Rat und Verwaltung danken dem scheidenden Wehrleiter 

Ein versöhnlicher Abschied für Georg Würth

Bürgermeister Olaf Stede (rechts) nutzte die Ratssitzung, um Georg Würth als ehemaligen Wehrleiter zu verabschieden.
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Bürgermeister Olaf Stede (rechts) nutzte die Ratssitzung, um Georg Würth als ehemaligen Wehrleiter zu verabschieden.

„Wenn vor 20 Jahren jemand gesagt hätte, dass aus den Löschzügen Bahnhof und Stadtmitte einmal ein gemeinsamer Löschzug würde, wäre er aus der Stadt gejagt worden“, ist sich Georg Würth sicher. Aus der Stadt gejagt wurde der frühere Wehrleiter zwar nicht, doch diese Worte sagte er anlässlich seiner Verabschiedung aus dem Amt im Rahmen der Ratssitzung.
Im Vorfeld dieser feierlichen Verabschiedung hatte es nicht nur freundliche Töne gegeben. So hatte Würth in einem Leserbrief der Verwaltung vorgeworfen, ihn „regelrecht gemobbt“ zu haben und ihm Hausverbot fürs Gerätehaus erteilt zu haben. Bürgermeister Stelse widersprach dem mit einem Post auf seiner privaten Facebookseite.

Kierspe - Doch von diesen emotionalen Schieflagen war bei der Verabschiedung keine Rede mehr. Olaf Stelse nutzte die Gelegenheit vielmehr dazu, auf das außergewöhnliche Wirken des ehemaligen Wehrleiters einzugehen. 1977 sei dieser in die Wehr eingetreten, habe als Gruppenführer, Stellvertretender Zugführer, Zugführer, Stellvertretender Wehrleiter und schließlich ab 2002 als Wehrleiter alle Stationen und Führungsebenen erlebt. Er habe sich früh erfolgreich um mehr Frauen unter den Aktiven bemüht, die Jugendfeuerwehr stark gefördert und die Gründung der ersten Kinderfeuerwehr des Kreises veranlasst. Darüber hinaus habe er sich stark in die Planung des neuen Gerätehauses eingebracht und die Fusion der beiden Löschzüge vorbereitet. Auf seine guten Kontakte ins Innenministerium, die sich positiv auf die Kierspe Wehr ausgewirkt hätten, blieben nicht unerwähnt.

Auch der Kreisbrandmeister, dessen Brief zur Verabschiedung Würths vorgelesen wurde, sparte nicht mit Lob und hob den „unermüdlichen Einsatz“ des scheidenden Wehrleiters für die Kiersper hervor. In dem Schreiben hieß es, Würth habe Weitblick bei der Kinder- und Jugendfeuerwehr bewiesen und sei alles andere als ein Standard-Feuerwehrmann.

In Anbetracht der freundlichen und lobenden Worte zeigte sich Georg Würth gerührt, was ihn aber nicht davon abhielt, den Bürgermeister erst einmal zu korrigieren: „Ich bin bereits 1975 in die Wehr eingetreten. Mein damaliger Einheitsführer hatte aber nur sehr selten Kontakt zum Wehrleiter und zur Verwaltung, deshalb wurde mein Eintritt erst für 1977 vermerkt – aber das konnten Sie wirklich nicht wissen.“

Und auch der nächste Satz ließ die Ratsmitglieder sicher aufhorchen. „Viele werden froh sein, dass ich weg bin, ich war nie pflegeleicht“, so Würth. Doch er nutzte seine Redezeit auch dazu, sich bei den Kiersper Politikern für deren Unterstützung zu bedanken, vor allem aber bei den Kierspern, die der Wehr immer mit großer Wertschätzung begegnet seien. Er vermerkte aber auch, dass für manchen in Politik und Verwaltung die Beziehung zur Feuerwehr ambivalent gewesen sei: „Mal ist die Feuerwehr systemrelevant, mal nur ein Kostenfaktor.“ Seinen Nachfolgern wünschte er das gleiche Glück, das er über alle die Jahre gehabt habe: „Ich hoffe, auch ihr könnt alle wieder gesund vom Einsatz zurückkehren.“

Das letzte Wort hatten die Mitglieder des Rates in Form eines lang anhaltenden Applauses, zu dem alle aufgestanden waren.

