Margarethenkirche wieder eröffnet

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Die Gruppe Stressless machte ihrem Namen alle Ehre und interpretierte völlig entspannt bekannte Songs und Klezmerlieder.

Kierspe - Einem keineswegs unterwürfigen, sondern sehr selbstbewussten preußischen Beamten ist es zu danken, dass die Margarethenkirche mit ihrer markanten Turmspitze dem Dorf schon seit vielen Jahren seinen unverwechselbaren Charme verleiht und von vielen Menschen heute als Wahrzeichen der Stadt angesehen wird.

Von Luitgard Müller

Mit Humor erläuterte Hans-Ludwig Knau am Sonntagnachmittag in einem Vortrag die Geschichte des Gotteshauses, dessen Bau sich, wie die Ortschronik verzeichnet, „im Schoße der Vergangenheit“ verliert. Erstmals erwähnt wird die Kirche 1147 in einer Urkunde Papst Eugens III, in der er sie als Besitztum der Abtei Deutz bestätigt. 1310 wird sie auch im Steuerverzeichnis des Erzbistums Köln erwähnt. Ursprünglich wurde sie vermutlich aus Stein im romanischen Stil erbaut. Aus dieser Zeit gibt es nur noch Erinnerungsstücke wie Tauf- und Weihwasserbecken aus dem 13. Jahrhundert, die damals offenbar modern waren und sich heute noch in vielen Gotteshäusern, auch in Meinerzhagen, finden.

Der heutige Baukörper der Kirche ohne Dach und Turm stammt aus dem 14. Jahrhundert, die stilistischen Merkmale der Gotik sind noch an den charakteristischen Maßwerkfenstern zu erkennen. Wegen Baufälligkeit wurde 1816 der Turm abgerissen, auch das Dach, das Kreuzgewölbe und die Säulen wurden entfernt, so dass nur die Umfassungsmauern erhalten blieben. Für den Umbau musste die Gemeinde einige Kirchengüter verkaufen.

Der Landesbaumeister Philipp Leonhard Pistor bemühte sich auch über die politischen Veränderungen der „Franzosenzeit“ hinweg, den Umbau der Kirche und den Neubau ihres Turmes nach den Bauprinzipien des preußischen Klassizismus auszuführen, die Festigkeit, Nutzen und Schönheit gleichermaßen berücksichtigten. Mit einer geschickten Argumentation, die die Zuhörer schmunzeln ließ, erreichte er schließlich die Zustimmung des Oberbaudirektors Lehmann in Düsseldorf, der eine hohe Turmspitze für eine Dorfkirche als unnötig ablehnte und ein gewöhnliches Dach mit einer platten Decke favorisierte.

Musikalisch umrahmt wurde Knaus Vortrag von der Sängervereinigung Vorth-Grünenbaum unter der Leitung von Ingo Reich, die einige zum Anlass passende Lieder präsentierten und der Gruppe Stressless. Michael Weiss (Gitarre, Gesang), Achim Volkmann (Cajon, Didgeridoo), Max Jalaly (Kontrabass) und Fritz Schmid (Geige, Saxophon) machten dem Namen ihrer Gruppe alle Ehre und interpretierten völlig entspannt zahlreiche Songs, vor allem von Bob Dylan. Aber auch für einige Klezmerlieder ernteten sie viel Applaus. Außerdem hatten die Besucher der Margarethenkirche an diesem Nachmittag Gelegenheit, den frisch renovierten Kirchturm zu besichtigten und einen ungewohnten Blick aus luftiger Höhe auf Kierspe zu werfen.

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