Weihnachten auf der Polizeiwache

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Polizeidienst an Heiligabend: Marian Kosanke, Jessica Müller und Christopher Eichert (von links) wissen um die Besonderheiten an Weihnachten.

Kierspe - Es sah aus, als ob ein als Weihnachtsmann verkleideter Mann durch ein Fenster einbrechen wollte, erinnert sich Polizeikommissar Christopher Eichert an eine kuriose Geschichte, die er an Heiligabend erlebt hat.

Die Geschichte dieses Polizeieinsatzes an einem 24. Dezember klärte sich schnell auf: Der Mann hatte sich als Weihnachtsmann verkleidet und wollte durch ein Fenster ins Haus gelangen, um die Kinder der Familie zu überraschen – doch er steckte im Fenster fest, kam nicht mehr vor, noch zurück.

Solche Einsätze sind für Polizisten im Spät- oder Nachtdienst an Heiligabend eher selten. Da haben sich die Beamten schon häufiger mal Streitigkeiten zu schlichten, Ruhestörungen zu beseitigen, sich um kleinere Unfälle, besonders beim Parken, und letztlich für Präsenz in den Wohngebieten – besonders während der Gottesdienstzeiten – zu sorgen, um es Einbrecher schwer zu machen. „Denn auch die wissen, wann die Familien nicht Zuhause“, weiß Marian Kosanke. Der Polizeihauptkommissar gehört zu den Beamten, die in den vergangenen Jahren nicht am Heiligabend spät oder gar in der Nacht Dienst schieben mussten, weil er als Familienvater das Weihnachtsfest gerade an Heiligabend im christlichen Sinne mit seinen Kindern, der Familie feiert. Dafür ist Kosanke dann meist aber am 1. oder 2. Weihnachtstag im Einsatz. Er wie auch Eichert und Polizeioberkommissarin Jessica Müller wissen aber, dass der Dienst am 24. Dezember eigentlich ganz normal wie anderen Tagen auch ist.

Jedoch seien die Menschen am Weihnachtsfest sensibler und unter dem Zwang der Familienfeier gebe dann manchmal ein Wort das andere. Es eskaliere zu einem Streit, weil beispielsweise der Hausherr es nicht so gut mit dem Schwiegersohn kann oder weil das geschenkte Kleid einfach zu klein ist. Oft würden sich die Menschen an Heiligabend noch zusammenreißen, doch am 1. oder 2. Weihnachtstag würde es dann zu einem Streit kommen.

„Aber das ist aber ganz unterschiedlich“, verweisen Müller und Kosanke auf die Einsatzberichte für den 24. Dezember der vergangenen beiden Jahre. An Heiligabend 2018 gab es gar keinen Einsatz, lediglich die Präsenz der Polizeistreifen in Kierspe und Meinerzhagen. Im Jahr zuvor waren es acht Einsätze, zu denen die Beamten gerufen wurden. Streit, Einbruch, Verkehrsunfall, Randalierer, Hausfriedensbruch, Häusliche Gewalt, Körperverletzung und Einbruch stehen auf der Liste des Spät- und Nachtdienstes am 24. Dezember 2017.

Natürlich hoffen die Beamten von der Polizeiwache in Meinerzhagen, dass es auch heute Abend und in der Nacht wieder ruhig bleibt, sie lediglich mit ihrer Präsenz dafür sorgen, dass es möglichst nicht zu Einbrüchen kommt. Dann gelingt es dann auch, dass die Beamten gemeinsam ein Abendessen einnehmen können – und dieses nicht kalt wird und wieder aufgewärmt werden muss, weil ein Einsatz ansteht.

Zu den besonderen Tätigkeiten der Polizisten zählen gerade an Weihnachten „seelsorgerische Tätigkeiten“: Einfach einmal am Telefon sich ein wenig Zeit für ein Gespräch nehmen oder auch schon bei dem ein oder anderen vorbeifahren, erzählen Müller, Eichert und Kosanke. Denn die Weihnachtsdepression gibt es gerade bei Alleinstehenden immer wieder mal. „Auch dafür sind wir da!“

Dass die Bürgerinnen und Bürger für den Dienst der Polizei sehr dankbar sind, zeige sich an den Besuchen in der Wache, bei denen dann Geschenke abgegeben werden sollen. „Wir dürfen aber keine Geschenke annehmen“, betont Marian Kosanke, „schließlich werden wir für diesen Dienst bezahlt.“ Das würden manchmal die Menschen nicht verstehen, wenn sie ihr Geschenk wieder mitnehmen müssen. Der Polizeihauptkommissar weist auf eine Möglichkeit, wie die Bürger ihre Dankbarkeit ausdrücken können: durch ein Schreiben.

Im Übrigen wissen die Polizisten nicht nur gleich bei ihrer Einstellung, dass sie auch an Heiligabend, Weihnachten und Silvester beziehungsweise Neujahr arbeiten müssen. Sie haben auch die Möglichkeiten, sich mehr oder weniger auszusuchen, wann sie an diesen Tagen ihren Dienst verrichten. „Wir arbeiten in einem Poolbetrieb“, erklärt Marian Kosanke. Das bedeutet, es hängen Listen aus, in denen sich die Mitglieder der Wache eintragen können, wann sie arbeiten.

Familienväter oder -mütter würden meist nicht im Spät- oder Nachtdienst am 24. Dezember arbeiten, das würden dann jüngere Kollegen übernehmen, bei denen die eigene Familienplanung noch nicht so weit gediehen ist. Danach kommt aber der Jahreswechsel, wo dann die an der Reihe sind, die Heiligabend frei hatten. Und insbesondere beim Nachtdienst zum Jahreswechsel gebe es viele Einsätze: „Zu 99 Prozent ist es an Silvester ruhig, aber ab 0.05 Uhr geht es dann los“, wissen Müller, Eichert und Kosanke aus Erfahrung – wobei Alkohol zumeist eine große Rolle spiele.

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