„Von Normalität sind wir noch weit entfernt“

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Andrea Bornträger präsentiert die Pläne für die neue Halle. ▪

KIERSPE ▪ Es war der 13. März der das Leben von Andrea Bornträger mächtig auf den Kopf stellte. Um 4.30 Uhr rückten 120 Einsatzkräfte der Kiersper sowie der Meinerzhagener Feuerwehr aus, um einen Großbrand zu löschen. Als die Einsatzkräfte an der Osemundstraße eintrafen, stand die Halle der Firma Plastika lichterloh in Flammen. Noch heute erinnert sich die Geschäftsführerin an die Nacht, die schlagartig alles veränderte.

„Von Normalität sind wir nach wie vor meilenweit entfernt“, erklärt die Geschäftsführerin heute. Spuren zeugen von den Ereignissen der Nacht: Ruß ist an den Wänden, wo einst eine Produktionshalle stand, dicke Pfützen stehen auf dem Platz. Sandsäcke verhindern, dass das Wasser in die angrenzenden Gebäude fließt.

„Die Wände und Türen, die jetzt außen sind, waren eigentlich Innenwände und -türen und nicht für Regenmassen konzipiert“, erklärt Bornträger. Doch dies sei nur eines der kleineren Probleme gewesen, die es in den vergangenen Wochen zu bewältigen galt. „Um in einer Schockstarre zu verweilen, fehlte uns die Zeit.“ Kunden mussten informiert werden, Aufräumarbeiten in Gang gesetzt werden, Behördengänge erledigt werden. Ohne eine starke Mannschaft sei dies nicht so leicht möglich gewesen. Und auch die Kunden seien verständnisvoll gewesen. „Wir haben einen langjährigen Kundenbestand. Einige bestellen seit 48 Jahren bei uns. Das sind gewachsene und gute Beziehungen“, so Bornträger. Doch die wurden auf eine harte Probe gestellt. Denn es könnten momentan keine Teile auf Lager produziert werden. Und einzelne Bestellungen könnten aus logistischen Gründen nicht komplett ausgeliefert werden. „So ist das halt, wenn in einer Lagerhalle produziert wird, uns fehlt einfach der Platz.“ Unmittelbar nach dem Feuer kam ein weiteres Problem hinzu: „In der Halle war unser Werkzeugbau, Maschinen und Werkzeuge sind entweder stark beschädigt oder komplett zerstört worden.“ Der Werkzeugbau laufe mittlerweile wieder. Ein benachbartes Unternehmen bot Hilfe an: „Wir können dort unsere Werkzeuge bauen“, freut sich die Geschäftsführerin. Überhaupt sei viel Hilfe von anderen Unternehmen gekommen. „In so einer Notsituation trennt sich menschlich ganz klar die Spreu vom Weizen.“ Jedoch sei sie eigentlich positiv überrascht gewesen und aus einigen Helfern wurden mit der Zeit Freunde. Viel mitgemacht haben auch die 25 Mitarbeiter. Bis zu 50 Überstunden schoben sie in den ersten Wochen nach dem Brand, um alles wieder herzurichten.

Wenn Andrea Bornträger an all das denkt, kann sie nicht verstehen, wie die Brandstifter so etwas machen konnten: „Die scheinen nicht weit gedacht zu haben, es hätten schließlich auch Menschen verletzt werden können. Meine Mutter wohnt hier, sie war zum Glück nicht zu Hause.“ Die Täter sind mittlerweile gefasst und auch sonst geht es aufwärts. Seit Samstag liegt die Baugenehmigung vor. Die Bauunternehmen sind bereits beauftragt. Ende September soll die neue Halle so weit fertig sein, dass darin produziert werden kann. „Das ist wie ein Neuanfang“, freut sich Borntäger. Vorbei sei dann die Zeit der Improvisation. „Das wird auch langsam Zeit. Wir müssen dringend zur Ruhe kommen, um die Ereignisse zu verarbeiten.“

Die alte Halle werde fast identisch wieder aufgebaut, allerdings sei sie ein wenig höher und den modernen Produktionsmöglichkeiten angepasst. „Wir vergrößern uns um etwa zehn Prozent und auch die Räume sollen effektiver genutzt werden.“ Klar, dass nach so einer Katastrophe Brandschutz eine wichtige Rolle spiele. So werde für die Werkzeuge beispielsweise ein 63 Quadratmeter großer, feuersicherer Raum geschaffen.

Lydia Machelett

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