Kommentar: Viel Feind, viel Ehr

„Viel Feind, viel Ehr.“ So ist es oft zu lesen, wenn streitbare Politiker charakterisiert werden. Auf den scheidenden Wehrleiter Georg Würth trifft die Aussage aber mit Sicherheit zu. In den vielen Jahren seines Wirkens als Wehrleiter hat er sich wahrlich nicht nur Freunde gemacht, aber auf jeden Fall viele Gegner – und auch etliche echte Feinde.

Grund dafür ist sicher an vielen Stellen die Art von Würth, der keiner Diskussion aus dem Weg ging und sicher auch immer noch nicht geht. Doch in den allermeisten Fällen ging es um die Sache – eine Sache, die lebenswichtig und oft genug lebensrettend war und ist. Würth war Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Und er wusste früh, dass es ihm nicht reichen würde, auf kommunaler Ebene zu wirken.

Doch dort vor Ort wurde der Grundstein gelegt. Von Anfang an hat er die Jugendfeuerwehr gefördert, um Nachwuchs für die Wehr zu finden, denn ihm war schnell klar, dass die Zahl der „wehrfähigen“ Männer, die sich im jungen Erwachsenenalter für den Dienst an der Spritze melden, nicht ausreichen würde.

Früh wollte er die jungen Kiersper für die Wehr begeistern. Und als er erkannte, dass die Weichen für das Engagement der Jugendlichen immer früher gestellt werden, gründete er die erste Kinderfeuerwehr im Märkischen Kreis und eine der ersten im ganzen Land. Dabei musste er Widerstände überwinden und sich Partner suchen.

Letztgenannte fand er weniger vor Ort als vielmehr in Düsseldorf und in anderen Wehren. Egal wie der jeweilige Innenminister hieß oder welcher Partei er angehörte, Würth verschaffte sich Gehör, war gern gesehener Gast im Ministerium und arbeitete auf höchster Ebene in entsprechenden Gruppen mit. Neben der Gründung seiner Kinderfeuerwehr hatte das zur Folge, dass die Kiersper Wehr bei Ausbildung und Ausstattung immer wieder von diesen Kontakten profitierte.

Aber Würth schaute nicht nur in den Schulen nach dem Nachwuchs, sondern suchte diesen auch sehr früh bei den Frauen. Während sich Wehrleiter in der Nähe und der Ferne noch gegen die Öffnung ihrer Männerklubs wehrten, waren Frauen in der Kiersper Wehr schon der Normalzustand.

Doch letztlich musste auch Würth erkennen, dass alle seine Bemühungen ein Abschmelzen der Tagesverfügbarkeit nicht verhindern sondern nur verlangsamen würden. Aus diesen Überlegungen resultierte letztlich die Gründung des neuen Innenstadtzuges, der nun im neuen Gerätehaus, das von Würth immer wieder gefordert, wurde, seinen Platz hat. Als er mit dieser Idee kam, wandten sich auch einige in der Wehr von ihm ab. Doch letztlich hat er Recht behalten und eine neue schlagkräftige Truppe ins Leben gerufen.

Seine Gegner bei diesem Projekt hätten wissen können, dass er sich letztlich durchsetzen würde. Die Auseinandersetzung um das vergiftete Geschenk in Form eines gebrauchten aber nicht brauchbaren Fahrzeuges an den Rönsahler Löschzug hätte ihnen Mahnung sein können. Damals bewies Würth Führungsstärke und Durchhaltevermögen – auch um den Preis, dass der Rönsahler Zug nie wieder zu seiner alten Stärke zurückgefunden hat.

Jetzt, wo er geht, ist das Feld bestellt. Seine Nachfolger können auf gute und funktionierende Strukturen zurückgreifen. Sie werden manches anders und vielleicht einiges besser machen. Doch ob sie sein Gesamtergebnis in den Schatten stellen können, bleibt abzuwarten. Glück und Ausdauer für diese lebenswichtige und lebensrettende Arbeit darf man ihnen von Herzen wünschen.

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