Wenn die Kerzen zur brennenden Falle werden

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Der Tüv Rheinland hat 52 verschiedene Lichterketten getestet. Das Ergebnis war vernichtend. 38 Ketten erfüllten nicht einmal die Mindestanforderungen. ▪

KIERSPE ▪ Eigentlich sollen Lichterketten, Adventskränze und Kerzen in der Vorweihnachtszeit Licht in die dunkle Jahreszeit bringen und vorbereiten auf das Fest am 24. Dezember. Doch schnell können diese leuchtenden Accessoires die Wohnung in ein brennendes Inferno verwandeln. Das haben nicht nur Tüv-Berichte in den vergangenen Wochen gezeigt, der Kiersper Wehrleiter Georg Würth hat auch schon selbst erlebt, welche Gefahr gerade von Lichterketten ausgehen kann.

„Eine Wohnungsbesitzerin hatte uns verständigt und darum gebeten, dass einmal jemand von der Feuerwehr komme, weil sie immer wieder in ihrer Wohnung Brandgeruch rieche“, erinnert sich Georg Würth. Und tatsächlich, nach längerer Suche kamen die Wehrleute der Ursache auf die Spur. Eine Lichterkette, die um eine Gardinenstange gewickelt war, hatte aufgrund ihrer großen Hitze die Kunststoffbeschichtung der Stange weggeschmolzen. Würth: „Da hätte nicht viel gefehlt, dann wäre es zu einem Brand gekommen.“

Wie gefährlich solche Ketten sein können, hat auch der Tüv Rheinland festgestellt. Das erschreckende Ergebnis: Von 52 untersuchten Ketten erfüllten 38 nicht einmal die Mindestanforderungen der europäischen Norm. In dem veröffentlichten Ergebnis ist sogar festgehalten, dass bei jeder fünften Kette akute Verbrennungs- oder Stromschlaggefahr bestehe.

„Es lohnt sich sicher, ein paar Euro mehr auszugeben und nicht beim billigsten Angebot zuzugreifen. Am sichersten ist es, auf LED-Technik umzustellen. Bei diesen Ketten wird der Strom von 230 auf zwölf Volt transformiert, dadurch besteht die Gefahr des Stromschlages nicht mehr. Außerdem überhitzen die Ketten nicht, wenn einzelne Kerzen ausfallen“, so Würth, der auch betont, dass die LED-Technik deutlich weniger Strom verbrauche und so auch die Umwelt von dem Umstieg profitiere.

Zur Vorsicht mahnt Würth aber auch beim Umgang mit echten Kerzen am Weihnachtsbaum oder Adventskranz. „Am besten kauft man den Baum erst kurz vor dem Fest und dann noch möglichst frisch. Außerdem ist es empfehlenswert, den Baum in einen Ständer, gefüllt mit Wasser, zu stellen. Denn je frischer der Baum ist, desto schwerer kann er entzündet werden. Das gilt übrigens auch, wenn herkömmliche elektrische Kerzen für das weihnachtliche Ambiente sorgen“, erklärt der Wehrleiter, der weiter empfiehlt, den Baum nicht in der Nähe von Heizkörpern aufzustellen und keine Fluchtmöglichkeiten zu blockieren, verzichtet werden sollte auch auf leicht entflammbaren Weihnachtsschmuck aus Pappe, Watte oder Zelluloid.

„Vor allem sollten Eltern ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt lassen, wenn Kerzen im Raum brennen. Nur zu gerne spielen die Kleinen mit dem Feuer. Die davon ausgehenden Gefahren können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dazu gehört auch, dass die Kinder keinen Zugriff auf Feuerzeuge und Streichhölzer haben. Die Kerzen selbst sollten am Baum immer von oben nach unten angezündet werden – und in umgekehrter Reihenfolge gelöscht werden“, so Würth, der auch dazu rät, einen Feuerlöscher bereit zu halten. Sollte es jedoch zu einem Brand kommen und der Löschversuch scheitern, gelte es, das Haus so schnell wie möglich zu verlassen. Würth: „Die Bäume brennen wie Zunder. Da kann ganz schnell das gesamte Zimmer in Flammen stehen. Verstärkt wird dieser Effekt dann noch, wenn sich leicht entflammbare Stoffe wie Vorhänge oder Gardinen in der Nähe befinden.“ ▪ Johannes Becker

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