Volkstrauertag: Mahnende Reden am Büscherweg und in Rönsahl

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Die Schützenvereine, Vertreter weiterer heimischer Vereine und Kiersper Bürger versammelten sich auf dem Soldaten- und Zwangsarbeiterfriedhof Büscherweg zur Feierstunde anlässlich des Volkstrauertages.

Kierspe/Rönsahl - „Wir dürfen nicht vergessen, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. Insofern sind wir alle aufgefordert, unseren Beitrag zum Erhalt des Friedens zu leisten“, mahnte die stellvertretende Bürgermeisterin Marie-Luise Linde am Sonntagmorgen auf dem Soldaten- und Zwangsarbeiterfriedhof Büscherweg.

Dort fand – ebenso wie am Ehrenmal in Rönsahl – eine Feierstunde zum Volkstrauertag statt.

Gedacht haben die Beteiligten der Feierstunden nicht nur den Soldaten, die in den Weltkriegen starben. Marie-Luise Linde rief dazu auf, auch den Opfern von Gewalt, den Kindern, Frauen und Männern aller Völker zu gedenken.

„Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz“, so Linde. „Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“ Für ein friedvolles, soziales Miteinander erbat sie Achtung und Toleranz gegenüber den Mitmenschen, unabhängig von ethnischer Herkunft oder persönlichen Weltanschauungen, im Kleinen wie im Großen.

An der Feierstunde auf dem Soldaten- und Zwangsarbeiterfriedhof Büscherweg nahmen die Schützen beider Kiersper Schützengesellschaften, die Feuerwehr und der Männerchor Kierspe, der getragen das Lied „Heilig“ aus der Schubertmesse sang, teil. Neben den offiziellen Vertretern der heimischen Vereine wohnten aber auch Kiersper Bürger der Feierstunde bei. An zwei Stellen legten die Schützen einen Kranz zum Gedenken an die Verstorbenen der beiden Weltkriege nieder, einen auf dem Soldatenfriedhof und einen auf dem Zwangsarbeiterfriedhof.

Bei der Feierstunde am Ehrenmal in Rönsahl verlas der 22-jährige Student Julius Zentz die Gedenkrede. „Dass dieses Denkmal hier an einem zentralen Platz im Dorf nicht nur die Erinnerung an millionenfaches Leid, so wie das vor allem die beiden verheerenden Weltkriege ausgelöst haben, wachhalten, sondern im Sinne des Wortes gesprochen vielmehr zum Denken und Nachdenken darüber anregen will, dass so etwas nie wieder passieren darf, das wird mir als jungem Menschen an einem Tag wie diesem in besonderem Maße bewusst“, betonte er.

Die Folgerung, die alle – und damit auch junge Menschen – aus der unseligen Vergangenheit ziehen müssen, könne nur lauten „Nie wieder“. Dieses „Nie wieder“ – so stellte Julius Zentz beim Versuch einer Analyse dessen, was war, ist und in Zukunft sein könne, heraus – müsse als Leitmotiv sowohl des politischen wie gleichermaßen auch des sozialen wie gesellschaftlichen Geschehens gelten. Im Klartext bedeute das für Deutschland, unmöglich zu machen, dass es jemals wieder dazu kommen könne, Macht zu zentralisieren.

Nie wieder dürfe es passieren, dass rechtsradikale Einflüsse die Unantastbarkeit des demokratischen Gefüges gefährden können. Anhand der Analyse eines Steinmeier- Zitats unterstrich der Redner die europa- und auch weltweit heraufdämmernden Gefahren durch einen nicht übersehbaren Rechtsruck und die damit verbundene Gefahr für den politisch alternativlosen „Nie-wieder-Gedanken“.

Dass indes auch in Deutschland bei der medialen Berichterstattung und der Betrachtung des Ost-West-Verhältnisses nicht alles „Gold ist, was glänzt“, ließ der Redner nicht unerwähnt und zitierte auch hier den Bundes-Außenminister und dessen Rat zur Bereitschaft, das bestehende Weltbild immer wieder zu überprüfen. Politischer Druck und Konfrontationsverhalten, so hieß es sinngemäß zum Abschluss, machten zwar Mehrheiten möglich, aber keinen dauerhaften Frieden.

Umrahmt wurde die Feierstunde in Rönsahl durch verschiedene Beiträge von Kirchen- und Bläserchor.

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