Volksbank trotzt der Krise: Bilanzsumme gestiegen

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Die Vorstände der Volksbank Kierspe Stephan Baldschun (links) und Stephan Böhse stellten gestern Vormittag die Zahlen für das Geschäftsjahr 2014 vor.

Kierspe - Es gab ohne Zweifel Zeiten, in denen die Vorstände der Volksbank Kierspe im Rahmen ihrer Bilanzpressekonferenz euphorischer auf das vergangene Jahr zurückschauten. Unzufrieden sind Stephan Böhse und Stephan Baldschun deshalb aber nicht: Die Bilanzsumme stieg ebenso wie das Kundenvolumen.

Und auch die Mitglieder der Volksbank haben Grund zur Freude. An sie werden insgesamt 113 000 Euro an Dividenden ausgeschüttet, was einer Quote von 6,5 Prozent entspricht – ein Wert, der angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase selten geworden ist, wie Stephan Böhse betont.

Im Gespräch mit den Bankern wird schnell klar: Das Geschäftsklima ist rauer geworden. Dazu tragen eben auch die niedrigen Zinsen bei, die das Wirtschaften für eine Bank erschweren. „Es ist schwierig, eine Marge zu erwirtschaften“, erklärt Stephan Böhse die schwindende Differenz aus „Geldein- und -verkauf“. Und: Die Situation könne sich in den kommenden Jahren durchaus verschärfen. „Die EZB und die EU können derzeit einfach keine hohen Zinsen vertragen, daher rechnen wir auch in der Zukunft nicht mit einer Entlastung“, so Böhse.

Nach seiner Einschätzung verschärft außerdem eine ungleiche Wettbewerbssituation die Lage für Institute wie die Kiersper Volksbank: Ausgerechnet vom Staat subventionierte Banken würden als Preisbrecher im Kundengeschäft agieren und die Lage „maximal erschweren“, so Böhse, der zudem die immer stärkere Regulierung durch die Aufsichtsbehörden kritisierte. „Man lässt sich mannigfaltige Regeln einfallen, die uns personell enorm binden und einen Kostendruck ausüben.“

„Wir werden und wollen eigenständig bleiben“

Dass solche Belastungen in größeren Banken besser abgefedert werden können, daraus machen weder Böhse noch Baldschun einen Hehl. Und doch: „Wir werden und wollen eigenständig bleiben“, betonen beide Vorstandsmitglieder. Um die großen Herausforderungen abzufedern, sei jeder der etwa 40 Mitarbeiter einzeln gefordert, „eine Schippe draufzulegen“. „Wir haben im vergangenen Jahr schon mehr als 5000 Kundengespräche geführt, waren im Cross-Selling-Bereich sehr aktiv“, sagte Stephan Baldschun gestern. Und das habe sich eben auch – trotz aller Schwierigkeiten – in positiven Entwicklungen niedergeschlagen, ohne die ein Spendenvolumen für Vereine und Verbände in Höhe von 30 000 Euro nicht möglich gewesen wäre. So stieg die Bilanzsumme um 0,7 Prozent auf 127,65 Millionen Euro, das Kundenvolumen umfasste im Jahr 2014 insgesamt 237,7 Millionen Euro (+ 1,2 Prozent). „Der Trend ist intakt“, freut sich Baldschun über eine Steigerung, die sich auch im Kreditgeschäft bemerkbar macht. Inklusive der Geschäfte für die Verbundpartner verzeichnet man hier eine vierprozentige Steigerung, ohne Verbundpartner bleibt immer noch ein Plus von 2,2 Prozent. Einen Negativtrend verzeichnet die Volksbank indes beim Kundenanlagevolumen, das um eine Million auf 132,6 Millionen Euro sank. „Das ist auch das Ergebnis eines geänderten Konsumverhaltens“, so Böhse. Es werde angesichts niedriger Zinsen nicht gespart, sondern investiert. Auch in Wertpapiere, bei denen die Volksbank Kierspe einen Zuwachs um 1,5 Prozent auf etwa 14 Millionen Euro verzeichnet.

All dies führte letztlich zu einem Jahresüberschuss in Höhe von 381 000 Euro, von dem die 4141 Mitglieder der Bank in Form der schon genannten Dividende profitieren. Und profitieren soll überdies ganz Kierspe: Immerhin fließe ein erheblicher Teil der 359 000 Euro an gezahlten Steuern der Stadt zu, wie Böhse und Baldschun betonten.

Frank Zacharias

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