Awo: Mit dem Raben gegen das Anderssein

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Die jungen Besucher hatte Theaterpädagogin Susanne Diebel schnell für sich gewonnen. Im Rahmen einer Lesung war das Anderssein an diesem Tag Thema.

Kierspe - Vielfalt ist das zentrale Thema einer Veranstaltungswoche der Awo – nicht nur in Kierspe, sondern überall in Deutschland. Daran beteiligt sich das Familienzentrum Liederwiese der Arbeiterwohlfahrt in Kierspe mit einem Vorlesetag, zu dem auch die anderen Kiersper Kindergärten eingeladen waren.

Der Rabe, den Theaterpädagogin Susanne Diebel mitgebracht hat, stellt mit Erstaunen fest, wie bunt die Kinder gekleidet sind, die an diesem Morgen zu ihm kommen. Er selbst ist schwarz – wie alle Raben. Doch das sei nicht immer so gewesen, teilt er den Kindern mit. „Als die Raben noch bunt waren“, heißt das Kinderbuch, das Diebel in anschaulicher Weise vortrug. Demnach gab es eine Zeit, in der alle Raben bunt waren. Doch das führte nur zum Streit unter den Vögel, sie grenzten sich gegen andersfarbige ab und schlossen sich nach Farben getrennt zusammen. Erst ein Zauberregen sorgte dafür, dass die Tiere fortan alle schwarz waren.

Auch für die Kinder ist das Anderssein ein Thema, weiß die Leiterin der Awo-Einrichtung Anke Holthaus, allerdings stelle das so gut wie nie ein Problem dar. Das sei deutlich geworden, als durch den Zuzug der Flüchtlinge viele neue Kinder in die Einrichtung gekommen seien. „Meist ist es den Kindern egal, woher die neuen kommen. Sie sind zwar neugierig, haben aber keine Vorbehalte. Selbst Sprachprobleme lösen die Kleinen meist sehr schnell und finden guten Kontakt“, schildert Holthaus ihre Erfahrungen. Trotzdem hält sie es für wichtig, Vorbehalten, die in der Gesellschaft bestehen, entgegenzutreten und diesen auch bei den Kindern entgegenzuwirken.

Im Rahmen der Aktionswoche „Echtes Engagement. Echte Vielfalt. Echt Awo“ entschieden sich deshalb die Erzieherinnen der Einrichtung am Haunerbusch, den Begriff der Vielfalt nicht nur auf die Awo zu beschränken, sondern diesen auszuweiten, auf eine Vielfalt, der viele Menschen mittlerweile mit Einfalt begegnen.

Was lag da näher, als eine Geschichte, die das Anderssein zum Thema macht, auszusuchen. „Wir wollten auch die anderen Kindergärten einladen, da ich es schön finde, wenn diese enger zusammenarbeiten“, so Holthaus. Und um diesen Kindern auch etwas zu bieten, wurde die Theaterpädagogin mit dem Vorlesen „beauftragt“.

Susanne Diebel ist regelmäßig im Familienzentrum Liederwiese. Die Theaterpädagogin spielt einmal die Woche mit den Kindern und bietet auch Improvisationstheater an. „Das dient der Sprachförderung, ermöglicht den Kindern aber auch eine ganz neue Möglichkeit, sich auszudrücken.“

Insgesamt fand die besondere Lesung sechs Mal statt. Zum Schluss gab es noch eine bunte Feder für jedes Kind. Vom Raben kann diese aber nicht stammen, denn die sind ja jetzt alle schwarz – und die jungen Zuschauer wissen nun auch, warum das so ist.

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