Mühlentag: Gäste erleben altes Handwerk hautnah

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Bereits zur Eröffnung am Morgen standen die Kunden in der Rhadermühle Schlange. –

KIERSPE – Mit gezielten Hammerschlägen bringt Karl-Heinz Kraus das rot glühende Eisen ein wenig in Form. Heute soll ein kunstvoll gedrehter Kleiderhaken entstehen, wie der bereits fertig gestellte, den eine Familie gerade interessiert in Augenschein nimmt.

Dazu muss zunächst ein passendes Eisenstück mit der Hebelschere zugeschnitten und am Schraubstock gewendelt werden. Erfahrung braucht man, um die Spitze fachkundig am Federhammer zu recken und zum Abschluss am Amboss krumm zu biegen.

Trotz des regnerischen Wetters fanden sich am Pfingstmontag anlässlich des 20. Deutschen Mühlentages zahlreiche Besucher im alten Industriedenkmal Schleiper Hammer ein, um sich die traditionellen Techniken der Metall- und Kunststoffverarbeitung hautnah vorführen zu lassen.

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Mühlentag in der Knochenmühle

Manfred Völker und Karl-Heinz Kraus ließen bei ihren sporadischen Vorführungen den Maschinenpark der urigen Anlage eindrucksvoll zum Leben erwachen. Auf der unteren Ebene bestaunten die Besucher zwei Fallhämmer, drei Federhämmer und einen Breitehammer aus der Zeit zwischen 1900 und 1920. Dort wurden sie Zeugen davon, wie Teile von Astscheren und dem legendären Afrika-Spaten fachkundig geschmiedet wurden. Dank Transmissionen von der Turbine aus, ließen sich bis auf den Breitehammer alle Maschinen mit einer Hand bewegen.

Komplettiert wird der Maschinenpark im Untergeschoss durch eine 80-Tonnen-Exzenterpresse, eine Besäumschere, einen Schleifstein, eine Drehbank, eine Säge und eine Universalbohrmaschine mit schwenkbarem Schraubstock.

Im Obergeschoss füllte Walter Probst gerade Bakelitmasse in eine Form, drückte den Hebel herunter und setzte eine der sechs betriebsbereiten Handpressen in Gang. Innerhalb von drei Minuten entstand aus dem Rohstoff der obere Teil eines rotmelierten Eierbechers und an einer anderen Presse dessen schwarzer Fuß. „Wenn ich ein heißes Oberteil und ein schon erkaltetes Unterteil zusammendrücke, verbinden sie sich beim Abkühlen ganz fest miteinander“, erklärte er den interessierten Besuchern.

Kierspe war eine Hochburg der frühen Kunststoffherstellung

Dass Kierspe ab 1910 mit rund 500 Pressen zu den Hochburgen der frühen Kunststoffherstellung gehörte, war für einige Gäste völlig neu. Neben der hydraulischen und der elektrischen Presse konnten sie auch eine Waagerechtstoßmaschine und eine alte Mechanikerdrehbank besichtigen.

Gegen Mittag zog der Geruch von dampfender Erbsensuppe durch das alte Gebäude und die selbst gebackenen Kuchen lockten die Besucher zu einem kleinen Imbiss. Gerne ließen sie sich von den Frauen des Heimatvereins bestens verköstigen.

Vor fast 30 Jahren hat der Heimatverein den Schleiper Hammer erworben und – dank des großen ehrenamtlichen Engagements vieler Helfer – im denkmalgeschützten Gebäude ein Museum errichtet. An die Anfänge erinnert sich Wilhelm Kattwinkel noch sehr gut, war der 91-Jährige doch ein Hammervater der ersten Stunde und schaut auch heute noch täglich nach „seiner“ Turbine.

Köstliches Roggen- und Weizenmischbrot nach dem Reinheitsgebot backten Karin Derksen, Annette Zacharias und Markus Hoppe derweil im großen Steinofen der Rhadermühle. Gleich zur Eröffnung am Morgen standen die Kunden dort bereits Schlange. Ganz neu im Angebot war in diesem Jahr ein Butterkuchen mit Mandeln.

Schon am Sonntagnachmittag hatte Karin Derksen damit begonnen, den Ofen auf 200 Grad vorzuheizen. „Das reicht für die ersten beiden Durchgänge“, erklärte Markus Hoppe, während er 81 Brote zwischen den glühenden Schamottsteinen hervorzog.

Auch in der Rhadermühle gab es am 20. Deutschen Mühlentag viele interessierte Besucher, die nicht nur am leckeren Sauerteigbrot interessiert waren, sondern auch an der Geschichte des alten Gebäudes und dem fachkundig restaurierten Ofen. – Martina Haski

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