in Uster wurden die gesammelten Steine erst zerstoßen, dann gemahlen und zu Mineralfarben verarbeitet. Klar, dass dabei höchste ökologische Standards erfüllt wurden. „Das Ergebnis war eine einmalige, sehr schöne und harmonische Kollektion heimischer Weißtöne“, so Klaus Schulz.

Ein bisschen nähert sich die Farbrat-Gruppe damit der traditionellen Herstellungsweise an, denn die Vorfahren strichen die Mauern ihrer Häuser mit dem, was sie in der Umgebung fanden. Zumeist mit Kalkfarben, die mit Pigmenten aus Mineralien, Gräsern und organischen Überresten gefärbt wurden. „So erhielt jede Region ihre typische Farbigkeit“, macht Klaus Schulz, der sich bereits seit elf Jahren im Farbrat engagiert, aufmerksam. Er erinnert kurz daran, dass für die Contract World im vergangenen Jahr unterschiedliche schwarze Oberflächen kreiert worden waren. So gebe es immer neue außergewöhnliche Projekte.

Rolf Haase

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare