Innovationspotenzial nicht übersehen

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Ein Gespräch mit Ortsbürgermeister Horst Becker in der historischen Brennerei in Rönsahl gehörte auch zur Visitation von Weihbischof Franz Vorrath. ▪

KIERSPE/MEINERZHAGEN ▪ An elf Tagen in diesem Jahr war Weihbischof Franz Vorrath zu einer Visitation in der Pfarrei St. Maria Immaculata in Meinerzhagen und Kierspe, vergangenen Montag schloss er sie mit einem Besuch der historischen Brennerei in Kierspe, einem Gespräch mit Ortsbürgermeister Horst Becker und einer Abschlusskonferenz ab.

Einen Einblick in die derzeitige Lage der Pfarrei zu bekommen, das war der Sinn der Visitation des katholischen Weihbischofs aus Essen. Dazu gehörten Gespräche mit den hauptamtlichen, neben- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Pfarrei. Darüber hinaus sprach er auch mit den Gremien der Pfarrei, den Erzieherinnen und besuchte die örtlichen Schulen. Auch Gespräche mit den heimischen Bürgermeistern standen auf dem Plan, wobei das Gespräch mit Bürgermeister Frank Emde aufgrund dessen Erkrankung nachgeholt werden soll.

Aufgefallen sei ihm bei seinem Besuch, dass alle bisherigen Modelle der pastoralen, katechetischen, kirchenmusikalischen und auch administrativen Arbeit aufgrund des veränderten Personalschlüssels fraglich geworden seien. „Wo gestern noch kontinuierliche Präsenz von Hauptamtlichen der Normalfall gewesen ist, klaffen heute Lücken, die sich negativ auswirken“, steht es in seinem Abschlussbericht. Der Grund ist in der großen räumlichen Ausdehnung zu sehen, der zu bewältigenden Entfernungen und des niedrigen Personalschlüssels. Nicht hilfreich erweise sich dabei für die Gemeindemitglieder „der Blick zurück“, „der Blick auf das Bistum“ und die „Fixierung auf Hauptamtlichkeit“. Beim Blick auf die Hauptamtlichkeit wies Weihbischof Vorrath darauf hin, dass beim Urchristentum in erster Linie die Aktivitäten von Frauen und Männern aus dem Laienstand ausgegangen seien und nicht von den Profis. „Die bei uns geschichtlich im Laufe der Jahrhunderte gewachsene Rolle der Hauptamtlichen muss neu bedacht und durch neue Modelle des Ehrenamtes ergänzt werden.“ Aufgrund seiner Beobachtungen in der Pfarrei schlägt Weihbischof Vorrath vor, die Frauen und Männer wertzuschätzen, die sich engagiert einsetzen. Diese würden sich mit der neuen Situation der Kirche intensiv beschäftigen, zum Teil bis an den Rand der Belastbarkeit und manchmal auch der Zumutbarkeit. Das an vielen Stellen durchschimmernde Innovationspotenzial solle nicht übersehen werden. Überdacht werden sollten in der Pfarrei zudem die bisherigen Angebote. Dabei sei die Frage zu klären, ob die Angebote noch zeitgemäß seien und die Bedürfnisse der Menschen noch erfüllt würden.

Auch bei den Hauptamtlichen sollte ein Umdenken einsetzen. Sie agierten oft als „Selbstfahrer“, allenfalls als „Fahrschullehrer“. „Aus meiner Sicht muss die Entwicklung aber hin zu ,Leitern der Fahrschule’ gehen“, schloss Weihbischof Vorrath seinen Analyse ab. Weiter ging er auf die Gegebenheiten der Schulen und der Kindergärten ein, die er besuchte und mit deren Lehrern, Erziehern und auch Kindern er gesprochen habe. Bei der Montagabend stattfindenden Abschlusskonferenz traf er sich mit den Mitgliedern der Gemeinderäte, des Kirchenvorstandes und der hauptamtlichen Mitarbeiter im Gemeindehaus St. Josef, bei der er seinen Abschlussbericht vorstellte und es anschließend Raum für Diskussionen gab. ▪ geg

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